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05.12.2014

11:50 Uhr

Bundesbankchef gegen EZB-Politik

Weidmann bietet Draghi erneut Paroli

Zuletzt hielt er sich zurück, doch nach jüngsten Offensiven von EZB-Chef Draghi will Bundesbankchef Jens Weidmann nicht mehr still halten. Er greift Draghis Linie in puncto Anleihenkäufe an. Und provoziert Gegenrede.

Sie sind sich häufig nicht einig, doch nun entbrennt der Diskurs wieder öffentlich: EZB-Chef Mario Draghi (links) und Bundesbankchef Jens Weidmann. Reuters

Sie sind sich häufig nicht einig, doch nun entbrennt der Diskurs wieder öffentlich: EZB-Chef Mario Draghi (links) und Bundesbankchef Jens Weidmann.

FrankfurtBundesbank-Präsident Jens Weidmann sieht wenig Erfolgsaussichten einer weitere geldpolitischen Lockerung nach dem Vorbild der US-Notenbank Fed oder anderer internationaler Notenbanken. „Die Rezepte, die in den USA Erfolg gehabt haben (...) oder die in Japan angewandt werden, kann man nicht einfach auf den Euroraum übertragen“, sagte Weidmann am Freitag. Weidmann reagierte damit auf EZB-Präsident Mario Draghi, der erst am Donnerstag erklärt hatte, weitere Maßnahmen - beispielsweise der von der Bundesbank kritisch gesehene Kauf von Staatsanleihen - hätten anderswo in der Krise gewirkt.

Weidmann hielt dem entgegen, dass die Lage in der Währungsunion anders sei: „In den USA gibt es einen zentralen Staat, der Anleihen begibt, die sehr sicher sind und sehr liquid. Und wir haben diesen Zentralstaat bei uns nicht.“ Die Fed hatte nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers 2008 massiv Staatsanleihen gekauft und damit die Wirtschaft stabilisiert. Inzwischen normalisiert sie ihre Geldpolitik wieder Schritt für Schritt.

Die Verlierer des EZB-Krisenkurses

Investoren

Von billigem Geld getriebene Preise für Aktien, Anleihen und Immobilien bergen die Gefahr von Blasen. Davor warnte jüngst zum Beispiel die Deutsche Bundesbank. Das Risiko steigt.

Sparer

Die Inflation ist zwar niedrig, die Zinsen auf Sparbüchern oder Tagesgeldkonten aber sind noch mickriger. Damit verlieren Sparer unter dem Strich Geld, ihre private Altersvorsorge wackelt.

Versicherer und Bausparkassen

Sie können mit den Beiträgen ihrer Kunden kaum auskömmliche Renditen erzielen. Hohe Zinsversprechen aus früheren Zeiten sind im Grunde nicht mehr zu erwirtschaften.

Die Bundesbank befindet sich schon seit geraumer Zeit auf Konfrontationskurs zur EZB. Diese will im ersten Quartal über den Einsatz weiterer geldpolitischer Instrumente gegen die Wachstumsschwäche und eine drohende Deflation - also Abwärtsspirale aus fallenden Preisen, sinkender Nachfrage der Verbraucher und Investitionen der Firmen - entscheiden. Draghi hatte am Donnerstag deutlich gemacht, dass er notfalls auch ohne Zustimmung der Deutschen neue Schritte gehen will, dazu könnte auch der massenhafte Aufkauf von Staatsanleihen gehören, im Fachjargon der Notenbanker Quantitative Easing (QE) genannt.

Die EZB würde auf diese Weise noch mehr billiges Geld in die Wirtschaft pumpen und darauf spekulieren, dass dadurch die Konjunktur anspringt und die Teuerung künstlich anzieht. Weidmann sagte, die aktuell expansive Geldpolitik der EZB sei zwar richtig für den Durchschnitt der Euro-Zone, allerdings für Deutschland zu expansiv. Die EZB sei mit ihrer Geldpolitik zwar an der Nullzinsgrenze angelangt, allerdings habe sie auch weiterhin noch Möglichkeiten, sagte Weidmann.

Die Gewinner des EZB-Krisenkurses

Aktionäre

Seit Jahren ist das extrem billige Geld der Notenbanken wichtigster Schmierstoff der Börsen. Im Juni hievte eine EZB-Zinssenkung den Dax erstmals über 10.000 Punkte.

Banken

Für sie ist Zentralbankgeld günstig wie nie. Zudem entlastet die EZB über den Kauf von Kreditpaketen. Das soll Freiräume für neue Kredite schaffen und die Konjunktur ankurbeln.

Bundesfinanzminister

Zeitweise verdiente Deutschland mit der Aufnahme neuer Schulden Geld, weil Investoren negative Zinsen für Staatspapiere in Kauf nahmen. Letztlich profitieren davon auch die Steuerzahler.

Konsum

Auch wegen der mickrigen Sparzinsen sitzt Verbrauchern das Geld locker. Das freut Einzelhändler und hilft der Konjunktur.

Kreditnehmer

Auch wenn Banken die rekordniedrigen Leitzinsen von derzeit 0,05 Prozent nicht 1:1 an Kunden weitergeben – selten war es so günstig, die eigenen vier Wände oder eine neue Fabrikhalle zu finanzieren. Laut FMH-Finanzberatung sank der Effektivzins für Baugeld mit zehnjähriger Laufzeit von rund 4,9 Prozent im November des Krisenjahres 2008 auf rund 1,9 Prozent im November 2014.

Krisenstaaten

Die EZB kauft für sie Zeit, um Reformen umzusetzen.

In der Debatte stärkt nun auch Österreichs Notenbankgouverneur Ewald Nowotny EZB-Chef Mario Draghi den Rücken. „Die Position der Österreichischen Nationalbank deckt sich mit dem, was Draghi in seiner Ausgangsbemerkung gesagt hat: es ist angestrebt, dass die Bilanzsumme der EZB ausgeweitet wird, um der Tendenz zu sinkenden Inflationsraten und der Wachstumsschwäche entgegenzuwirken“, sagte Nowotny am Freitag.

Von

rtr

Kommentare (16)

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Dagobert Duck

05.12.2014, 12:20 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

Herr Tom Schmidt

05.12.2014, 12:20 Uhr

Ach ja? Gewirkt haben also diesen Maßnahmen? Wo denn und vor allem wie?

USA: es werden Wachstumszahlen ausgewiesen, die liegen aber an der Geldvermehrung. Realwirtschaftlich hat sich da gar nichts verbessert. Im Gegenteil, die Bevölkerung verarmt immer mehr. Vielleicht sollten die USA sich da mal am arabischen Frühling orientieren, der ist auch ausgebrochen, weil in der Krise Nahrungsmittel teurer wurden. Vielleicht sind die Unruhen gerade nicht nur auf Polizeigewalt zurückzuführen? Ach ja übrigens: die USA schieben der Wallstreet das Geld in den A..., aber die kommen nicht auf die Idee ihre Einzelstaaten einfach mit der Geldpresse mehr Geld zu geben, das kann man sich in Kalifornien ansehen.

Japan? Ergebnis ist dort gleich 0!

UK? Gerade kam die Nachricht, dass die mehr Schulden machen als Italien und Frankreich zusammen. Es wird halt nicht Krise genannt, weil kein Banker um seinen Boni fürchten muss, die Geldpresse machts möglich. Aber wo ist in dem Land eine realwirtschaftliche Wirkung? Sie sind immer mehr abhängig von der Geldpresse, und deren Ablaufdatum ist nicht mehr zu leugnen!

Account gelöscht!

05.12.2014, 12:21 Uhr

Weidmann´s Statements interessieren niemanden.

Deutschland, unter CDUSPDGrüne hat seine Finanzsouveränität mit Einführung des EUR-Systems vollständig abgegeben, ein unglaublicher Akt politischer Dummheit. Deutschland hat in der EZB nichts zu melden, der Verein wird von den Inflationsgesellschaften des ClubMed dominiert, nur wenn es ums Zahlen geht, dann ist Deutschland gefragt!

Frei nach dem Motto: France plays, Germany pays ... das war schon immer so, egal ob EZB, ESM, EFSF, Airbus, Sanofi-Aventis etc pp. Die Liste liesse sich noch lang fortsetzen.

Die staatliche Rente haben sie schon ruiniert und auch die von Ignorantin Merkel geforderte private Vorsorgeengagement wird durch die Niedrigzinspolitik der EZB konterkariert. CDUSPD treiben die Menschen der Mittelschicht in die Altersarmut, von Einsicht oder Lernkurve keine Spur.

Nur die AFD spricht diese bittere Wahrheit als einzige politische Kraft aus.

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