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13.11.2013

14:56 Uhr

Bundesbankpräsident

Weidmann verteidigt EZB-Zinssenkung

Der Bundesbank-Präsident tritt der Kritik an der Zinssenkung der EZB entgegen. Gleichzeitig warnt er, die Politik des billigen Geldes zu lange fortzusetzen. Als Dauertherapeutikum sei das Medikament Niedrigzins riskant.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann verteidigte zunächst die Zinssenkung der EZB. dpa

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann verteidigte zunächst die Zinssenkung der EZB.

FrankfurtBundesbank-Präsident Jens Weidmann hat die historische Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) gegen Kritik gerade aus Deutschland verteidigt. Nach den Exzessen der Vorkrisenzeit müssten viele Länder die hohen öffentlichen und privaten Schulden abbauen und wettbewerbsfähiger werden. Dies sei ein zäher Prozess, der das wirtschaftliche Wachstum noch lange dämpfen wird, sagte Weidmann am Mittwoch beim Wirtschaftstag der Volks- und Raiffeisenbanken in Frankfurt: „Angesichts der auf mittlere Sicht zu erwartenden niedrigen Inflationsraten und der schwachen konjunkturellen Entwicklung ist eine expansive Ausrichtung der Geldpolitik im Euro-Raum gerechtfertigt.“

Die EZB hatte am vergangenen Donnerstag ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,25 Prozent verringert. Begründet wurde dies mit dem schwachen Preisauftrieb im Währungsraum, der im Oktober auf ein Vierjahrestief gesunken war. Zum Teil sei die Preisentwicklung in den Krisenländern aber stark von den Mühen um die Wiedererlangung von Wettbewerbsfähigkeit geprägt, betonte Weidmann.

Der Schritt hatte zum Teil harsche Kritik insbesondere aus Deutschland provoziert. Bemängelt wurde etwa, die EZB nähme mit ihrer Zinspolitik mehr Rücksicht auf Krisenländer wie Spanien oder Italien, wo sich die Konjunktur viel schwächer als etwa in Deutschland entwickelt. Für Deutschland sei der Zins hingegen viel zu niedrig.

Weidmann wies die Vorwürfe zurück. Der EZB-Rat müsse die Leitzinsen so festlegen, dass Preisstabilität im gesamten Euroraum gewährleistet ist. Zielmarke der Notenbank ist eine Inflationsrate von mittelfristig knapp zwei Prozent: „Der EZB-Rat macht Geldpolitik für den gesamten Euro-Raum und nicht für einzelne Länder.“ Zumal die Teuerung nicht nur in den Krisenländern niedrig sei, sondern auch in Deutschland. Eine Deflation erwarte der EZB-Rat aber nicht.

Die Bundesbank im Überblick

Aufgaben

Die Bundesbank ist Teil des Eurosystems und damit mitverantwortlich für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie ist die Zentralbank und damit die "Bank der Banken" - bei ihr müssen Banken Mindestreserven einzahlen, um ihr Bankgeschäft betreiben zu dürfen.

Im Auftrag der EZB werden auch Überweisungen abgewickelt und Bargeld gedruckt und verteilt.

Ein weiteres wichtiges Gebiet ist die Überwachung von Banken und ihren Geschäften sowie die Beobachtung der Großwetterlage der Konjunktur und Finanzmärkte.

Verhältnis zur Europäischen Zentralbank (EZB)

Die Bundesbank ist die bedeutendste Notenbank im Euro-Raum mit einem Anteil am eingezahlten Kapital der EZB in Höhe von etwas mehr als 27 Prozent. Viele Dienstleistungen wie der Aufkauf von Staatsanleihen oder die Lagerung von Bargeld-Notreserven erfolgen im Auftrag der EZB.

Jahresüberschuss

Der Überschuss der Bundesbank steht dem Finanzministerium zu. Im Jahr 2012 gab es einen Gewinn in Höhe von 664 Millionen Euro (Vorjahr: 643 Millionen Euro).

Goldbestände

Zu den Währungsreserven der Bundesbank zählen auch Goldbestände. Sie belaufen sich auf 3391 Tonnen und werden von der Bundesbank mit einem Wert von 137,5 Milliarden Euro bilanziert.

Das Gold lagert in Frankfurt (1036 Tonnen), New York (1536 Tonnen), London (445 Tonnen) und Paris (374 Tonnen). Die Goldbestände in Paris sollen nach Deutschland geholt werden.

Mitarbeiter

10.825 Mitarbeiter (9.543 Vollzeitstellen), davon 5417 Beamte und 5408 Tarifbeschäftigte

Standorte

Die Zentrale der Bundesbank ist in Frankfurt. Es gibt außerdem neun Hauptverwaltungen und 41 Filialen, 2011 waren es noch 47 Filialen. Ein weiterer Abbau auf 35 Filialen ist beschlossen – dicht gemacht werden noch Bayreuth, Bremen, Dresden, Gießen, Kiel und Lübeck.

Die Außenstellen sind unter anderem für Bargelddienstleistungen zuständig, entsenden aber auch Prüfer in Banken.

Die extrem niedrigen Zinsen hätten das Ziel, die Konjunktur zu beleben, sagte Weidmann. Gleichzeitig berge die Politik des ultrabilligen Geldes aber Gefahren: „Die Risiken und Nebenwirkungen nehmen vor allem dann zu, wenn das Medikament Niedrigzins zu einem Dauertherapeutikum wird, während die Wirksamkeit der extrem niedrigen Zinsen abnimmt, je länger sie anhalten.“

Weidmann machte sich zudem eine Aussage des früheren Chefvolkswirts der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), William White, zu eigen: „Eine ultralockere Geldpolitik kann die Gesundheit von Banken gefährden, die Funktionsweise der Finanzmärkte stören, die Unabhängigkeit der Notenbanken bedrohen und Regierungen zu unvorsichtigem Verhalten verleiten.“

Gerade für Sparer sind die niedrigen Zinsen ärgerlich, weil die Inflation ihr Geld auffrisst. Er könne die Sorge vor einer „schleichenden Enteignung der deutschen Sparer“ nachvollziehen, sagte Weidmann: „Für mich ist es daher wichtig, Sorge dafür zu tragen, dass negative Realzinsen kein Dauerzustand werden und die Geldpolitik nicht zur Gefangenen der Politik oder der Finanzmärkte wird.“

Von

dpa

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

13.11.2013, 15:25 Uhr

Jawohl, die Schmiergelder stimmen anscheinend endlich!
Letztes Jahr hat er die Zinssenkung der EZB noch scharf verurteilt!

Artikel diesbezüglich findet man hier im HB-Archiv!

sindertal

13.11.2013, 15:38 Uhr

Damit verteidigt Weidmann massiv die milliardenschweren Enteignungen am Vermögen deutscher Bürger (Sparrücklagen, Altersvorsorgen, Lebensversicherungen, Bauspargelder). Und das ist kriminell wie untragbar. Der Einheitseuro als Ursache allen Übels muss weg! Dieses Furunkel macht alles kaputt.

Account gelöscht!

13.11.2013, 15:48 Uhr

"Merkel lehnt Volksentscheide auf Bundesebene ab"

Das war zu erwarten, das gegenseitige Misstrauen zwischen Volk und Frau Merkel ist zu gross.

https://www.campact.de/volksentscheid/appell/spenden-faz/?utm_campaign=%2Fvolksentscheid%2F&utm_term=Jetzt+f%26uuml%3Br+die+Anzeige+spenden...&utm_content=random-b&utm_source=%2Fvolksentscheid%2Fappell%2F&utm_medium=Email

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