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09.12.2014

21:34 Uhr

Chefökonom Praet

Bei Spielraum hätte EZB die Zinsen gesenkt

Bei der letzten geldpolitischen Sitzung hat die EZB den Leitzins nicht angetastet - aus Zeitmangel, sagt Chefökonom Praet. Bei mehr Spielraum wäre es anders ausgegangen. Der Belgier macht sich nun für Bond-Käufe stark.

Weiter 0,05 Prozent: Bei ihrer letzten geldpolitischen Sitzung in diesem Jahr hatte die EZB ihren Leitzins vergangene Woche nicht angetastet. dpa

Weiter 0,05 Prozent: Bei ihrer letzten geldpolitischen Sitzung in diesem Jahr hatte die EZB ihren Leitzins vergangene Woche nicht angetastet.

Frankfurt/WashingtonDie Europäische Zentralbank (EZB) hätte ihrem Chefvolkswirt Peter Praet zufolge bei ihrer letzten Sitzung die Zinsen gesenkt, wenn die Nullzinsgrenze noch nicht erreicht wäre. "Wenn wir zu dem Zeitpunkt noch Spielraum bei den Zinssätzen gehabt hätten, hätte sich der EZB-Rat nach meiner persönlichen Überzeugung für Zinssenkungen entschieden", sagte Praet am Dienstag in Washington. Die EZB steht an der Schwelle zu weiteren Maßnahmen gegen die seit langem schwache Konjunktur und die für ihren Geschmack viel zu niedrige Inflation. Im Gespräch sind auch Staatsanleihenkäufe, die in Deutschland sehr kritisch gesehen werden. Der Belgier Praet erhofft sich dagegen von einem möglichen Schritt in diese Richtung starke positive Effekte.

Bei ihrer letzten geldpolitischen Sitzung in diesem Jahr hatte die EZB ihren Leitzins vergangene Woche erwartungsgemäß nicht angetastet. Der Schlüsselzins für die Geld-Versorgung des Bankensystems blieb bei 0,05 Prozent. Die EZB will im ersten Quartal entscheiden, ob ihre bislang ergriffenen Maßnahmen reichen, um die Konjunktur anzukurbeln und die Teuerung nach oben zu bringen. EZB-Präsident Mario Draghi und andere Top-Notenbanker hatten jüngst die Tür für Staatsanleihenkäufe nach dem Vorbild der USA weit geöffnet.

Auch Praet machte sich am Dienstag für Bond-Käufe stark. "Das ist der einzige Teil des Finanzmarktes, auf dem die Größe des Marktes kein Thema ist", sagte der Ökonom laut Redetext. "Interventionen auf diesem Markt würden deshalb wahrscheinlich ein starkes Signal aussenden, dass die EZB dazu bereit ist, ihre lockere Geldpolitik für einen längeren Zeitraum beizubehalten." Zusätzlich erwarte er, dass das Vertrauen in die Fähigkeit der EZB dann wieder zunehme, den Euro stabil zu halten. Zugleich würden Banken zur Kreditvergabe angeregt.

Zahlreiche Institute sitzen auf riesigen Beständen an Staatsanleihen - nicht zuletzt in den von der Krise besonders hart getroffenen Ländern. Sollte die EZB ihnen diese abkaufen, könnten die Banken - so das Kalkül - das frei werdende Geld anderweitig nutzen, etwa zur Kreditvergabe an kleine und mittelständische Firmen.

Von

rtr

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