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02.09.2012

14:06 Uhr

Chile

Ein beliebtes Einfallstor nach Südamerika

VonAlexander Busch

Chile zieht Auslandsinvestoren vor allem mit guten Rahmenbedingungen an. Wenig Korruption, ambitionierte Ziele und die Mitgliedschaft in der OECD sind starke Argumente für potentielle Geldgeber.

Stetig steigendes Wachstum macht Chile bei den Exportnationen beliebt. AFP

Stetig steigendes Wachstum macht Chile bei den Exportnationen beliebt.

Diese Widerstandskraft ist erstaunlich: Weder das katastrophale Erdbeben im Januar 2011 noch die sinkenden Rohstoffpreise oder die Stagnation in den Industrieländern konnten die chilenische Wirtschaft aus der Balance bringen. Nach sechs Prozent Wachstum im vergangenen Jahr wächst sie auch dieses Jahr in einem ähnlichen Tempo. Die steigende Beschäftigung und die Einkommenszuwächse der 17 Millionen Chilenen haben einen Konsumboom ausgelöst. Die interne Nachfrage kompensiere derzeit die "externe Wachstumsschwäche", sagt Joseph Ramos, Ökonomieprofessor an der Universität von Chile. Dabei ist das Land doch als führender Kupferexporteur besonders stark von der Lage der Weltwirtschaft abhängig.

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Doch Chile hat sich längst mit einer antizyklischen Wirtschafts- und Finanzpolitik auf stark schwankende Exporteinnahmen eingestellt. Ein ausgeglichenes Staatsbudget ist Verfassungsziel. Ein Expertenrat legt anhand der jährlichen Ausgaben und langfristigen Einnahmenprognosen für das wichtigste Exportprodukt Kupfer fest, wie viel die Regierung ausgeben darf. Der Lohn ist eine Staatsverschuldung von nur 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Das lateinamerikanische Musterland ist für Auslandsinvestoren auch dank niedriger Steuersätze seit langem attraktiv. Korruption spielt hier eine kleinere Rolle als bei den Nachbarn. Chile ist ein beliebtes Einfallstor nach Südamerika und als einziger Staat des Teilkontinents Mitglied im Industrieländer-Club OECD.

Umgekehrt nutzen Chiles Konzerne die Stabilität des Heimatmarktes, um zu wachsen. Die chilenische Fluggesellschaft Lan hat den größten brasilianischen Konkurrenten Tam übernommen und den lateinamerikanischen Marktführer Latam gebildet. Chiles Einzelhändler Cencosud besitzt Supermarktketten in Brasilien und Argentinien und dominiert in Peru und Kolumbien den Einzelhandel. Die Verbindungen nach Deutschland sind schon jetzt eng. Vier Prozent des Außenhandels treibt Chile mit den Deutschen. Prognos sieht in dem Land am Pazifik noch viele Gelegenheiten für Exportgeschäfte - weniger hingegen für Direktinvestitionen.

Lukrative Möglichkeiten böten sich etwa für die Elektroindustrie. Denn Chile hat weder Öl noch Gas und muss einen Großteil der für seinen Wirtschaftsboom benötigten Energie importieren. Als Lieferanten dürften deutsche Firmen auch am Megaprojekt Hidroaysén partizipieren - fünf neue Staudämme in Patagonien sollen 2020 ein Fünftel des nationalen Strombedarfs decken. "Auch der Nutzung von Sonnen- und Windenergie wird mittelfristig eine tragende Rolle zukommen", so Prognos. Gute Exportaussichten sehen die Forscher auch für die Hersteller von Nutzfahrzeugen.

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In den letzten Jahren investierten deutsche Unternehmen vor allem in der Agroindustrie, im Bergbau und auf dem Immobiliensektor. Obwohl Chile nur die sechstgrößte Wirtschaft Lateinamerikas ist, spielt das Andenland beim Bergbau in der internationalen Spitzenliga mit: Die Bergbaumesse Expomin ist die drittwichtigste Ausstellung der Branche weltweit - unter reger Beteiligung deutscher Aussteller.

Ein Problem teilt Chile jedoch mit anderen lateinamerikanischen Ländern: die verbreitete Armut. Die Regierung hat die Ausgaben für Gesundheit, Bildung und Versicherung von der Steuer befreit, doch davon profitieren vor allem wohlhabende Chilenen. Seit zwei Jahren protestieren deshalb immer wieder Studenten gegen die Privilegien der Oberschicht.

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