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01.06.2012

17:38 Uhr

Fleißiges und kauffreudiges China: Der Einfluss des Wirtschaftsmarktes wird immer größer, auch wenn die Konjunktur schwächelt. dpa

Fleißiges und kauffreudiges China: Der Einfluss des Wirtschaftsmarktes wird immer größer, auch wenn die Konjunktur schwächelt.

PekingSchon eine kleine Äußerung von Premier Wen Jiabao reicht aus, um die asiatischen und internationalen Märkte in Freude zu versetzen: „Der wirtschaftliche Abwärtsdruck nimmt zu“, hatte der Regierungschef bloß gesagt. Die Nachrichtenagenturen verstanden diese lapidare Feststellung als Ankündigung eines neuen Konjunkturpakets. Binnen Minuten schossen in Tokio und Hongkong die Kurse nach oben. Analysten der Credit Suisse spekulierten sogar schon über die Höhe des Pakets und schätzten es auf 250 Milliarden Euro.

Zu früh gefreut: Die chinesische Führung war erstaunt, dass Wens Bemerkung so weitreichend interpretiert worden war und verbreitete eine klare Richtigstellung. Ein regelrechtes Ausgabenpaket sei nicht geplant, teilte das zuständige Ministerium mit.

Die heftigen Reaktionen auf Wens Äußerung zeigen die Bedeutung der chinesischen Konjunktur für die Weltwirtschaft. Für China gilt heute, was früher nur über die USA gesagt wurde: Wenn es hustet, dann bekommt die Welt eine Erkältung.

Auch für das Wohl der deutschen Wirtschaft ist Chinas Wachstum wichtig. Das Reich der Mitte ist bereits der wichtigste deutsche Handelspartner außerhalb der EU. Der deutsche Maschinenbau setzt jährlich in China Waren im Wert von knapp 20 Milliarden Euro ab. Das ist ein rundes Zehntel der Gesamtproduktion. Volkswagen verkauft ein Drittel seiner Autos in China.

Chinas Premier Wen Jiabao will kein Konjunkturpaket. dapd

Chinas Premier Wen Jiabao will kein Konjunkturpaket.

Doch derzeit deutet alles darauf hin, dass sich Chinas Wachstum auf einem niedrigeren Niveau einpendelt. In den vergangenen 30 Jahren waren Zuwächse über zehn Prozent die Regel, demnächst werden es wohl eher acht Prozent. Das ist durchaus beabsichtigt. Das hohe Wachstum hat zu Umweltverschmutzung und Investmentblasen geführt. Es hat zudem die Notwendigkeit zu Konsolidierung, Effizienz und Innovation in den Hintergrund treten lassen. Neuer Zielwert ist laut aktuellem Fünfjahresplan daher sieben Prozent – dafür in besserer Qualität.

Deshalb ist trotz Wachstumsrückgang auf 8,1 Prozent im ersten Quartal auch nicht mit einem großen Konjunkturpaket zu rechnen. An dieser Haltung ändern auch die Ergebnisse der aktuellen Einkaufsmanager-Umfrage nicht, die am Freitag herausgekommen sind: Das Konjunkturbarometer zeigt mit 50,4 Punkten nur noch ganz knapp auf Wachstum. „Das Problem der chinesischen Wirtschaft ist nicht Kapitalmangel, sondern es ist längst Überkapazität“, sagt Pan Jianchang, Vizechef des Wirtschaftsforschungsinstitut des Nationalen Statistikamtes.

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