Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.09.2015

15:57 Uhr

China

Konjunktur kühlt sich weiter ab

Wirtschaftsdaten aus China untermauern die Abkühlung der Konjunktur. Die stärkste Bremse ist der Immobiliensektor. Ökonomen rechnen nun mit zusätzlichen Schritten der Regierung zur Stützung des Wachstums.

Der chinesische Aktienmarkt ist seit Mitte Juni aus Sorge vor einer Abschwächung der Wirtschaft des Landes um rund 40 Prozent eingebrochen. dpa

Börse in Hongkong

Der chinesische Aktienmarkt ist seit Mitte Juni aus Sorge vor einer Abschwächung der Wirtschaft des Landes um rund 40 Prozent eingebrochen.

PekingAm Sonntag vorgelegte Daten aus China zu Industrieproduktion und Investitionen fielen schwächer aus als erwartet. Ökonomen rechnen daher mit zusätzlichen Schritten der Regierung zur Stützung des Wachstums. Die schwächere Entwicklung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft sorgt seit Wochen für Druck auf die internationalen Finanzmärkte. Zugleich nährt sie Spekulationen, dass die US-Notenbank (Fed) sich in der neuen Woche noch nicht zu der anstehenden Zinserhöhung entschließt.

„Insgesamt ist die Wirtschaft sehr schwach“, sagte Volkswirt Zhou Hao von der Commerzbank. Er rechnet damit, dass das Wachstum des chinesischen Bruttoinlandsprodukts im laufenden Quartal erstmals seit der globalen Finanzkrise unter die Marke von sieben Prozent fallen wird. Manche Experten sind der Auffassung, dass die tatsächliche Dynamik noch deutlich geringer ist, als aus den offiziellen Zahlen hervorgeht.

Doch bereits diese sorgen für handfeste Enttäuschungen. So legte die Industrieproduktion im August um 6,1 Prozent zu, während Analysten ein Plus von 6,4 Prozent prognostiziert hatten. Ein gedrosseltes Tempo zeigt sich auch bei den Anlageinvestitionen, die in der Vergangenheit ein entscheidender Wachstumsfaktor waren. Ihr Anstieg war nach Angaben des Statistikbüros in den ersten acht Monaten des Jahres mit 10,9 Prozent ebenfalls niedriger als erwartet. Von Januar bis Juli hatte die Rate noch bei 11,2 Prozent gelegen. „Der Immobiliensektor ist die stärkste Bremse für Chinas Wirtschaft“, erläuterte Experte Yu Pingkang vom Wertpapierhändler Huatai Securities. Anziehende Infrastruktur-Investitionen könnten die Abkühlung in diesem Bereich nicht ausgleichen, ergänzte Yu.

Warum in China die Börse abstürzt

Wie tief fallen die Kurse noch?

Am 27. Juli erlebte Chinas Börse den größten Tageseinbruch seit acht Jahren. Wie weit es noch nach unten geht, kann niemand sagen. Doch der Einbruch wäre vermutlich noch schlimmer ausgefallen, wenn die Börsenaufsicht und die Zentralbank nicht neue Hilfen angekündigt hätten.

Welche Rolle spielt der Staat für die Entwicklung an den Börsen?

Indem die chinesische Regierung Privatanleger in Aktien drängt, versucht sie, das Finanzierungsproblem für Unternehmen zu lösen – und die Schwächen des Bankensektors zu vertuschen.

Welche Nachteile ergeben sich hieraus?

Einmal angefangen, kommt der Staat nun nicht mehr aus der Sache heraus: Damit die Strategie aufgeht, sich das Ersparte für Kleinanleger mehrt und Firmen an Geld kommen, müssen die Kurse oben bleiben. Einen Crash kann man sich schon wegen der Reputation im Grunde nicht leisten.

Warum greifen die staatlichen Maßnahmen nicht?

Die Hilfsprogramme der Regierung nutzen sich ab – oder besser: sie nützen nichts, wenn gleichzeitig immer mehr Anleger nicht mehr an die Börsen glauben.

Hat der Börsencrash in China Auswirkungen auf die Realwirtschaft?

Wenig. Der Aktienmarkt hat sich schon lange von der Realwirtschaft entkoppelt.

Wie hart trifft der Börsencrash die chinesischen Sparer?

Chinesen sind zwar emsige Sparer. Sie haben aber nur einen kleinen Teil ihres Geldes in Aktien investiert. Fünf Prozent der Ersparnisse stecken in Wertpapieren.

Welche deutschen Aktien geraten durch die Turbulenzen in China unter Druck?

Besonders exportorientierte deutsche Unternehmen. Für Volkswagen und Daimler ist China enorm wichtig. Auch Chemiekonzerne wie Bayer und BASF geraten unter Druck.

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr an den Börsen der Welt?

Lange Zeit durften Ausländer nicht an Chinas Börsen handeln. Peking hatte seine Finanzmärkte weitgehend abgeschottet. Dadurch schlagen Turbulenzen in China nur sehr abgeschwächt auf internationale Börsen durch.

Welche Rollen spielen ausländische Anleger bei dem Börsen-Crash?

Seit den Turbulenzen ziehen viele internationale Anleger ihr Geld über die Börse in Hongkong wieder aus dem chinesischen Festland ab. Bis Wochenanfang waren auf diesem Weg bereits mehr als sechs Milliarden US-Dollar abgeflossen.

Die Einzelhandelsumsätze übertrafen mit einem Plus von 10,8 Prozent im August zwar die Erwartungen. Doch aus der Branche kamen zuletzt pessimistischere Signale. So schraubte der Online-Händler Alibaba seine Geschäftsprognose zurück.

Bereits vergangene Woche hatten Daten zu Außenhandel, Inflation und Autoabsatz die konjunkturelle Verlangsamung untermauert. Vor diesem Hintergrund kündigte die kommunistische Führung ein neues Konjunkturpaket an. Am Sonntag legte sie Details zur Öffnung staatseigener Unternehmen für private Investoren vor. Der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge sollen unter anderem mehr solcher Firmen fit für die Börse gemacht werden. Auch zusätzliche Schritte der Zentralbank werden weithin erwartet. Diese werde weiter die Zinsen senken und den Banken die Kreditvergabe erleichtern, sagte Volkswirt Zhou.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×