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20.01.2015

07:20 Uhr

China

Wirtschaft wächst so langsam wie seit 1990 nicht mehr

China büßt an Wirtschaftswachstum ein und verfehlt erstmals seit vielen Jahren das Ziel der Regierung. Experten rechnen nun mit einer niedrigeren Prognose für 2015 – und neuen Konjunkturhilfen.

Container-Hafen in Lianyungang: Chinas Wirtschaft wächst so langsam wie seit 24 Jahren nicht mehr. AFP

Container-Hafen in Lianyungang: Chinas Wirtschaft wächst so langsam wie seit 24 Jahren nicht mehr.

PekingChinas Wirtschaft ist 2014 so langsam gewachsen wie seit 24 Jahren nicht mehr. Der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) schwächte sich auf 7,4 Prozent ab von 7,7 Prozent im Jahr zuvor, wie das Statistikamt in Peking am Dienstag mitteilte. Damit verfehlte die Regierung erstmals seit 1999 ihr Jahresziel knapp. Sie hatte ein Plus von 7,5 Prozent angepeilt.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte zugleich seine Prognose für dieses Jahr und rechnet mit einer weiteren Abkühlung auf 6,8 Prozent. Experten erwarten nun weitere Konjunkturhilfen. Dem Exportweltmeister macht die globale Wirtschaftsflaute zu schaffen. Zudem leidet die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde unter einer schwächelnden Binnennachfrage, Überkapazitäten in der Industrie und einem sich abkühlenden Immobilienmarkt.

Im vierten Quartal zeichnete sich allerdings eine gewisse Stabilisierung ab. Die Wirtschaft wuchs mit 7,3 Prozent etwas stärker als von Experten mit 7,2 Prozent erwartet. Sie hielt damit das Niveau des dritten Quartals und der letzten drei Monate 2013, als sie jeweils auch das schwächste Quartalswachstum seit Anfang 2009 verzeichnete. Zudem stiegen Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze im Dezember mit 7,9 beziehungsweise 11,9 etwas stärker als gedacht.

Die fünf großen Gefahren für Chinas Wirtschaftswachstum

Immobilienblase

Seit Jahren schießen die Immobilienpreise in Chinas Großstädten in ungeahnte Höhen - seit Monaten mehren sich jedoch Zeichen für einen Kollaps.

Schattenbanken

Neben den trägen Staatsbanken hat sich in China ein großer Markt von nicht-registrierten Geldinstituten etabliert, die der Staat bislang nicht kontrollieren kann.

Faule Kredite

Banken haben ohne genaue Prüfung Firmen immense Kredite für unproduktive und verschwenderische Investitionen gegeben.

Überkapazitäten

Mit Subventionen der Regierung haben viele Branchen gewaltige Überkapazitäten aufgebaut, beispielsweise die Solarindustrie. Aber sie werden ihre Produkte nicht los.

Internationale Krisen

Chinas Wirtschaft hängt vom Export ab. Geraten wichtige Abnehmerländer in Krisen, hat auch China Probleme.

Die Statistikbehörde räumte ein, dass die Wirtschaft Schwierigkeiten habe. Das Wachstum werde aber in einem vernünftigen Rahmen bleiben. Präsident Xi Jinping betonte wiederholt, dass er die Wirtschaft nach Jahren des Booms umbauen wolle: Er setzt dabei auf eine Stärkung des Binnenkonsums und will Ausfuhren und Einfuhren ausgewogener sowie die Wirtschaft insgesamt umweltschonender gestalten. Dies bedeutet nach Ansicht von Regierungsberatern allerdings auch einen Abschied von den hohen Wachstumsraten der Vergangenheit, die über Jahre zweistellig waren. Bei dem für europäische Verhältnisse immer noch utopisch anmutenden Wachstum hat die Regierung vor allem im Auge, das Milliardenvolk ausreichend mit Arbeitsplätzen zu versorgen und soziale Unruhen zu vermeiden.

Experten rechnen damit, dass die kommunistische Führung nun ihr Wachstumsziel für 2015 auf rund sieben Prozent herabsetzt, aber auch zu neuen Konjunkturhilfen greift, zumal sich Staatsvertreter zuletzt zunehmend unzufrieden mit dem Verlauf des zweiten Halbjahres gezeigt haben. Dies führte bereits dazu, dass die Zentralbank im November überraschend erstmals seit mehr als zwei Jahren die Zinsen senkte. Mit weiteren Zinssenkungen und Hilfen für die Banken zur Ankurbelung der Kreditvergabe an die Unternehmen wird gerechnet.

Trotz der Konjunkturabkühlung lobte der IWF den Umbau der chinesischen Wirtschaft. Es sei zu begrüßen, dass China seine Wirtschaft ausgewogener gestalten wolle. Dies spiegele sich allerdings in einer Abschwächung der Konjunktur wider, die sich vor allem auf die asiatischen Handelspartner auswirken werde.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Herr Peter Noack

20.01.2015, 08:11 Uhr

Das Wachstum in China betrug 2014 preisbereinigt rund 650 Milliarden US Dollar real. Nominell, also in laufenden Preisen, wuchs das BIP in China um über 1.200 Milliarden Dollar. Jetzt müsste nur noch der Kaufkraftvergleich eines US Dollar in China und den USA erfolgen, d. h. was sich ein Chinese für seinen Renminbi an Gütern und Dienstleistungen kaufen kann. Auf Basis des Kaufkraftverbgleich haben Experten errechnet, dass China die erste Wirtschaftsmacht der Erde geworden ist. Glauben die Verfasser des redaktionellen Artikels wirklich, dass China in Dollar 1990 stärker gewachsen ist als 2014? Glauben die Verfasser wirklich, dass China 2006 in Dollar stärker gewachsen ist als 2014? Wenn ihr das glaubt, fällt mir nichts mehr ein!

Frau Ute Umlauf

20.01.2015, 09:13 Uhr

Alles Gelabere!
Und nächste Woche ist plötzlich wieder ein Boom vorhanden.
Was soll das Millionenheer von Journalisten auch den ganzen Tag schreiben?

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