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05.08.2015

18:07 Uhr

Chinas Konjunkturprogramm

Peking plant gigantische Geldspritze

VonStephan Scheuer

Die chinesische Regierung will ihrer angeschlagenen Wirtschaft helfen. Bis zu 148 Milliarden Euro für Infrastruktur sind im Gespräch. Ob sie neue Wachstumsimpulse bringen, ist unter Marktstrategen umstritten.

Die chinesische Regierung hat aus den Fehlern vergangener Konjunkturprogramme gelernt. Fortan behält die Zentralregierung die Kontrolle über die Mittel, die Provinzen haben weniger zu sagen. IMAGO

Bauprojekt in Peking

Die chinesische Regierung hat aus den Fehlern vergangener Konjunkturprogramme gelernt. Fortan behält die Zentralregierung die Kontrolle über die Mittel, die Provinzen haben weniger zu sagen.

PekingChinas Wirtschaftsmedien kennen am Mittwoch nur ein Thema: Peking könnte heimlich das nächste gigantische Konjunkturprogramm vorbereiten. Das an die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua angeschlossene Wirtschaftsportal Economic Information Daily berichtet von einem 300 Milliarden Yuan (rund 45 Milliarden Euro) schweren Förderprogramm für Chinas Infrastruktur. Das könnte erst der Anfang eines auf insgesamt eine Billion Yuan (rund 148 Milliarden Euro) ausgelegten Konjunkturprogramms sein, schreibt das Blatt. Der Staatsrat in Peking schweigt zu dem Thema. Aber viele chinesische Staatsmedien spekulieren bereits, wer von den Staatsgeldern profitieren könnte.

Warum in China die Börse abstürzt

Wie tief fallen die Kurse noch?

Am 27. Juli erlebte Chinas Börse den größten Tageseinbruch seit acht Jahren. Wie weit es noch nach unten geht, kann niemand sagen. Doch der Einbruch wäre vermutlich noch schlimmer ausgefallen, wenn die Börsenaufsicht und die Zentralbank nicht neue Hilfen angekündigt hätten.

Welche Rolle spielt der Staat für die Entwicklung an den Börsen?

Indem die chinesische Regierung Privatanleger in Aktien drängt, versucht sie, das Finanzierungsproblem für Unternehmen zu lösen – und die Schwächen des Bankensektors zu vertuschen.

Welche Nachteile ergeben sich hieraus?

Einmal angefangen, kommt der Staat nun nicht mehr aus der Sache heraus: Damit die Strategie aufgeht, sich das Ersparte für Kleinanleger mehrt und Firmen an Geld kommen, müssen die Kurse oben bleiben. Einen Crash kann man sich schon wegen der Reputation im Grunde nicht leisten.

Warum greifen die staatlichen Maßnahmen nicht?

Die Hilfsprogramme der Regierung nutzen sich ab – oder besser: sie nützen nichts, wenn gleichzeitig immer mehr Anleger nicht mehr an die Börsen glauben.

Hat der Börsencrash in China Auswirkungen auf die Realwirtschaft?

Wenig. Der Aktienmarkt hat sich schon lange von der Realwirtschaft entkoppelt.

Wie hart trifft der Börsencrash die chinesischen Sparer?

Chinesen sind zwar emsige Sparer. Sie haben aber nur einen kleinen Teil ihres Geldes in Aktien investiert. Fünf Prozent der Ersparnisse stecken in Wertpapieren.

Welche deutschen Aktien geraten durch die Turbulenzen in China unter Druck?

Besonders exportorientierte deutsche Unternehmen. Für Volkswagen und Daimler ist China enorm wichtig. Auch Chemiekonzerne wie Bayer und BASF geraten unter Druck.

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr an den Börsen der Welt?

Lange Zeit durften Ausländer nicht an Chinas Börsen handeln. Peking hatte seine Finanzmärkte weitgehend abgeschottet. Dadurch schlagen Turbulenzen in China nur sehr abgeschwächt auf internationale Börsen durch.

Welche Rollen spielen ausländische Anleger bei dem Börsen-Crash?

Seit den Turbulenzen ziehen viele internationale Anleger ihr Geld über die Börse in Hongkong wieder aus dem chinesischen Festland ab. Bis Wochenanfang waren auf diesem Weg bereits mehr als sechs Milliarden US-Dollar abgeflossen.

Peking strebt für dieses Jahr ein Wachstum von etwa sieben Prozent an. Im ersten Halbjahr wurde das Ziel genau erfüllt. Aber seitdem deuten viele Frühindikatoren auf neue Probleme in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Die Industrie ist im Juli stärker eingebrochen als erwartet. Gleichzeitig schwächelt der Außenhandel. Der für die deutsche Autoindustrie so wichtige Automarkt in China ist regelrecht eingebrochen – zumindest wenn man die jüngsten Zahlen ins Verhältnis zu den zweistelligen Wachstumsraten der vergangenen Jahre setzt. Der Branchenverband CAAM halbierte seine Prognose für das Wachstum auf dem weltgrößten Fahrzeugmarkt von sechs auf drei Prozent.

Deshalb halten viele Ökonomen neue Konjunkturprogramme für wahrscheinlich. Die Zentralbank hat die Zinsen seit November bereits vier Mal gesenkt und es den Banken erleichtert, Kredite zu vergeben. Vermutlich werde die Regierung nachlegen und neue Investitionsprogramme auflegen, vermutet Ökonom Yating Xu vom Analyseunternehmen IHS.

Kommentare (3)

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Herr Marc Otto

05.08.2015, 18:38 Uhr

ich werde dann wohl doch besser auf der Long Seite bleiben, was den japanischen Index betrifft. Offensichtlich will die chin. Regierung dafür sorgen, dass die Wirtschaft rund läuft. Undd as heißt, dass es u.a. Japan sehr gut gehen wird.

Herr Christoph Sonntag

05.08.2015, 19:35 Uhr

Von den Chinesen kann man mal wieder lernen: statt in einen Buerokraten Wasserkopf in Bruessel zu investieren, wird dort die Infrastruktur aufgebaut - waehrend in D die Strassen und Bruecken verrotten.

Herr Peter Noack

06.08.2015, 08:18 Uhr

Immer diese schäumende Euphorie!
Yuan sind also in Euro umgerechnet mit dem gültigen Dollarkurs. Die Chinesen geben aber keine Euro oder Dollar aus. Hier muss also das Kaufkraftbereinigungsverfahren angewendet werden. Nach destatis hat China bereits 2014 in kaufkraftbereinigten internationalen Dollar ein BIP von 17.617 Mrd. erwirtschaftet. Im ersten Halbjahr 2015 stieg das BIP um 7Prozent. Sollte dieses Wachstum bis zum Jahresende anhalten, steigt das BIP auf 18.800 Mrd. intenat. Dollar. Bei gleichem Wachstum 2016 erhöht es sich auf 20.170 oder um 1.300 Mrd. Welche Bedeutung könnten dabei ein Konjunkturprogramm von 165 Mrd. Dollar haben? Das ist weniger als ein Prozent des BIP verteilt auf mindestens zwei Jahre. Will man die Wirtschaft Chinas immer noch und immer wieder mit deutschem Maß messen?

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