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26.07.2011

15:43 Uhr

Christian Noyer

Verwirrung um EZB-Zinserhöhung

Mit der Floskel „große Wachsamkeit“ hat die EZB schon oft Zinserhöhungen angekündigt. Frankreichs Notenbankchef benutzte in einem Interview nun dieselben Worte - und heizt damit Spekulationen um eine erneute Erhöhung an.

Christian Noyer ließ in dem Interview Raum für Interpretationen. Quelle: Reuters

Christian Noyer ließ in dem Interview Raum für Interpretationen.

Frankfurt Zehn Tage vor der nächsten EZB-Ratssitzung hat Frankreichs Notenbankchef Christian Noyer mit Äußerungen zur Zinspolitik für Verwirrung gesorgt. Das EZB-Ratsmitglied verwendete in einem Interview exakt die Formulierung der Europäischen Zentralbank (EZB), mit der diese zuletzt wiederholt eine unmittelbar bevorstehende Zinserhöhung angekündigt hat. Analysten und Volkswirte glauben jedoch mehrheitlich, dass es sich um ein Versehen des Franzosen handelte, der bis Mitte 2002 Vizepräsident der EZB war.

Trotz der Äußerungen halten sie es für unwahrscheinlich, dass die Notenbanker am kommenden Donnerstag oder im September erneut die geldpolitischen Zügel anziehen werden. „Es wäre sehr ungewöhnlich für die EZB, wenn sie in zwei Monaten hintereinander die Zinsen erhöhen würden“, sagte Peter Catwell von der französischen Großbank Credit Agricole. Auch Carsten Brzeski von der niederländischen ING Bank glaubt nicht an ein solches Szenario. Er hält es allerdings für möglich, dass Noyer dem Finanzmarkt etwas anderes sagen wollte: „Sie signalisieren dem Markt wahrscheinlich, dass sie nicht bis 2012 mit der nächsten Zinserhöhung warten.“ Noyer wurde in der „Financial Times Deutschland“ mit Blick auf die Inflationsgefahren im Euro-Raum mit der Aussage zitiert, der EZB-Rat bleibe „in einer Position sehr großer Wachsamkeit, ohne dass dadurch vorher bestimmt ist, was wir tun werden“. Mit der Floskel „große Wachsamkeit“ hat EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, Noyers Landsmann, in der Vergangenheit wiederholt Zinserhöhungen signalisiert, zuletzt im Juni. Wenige Wochen später zog die EZB dann Anfang Juli die Zügel an und setzte den Leitzins ein viertel Prozentpunkt nach oben auf 1,5 Prozent.

In jüngster Zeit haben immer mehr Investoren wegen der Schuldenkrise in der Euro-Zone ihre Erwartung eines nächsten Zinsschritts auf das kommende Jahr verschoben. Denkbar, wenn auch sehr unwahrscheinlich, ist nach Brzeskis Ansicht, dass die EZB mit einer früheren Zinserhöhung überraschen will: „Das wäre dann nicht kommende Woche der Fall, aber eventuell bereits im September.“ Breszki selbst rechnet damit, dass der EZB-Rat bei der letzten Sitzung unter der Leitung seines scheidenden Präsidenten Trichet abermals an der Zinsschraube drehen könnte.

Noyer selbst ließ in dem Interview Raum für Interpretationen. So sagte er beispielsweise, dass sich die Lage bei den Energiepreisen stabilisiert habe, auch wenn bei einigen Rohstoffen weiter ein Preisanstieg zu beobachten sei. Die EZB hat ihre Zinserhöhungen im April und Juli mit dem steigenden Teuerungsdruck auf die Euro-Zone begründet. Dieser ging zu einem Großteil von anziehenden Weltmarktpreisen für diverse Rohstoffe und Öl aus. Der EZB-Rat entscheidet das nächste Mal am kommenden Donnerstag in Frankfurt über den Leitzins für die 17 Euro-Länder.

 

 

Von

rtr

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