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24.01.2015

09:46 Uhr

Citigroup-Chefökonom Buiter

„Kein intelligenter Politiker kann den Grexit wollen“

VonMichael Maisch

Willem Buiter ist Chefökonom des US-Bankriesen Citigroup und Miterfinder des Begriffs Grexit. Mit dem Handelsblatt sprach Buiter beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos über seine Sorge um Athen und die gesamte Eurozone.

Willem Buiter sorgt sich um Griechenland und die gesamte Eurozone. dpa

Willem Buiter sorgt sich um Griechenland und die gesamte Eurozone.

Herr Buiter, im Jahr 2012 sagten Sie voraus, dass Griechenland ein Jahr später die Währungsunion verlassen würde. Keine sehr präzise Prognose.
Nein, da haben wir uns komplett getäuscht.

Was ist schiefgegangen?
Wir dachten, dass bei einer derart dramatischen Wirtschaftskrise der Druck der Bevölkerung zu groß werden würde. Aber es gab keinen Aufstand gegen die Regierung, wir hatten das Sicherheitsventil Auswanderung nicht berücksichtigt. Um eine Revolution zu starten, braucht man wütende junge Menschen. Viele von denen haben inzwischen allerdings einen neuen Job in Berlin oder Paris.

Heute, zwei Jahre später, steht der Grexit wieder zur Debatte.
Das glaube ich nicht. In Griechenland ist die Zustimmung zum Euro viel größer als in vielen anderen Staaten. Rund drei Viertel der Bevölkerung wollen in der Währungsunion bleiben. Selbst von den Bürgern, die Alexis Tsipras und sein Linksbündnis Syriza wählen wollen, unterstützen zwei Drittel laut Umfragen den Euro.
Einige Politiker in Berlin scheinen zu glauben, dass ein Euro-Austritt Griechenlands heute leichter zu verkraften wäre als noch vor zwei Jahren, weil die Währungsunion inzwischen deutlich gestärkt wurde.
Ein Grexit wäre ein so unglaubliches Eigentor, dass das kein Politiker, der einen zweistelligen Intelligenzquotienten hat, wollen kann. Ein Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone würde die gesamte Währungsunion unterminieren.

Die Diskussion um den „Grexit“

Die Diskussion flammt wieder auf

Das Gespenst ist zurück: ein Ausstieg Griechenlands aus dem Euro - mit unabsehbaren Folgen für den hoch verschuldeten Staat und die Finanzmärkte. „Grexit“ wird dieses Szenario von Fachleuten genannt. Wegen der am Sonntag anstehenden Parlamentswahl, die in Athen zu einem Regierungs- und Kurswechsel weg von den versprochenen Reformen führen kann, ist das Thema wieder weit oben auf der Tagesordnung.
„Unwiderruflich“ sei Griechenlands Euro-Mitgliedschaft, beteuert die EU-Kommission offiziell. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und viele seiner Kollegen im Euro-Raum sehen das ähnlich. Aber nicht alle: „Wenn sie (die Euro-Partner) die griechischen Probleme und Geldnöte nicht verstehen wollen und Griechenland alleine dasteht, kann das die Gefahr eines Grexit erhöhen“, sagt der Finanzminister des Landes, Gikas Hardouvelis. Sollte Griechenland in eine verzweifelte Lage geraten, sei das nicht mehr ausgeschlossen.

Alle Informationen: Reuters

Griechenland braucht neues Geld

Das dringendste Problem des Landes ist die Finanzlage - unabhängig davon, ob die Konservativen weiter die Regierung stellen oder die Linke übernimmt, wonach es nach den jüngsten Umfragen aussieht. Seit Jahren hängt das Land am Tropf seiner EU-Partner und des Internationalen Währungsfonds (IWF). Wird das zweite Hilfsprogramm ordnungsgemäß bis zum 28. Februar abgeschlossen, was allerdings fraglich ist, fließen dem Land laut Hardouvelis 7,2 Milliarden Euro aus dem Ausland zu. Griechenland muss aber im ersten Quartal bis zu 4,3 Milliarden Euro für Kredite zurückzahlen, davon allein 2,8 Milliarden an den IWF.

Wie bekommt man neues Geld in die Kasse?

Ein Schlüssel, um die akuten Finanzsorgen zu lösen, ist dann auch der Abschluss des laufenden Hilfsprogramms bis Ende Februar. Das ist aber nur möglich, wenn die neue Regierung mit der in Athen sehr unbeliebten Troika aus Europäischer Zentralbank (EZB), IWF und EU-Kommission eine Einigung zu den noch nicht umgesetzten Reformen, etwa am Arbeitsmarkt oder bei der Mehrwertsteuer, findet. Gelingt dies nicht, muss die neue Regierung zumindest mehr Zeit aushandeln - also eine erneute technische Programmverlängerung.

Gibt es handlungsfähige Partner?

Viele Experten bezweifeln, dass es noch fristgerecht einen Abschluss geben wird. Denn dies würde voraussetzen, dass gleich nach der Parlamentswahl am Sonntag eine handlungsfähige Regierung bereitsteht, mit der die Troika die strittigen Details schnell klären kann.

Ein Sicherheitsnetz für sie Zukunft

Von dem Abschluss des Hilfsprogramms hängt aber noch mehr ab. Es geht nicht nur um die kurzfristig benötigten Milliarden, sondern auch ein finanzielles Sicherheitsnetz für die kommenden Jahre - konkret eine vorsorgliche Kreditlinie aus dem Euro-Rettungsschirm ESM über zehn Milliarden Euro. Diese soll gezogen werden, wenn das Land sich entgegen seinen Hoffnungen nicht zu erträglichen Bedingungen wieder Geld am privaten Kapitalmarkt beschaffen kann. Genau das droht aber schon jetzt, denn die Unsicherheiten rund um die Wahl haben die Zinsen für Anleihen des Landes wieder kräftig steigen lassen. Sich so Geld zu leihen, ist also sehr teuer.

EZB-Programm hilft nicht

Auch auf Hilfen der EZB kann Griechenland vorerst nicht hoffen. Von den geplanten Anleihekäufen der Notenbank werde Athen solange nicht profitieren, wie das laufende Programm noch nicht abgeschlossen sei, räumte Regierungschef Antonis Samaras gerade erst ein.

Das „dreckige Ende“

Ohne ordnungsgemäßen Abschluss des Hilfsprogramms droht Griechenland der Kollaps. Experten sprechen bereits von einem „dreckigen Ende“. Der Staat könnte seine Rechnungen nicht mehr bezahlen, Beamte würden kein Geld mehr bekommen und Bedürftige keine Sozialleistungen mehr. Bank-Kunden würden wohl ihre Konten räumen, um Geld in Sicherheit zu bringen. Teilweise war das schon vor der Wahl zu beobachten. Der Zusammenbruch der ohnehin schwachen griechischen Institute würde folgen.

Hilfe von den Märkten winkt nicht

An den Märkten dürfte Griechenland wegen der unkalkulierbaren Risiken die benötigten Milliarden kaum zu bezahlbaren Konditionen erhalten. Als letzte Konsequenz könnte in einer solchen Situation dann das drohen, was eigentlich alle vermeiden wollen: Griechenland könnte sich gezwungen sehen, aus dem Euro auszutreten und die Drachme wieder einzuführen.

Übertreiben Sie jetzt nicht?
Nein, es würde zu einem riesigen Chaos an den Märkten kommen, alle würden sich fragen, wer als nächstes aus der Währungsunion gedrängt wird. Eigentlich galt die Eurozone ja als unwiderruflich. Länder wie Portugal, Spanien oder Italien könnten wieder vom Markt ausgeschlossen werden.

Kommentare (2)

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Herr Peter Petersen

26.01.2015, 07:18 Uhr

Ein Dummschwätzer vor dem Herrn spricht die Intelligenz von Politikern an, die ihm selbst offensichtlich fehlt. Handelsblatt: Mir graust vor dir!

Account gelöscht!

27.01.2015, 18:57 Uhr

„Kein intelligenter Politiker kann den Grexit wollen“

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Ohne es auf irgend einen politischen Grund abzulenken...

" ES GIBT KEINE INTELLIGENZ MEHR IN EUROPA...

EUROPÄISCHE INTELLIGENZ IST AUSGEWANDERT...

weil man außerhalb Europas besser lebt und besser verdient. "




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