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02.01.2009

15:48 Uhr

Creditreform

Beobachter erwarten mehr Insolvenzen

Die Zahl der Firmenpleiten wird in diesem Jahr kräftig nach oben schnellen. Davon geht jedenfalls die Wirtschaftsauskunftei Creditreform in ihrer Prognose für 2009 aus. Damit dürften auch mehr Beschäftigte ihre Arbeit verlieren. Drastisch sehen die Marktbeobachter die privaten Insolvenzen steigen.

HB NEUSS. Der befürchtete Abschwung der Wirtschaft werde dazu führen, dass im neuen Jahr etwa 33 000 bis 35 000 Unternehmen zahlungsunfähig werden, erwartet Creditreform. Das wären bis zu 18 Prozent mehr gegenüber der eigenen Hochrechnung für 2008, teilte die Neusser Wirtschaftsauskunftei am Freitag in Neuss mit. Bei den Verbraucherinsolvenzen rechnet Creditreform mit bis zu 145 000 neuen Anträgen auf Eröffnung eines Verfahrens. Das wären bundesweit sogar bis zu 47 Prozent mehr Fälle gegenüber der 2008er Hochrechnung.

Mit ihrer Schätzung halten die Experten von Creditreform bei den Verbraucherinsolvenzen 2009 sogar einen neuen Höchststand für möglich. Der bisherige Rekord stammt aus dem Jahr 2007 mit 105 300 Fällen. Im vergangenen Jahr hat es weniger Verbraucherinsolvenzen gegeben. Die Zahl nahm nach Hochrechnung von Creditreform um 6,5 Prozent auf 98 500 ab. Das war zugleich der erste Rückgang bei den Verbraucherinsolvenzen seit 1999. Damals hatte eine neue Insolvenzordnung das Verfahren für Private vereinfacht.

Bei den Firmenpleiten befürchten die Beobachter 2009 keinen neuen Höchststand. Der Rekordwert stammt aus dem Jahr 2003 mit 39 470 Fällen. Bereits 2008 nahm die Zahl der Firmenpleiten nach Creditreform-Hochrechnung in Deutschland um 2,2 Prozent auf 29 800 Fälle zu. Damit sei die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland erstmals seit 2003 wieder gestiegen. Die Zahl der von der Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffenen Arbeitnehmer wird 2009 nach Creditreform-Schätzung auf 510 000 steigen, nach 447 000 im abgelaufenen Jahr.

„Das Jahr 2009 wird für die gesamte Wirtschaft ein schwieriges Rezessionsjahr werden“, heißt es in der Prognose für 2009. Die meisten Unternehmen müssten ihre Geschäftserwartungen deutlich nach unten revidieren, die Finanzierungssituation der Unternehmen werde sich verschlechtern. „Vielen bonitätsschwachen Unternehmen wird die geringere Nachfrage, gepaart mit einer eingeschränkten Kreditvergabe, Schwierigkeiten bereiten.“

Schon bei der November-Umfrage habe ein Drittel der befragten Unternehmen angegeben, dass für sie der Zugang zu Finanzmitteln seit dem Frühjahr 2008 schwieriger geworden sei. Gerade die Autoindustrie und die Zulieferbetriebe sowie die Autohändler würden den Abschwung spüren. Auch die Transport- und Logistikwirtschaft sowie viele unternehmensnahe Dienstleistungs- Bereiche dürften unter steigenden Insolvenzen zu leiden haben.

Besser sehen die Aussichten nach Einschätzung der Wirtschaftsauskunftei für den Hochbau, Maschinenbau sowie die Elektroinstallationsbranche aus. Die Schäden, die insolvente Unternehmen der Volkswirtschaft zufügen könnten, würden sich 2009 auf schätzungsweise 33 Milliarden Euro summieren. Das wären vier Milliarden Euro mehr als 2008.

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