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06.01.2011

12:32 Uhr

„Das ist ein Hammer!“

Industrieaufträge steigen sechsmal stärker als erwartet

Die deutsche Industrie hat einen goldenen November erlebt. Das Neugeschäft stieg fast sechsmal so stark wie erwartet und so kräftig wie seit Januar 2010 nicht mehr. Zugleich wird aber die Schuldenkrise in der Euro-Zone spürbar.

Hervorragendes Neugeschäft im November: Die deutsche Industrie verzeichnete 5,2 Prozent mehr Aufträge als im Oktober dpa

Hervorragendes Neugeschäft im November: Die deutsche Industrie verzeichnete 5,2 Prozent mehr Aufträge als im Oktober

HB BERLIN. Die Aufträge kletterten um 5,2 Prozent im Vergleich zum Oktober, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag mit. Experten hatten nur ein Plus von 0,9 Prozent erwartet. Die meisten Impulse kamen aus dem Ausland. Hier zogen die Aufträge um 8,2 Prozent an, im Inland stiegen die Bestellungen um 1,5 Prozent. Auch wegen vieler Großaufträge sieht das Ministerium gute Perspektiven für 2011: "Die Industrie startet mit guter Auftragslage ins neue Jahr."

Schon das Ifo-Geschäftsklima hatte gezeigt, dass es im November für die deutsche Wirtschaft sehr gut lief. Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer hatte in dem Monat überraschend den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung erreicht. Im Dezember ging es sogar noch weiter bergauf.

Allerdings zeigen die jüngsten Auftragsdaten, dass die Industrie die Schuldenkrise in den Euroländern zunehmend spürt. Die Bestellungen aus der Währungsunion sanken im November um 1,4 Prozent. Aus Staaten außerhalb der Euro-Zone wie China und anderen asiatischen Schwellenländern stiegen die Orders hingegen um fast 15 Prozent. Ähnlich sieht es im langfristigen Vergleich aus: Hier liegen die Aufträge aus Drittländern um fast 40 Prozent über dem Niveau von 2005, die Bestellungen aus der Euro-Zone indes fielen sogar unter das entsprechende Niveau.

Analysten zeigten sich von den November-Zahlen beeindruckt. Holger Sandte (WestLB) sagte: "Das ist ein Hammer. Der Grundtrend ist toll. Ein Sondereffekt dürfte aber der chinesische Großauftrag für Airbus gewesen sein. Ein Drittel unserer Exporte geht in Schwellenländer. Wir exportieren mehr nach China als alle anderen Euroländer zusammen. Es ist Chance und Risiko, dass wir Caterer für deren Party sind. Die Konjunktur in Deutschland dürfte auch nächstes Jahr gut laufen. Wir erwarten ein Wachstum von 2,8 Prozent für 2011."

Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus analysierte: "Es zeichnet sich ein sehr, sehr starkes viertes Quartal ab. Die Basis für ein spürbares Wirtschaftswachstum am Jahresende und auch zu Jahresbeginn ist damit gelegt. Aus der Euro-Zone kommen dagegen dämpfende Effekte. Länder wie Spanien haben ihre strukturellen Probleme noch nicht gelöst. Obendrauf kommen noch die wegen der Schuldenkrise geschnürten Sparprogramme."

Insgesamt verzeichneten Hersteller von Maschinen und Anlagen oder anderen Investitionsgütern im November ein Auftragsplus von 9,1 Prozent. Aus der Euro-Zone gab es auch hier ein Minus von 1,5 Prozent, während Länder außerhalb des Währungsraums 21,6 Prozent mehr nachfragten. Produzenten von Vorleistungsgütern wie Chemikalien verbuchten ein Auftragsplus von 1,0 Prozent. Lediglich Hersteller von Konsumgütern sammelten 1,6 Prozent weniger Aufträge ein als im Monat zuvor.

Die Industrie hatte 2009 stark unter der weltweiten Rezession gelitten, war 2010 aber Wachstumstreiber bei der konjunkturellen Aufholjagd. Dennoch gingen mehr als 100 000 Industrie-Jobs verloren.

Kommentare (1)

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Cerberus

06.01.2011, 16:59 Uhr

ist doch kein Wunder bei dem schwächelnden Eurokurs. Das wirkt wie ein zusätzliches Konjunkturprogramm für die Exporte, während in Europa alles stagniert. Wir werden so aber zunehmend von den anhaltenden Spekulationen um den Euro abhängig, also haltet den Zustand solange es geht. Das dicke Ende wird so eine Weile herausgezögert.

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