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03.01.2005

07:12 Uhr

Der internationale Vergleich zeigt: Der Frust deutscher Top-Manager sitzt tief

Hadern mit dem Standort D

Es geht aufwärts mit dem Wirtschaftsstandort Deutschland – allerdings nicht schnell genug, um den Abstand zu den Nachbarländern zu verringern. Der Handelsblatt Business-Monitor International zeigt: Zwar bewerten deutsche Führungskräfte die unternehmerischen Rahmenbedingungen in ihrem Heimatland ein ganzes Stück besser als vor einem Jahr. Aber im Vergleich zu den Managern aus Großbritannien, Frankreich und Italien ist der Frust der deutschen Wirtschaftselite nach wie vor gewaltig.

ost DÜSSELDORF. Die Folge: Die heimischen Unternehmen wollen sich 2005 sowohl mit Investitionen als auch mit Neueinstellungen deutlich stärker zurückhalten als die Firmen in den drei anderen EU-Ländern. Dies stellt die Hoffnungen auf ein deutliches Anziehen der deutschen Binnennachfrage – nach Ansicht aller Volkswirte die zentrale Voraussetzung für ein Andauern der Konjunktur-Erholung im neuen Jahr – in Frage.

Nur gut jeder dritte deutsche Top-Manager (36 Prozent) bezeichnet derzeit die Standortbedingungen in seinem Heimatland als gut oder eher gut. Zwei Drittel (64 Prozent) sind nach wie vor unzufrieden. Im Vergleich zur Situation vor einem Jahr hat sich die Stimmungslage immerhin etwas aufgehellt: Im Dezember 2003 äußerten sich nur 25 Prozent positiv. Doch im europäischen Vergleich ist die Bundesrepublik nach wie vor das Schlusslicht: Deutschland ist das einzige der vier großen EU-Länder, in dem die Unzufriedenen mit 64 Prozent klar in der Mehrheit sind. In Großbritannien dagegen sind 77 Prozent mit den Standortbedingungen zufrieden, in Italien und in Frankreich immerhin gut jeder zweite (59, bzw. 52 Prozent).

Besonders bedenklich: Die Hoffnung, dass sich die Standortbedingungen in Zukunft bessern werden, ist in Deutschland sogar geringer als vor einem Jahr. Waren im Dezember 2003 noch 54 Prozent der Top-Manager der Auffassung, die Rahmenbedingungen würden sich in den nächsten zwölf Monaten verbessern oder gleich gut bleiben, sind es jetzt nur noch 50 Prozent. In den drei anderen Ländern sind die Optimisten dagegen wie im vergangenem Jahr deutlich in der Überzahl.

Direkte Folge der deutschen Skepsis ist die nach wie vor überdurchschnittlich große Zurückhaltung bei Neueinstellungen und Investitionen: Nur jedes fünfte deutsche Unternehmen (22 Prozent) will im neuen Jahre seine Mitarbeiterzahl erhöhen – die Bereitschaft zu Neueinstellungen ist damit genauso gering wie vor einem Jahr. Immerhin scheint die Entlassungswelle abzuebben: Wollten im vergangenen Jahr noch 47 Prozent der deutschen Unternehmen ihre Mitarbeiterzahl reduzieren, sind es jetzt noch 39 Prozent. Im europäischen Vergleich ist Deutschland damit aber nach wie vor Schlusslicht – in den anderen Ländern überwiegt die Zahl der Unternehmen, die neue Mitarbeiter einstellen wollen. Am besten ist das Beschäftigungsklima in Italien: 36 Prozent der dortigen Manager planen, ihre Belegschaft aufzustocken – nur 15 Prozent wollen sie verkleinern. Ähnlich ist das Bild bei den Investitionsplänen, allerdings ist die Lücke zwischen Deutschland und den anderen Ländern nicht ganz so groß. Hier zu Lande will jeder dritte Unternehmenslenker (32 Prozent) mehr investieren; Ende 2003 hatte dies nur jeder Vierte (24 Prozent) vor. In den drei anderen Ländern agieren die Unternehmen weniger zurückhaltend: Zwischen 38 Prozent (Großbritannien) und 56 Prozent (Italien) wollen 2005 ihre Investitionen aufstocken.

Kurzfristig dürfte sich das vorsichtige Agieren für die deutschen Firmen in Form von steigenden Gewinnen auszahlen. Nachdem sich die Ertragslage der Unternehmen bereits 2004 deutlich verbessert hat, rechnet die große Mehrheit der deutschen Unternehmen (63 Prozent) für 2005 erneut mit einem Gewinnzuwachs. Weitere 21 Prozent sind der Ansicht, dass ihre Ertragslage gleich gut bleibt. Ähnlich optimistisch sind die Unternehmen in Frankreich, noch größer ist die Zuversicht in Italien. Skeptischer sind die britischen Manager: Dort rechnet nur jeder vierte (28 Prozent) mit steigenden Gewinnen, weitere 39 Prozent haben sich auf eine gleich gute Ertragslage eingestellt.

Diese Skepsis der Briten ist vor allem erstaunlich, weil sie gleichzeitig ein überproportional hohes Umsatzwachstum erwarten: Für 2005 rechnen sie mit einem Umsatzplus von fast 12 Prozent. In den drei anderen Ländern sind die Unternehmen zurückhaltender: Deutsche und Franzosen rechnen mit einem Umsatzwachstum von knapp fünf Prozent, die Italiener erwarten einen Anstieg von gut sechs Prozent.

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