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11.10.2013

10:39 Uhr

Deutlich unter Zielmarke

Billiges Benzin dämpft Inflation

Waren und Dienstleistungen kosteten im September 1,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das ist etwas weniger als in den Monaten zuvor. Damit entfernt sich die Inflation weiter von den angestrebten zwei Prozent.

Für einen Euro gibt es heute mehr Benzin als noch vor einem Jahr. dpa

Für einen Euro gibt es heute mehr Benzin als noch vor einem Jahr.

Berlin Der kräftige Preisrückgang bei Kraftstoffen und Heizöl hat die Inflation erneut gedrückt. Im September sank die Jahresteuerung von 1,5 Prozent im Vormonat auf 1,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte.

Binnen Jahresfrist verbilligten sich vor allem leichtes Heizöl (- 5,8 Prozent) und Kraftstoffe (- 6,7 Prozent). Das dämpfte die Gesamtteuerung: Ohne Berücksichtigung der Mineralölpreise hätte die Teuerungsrate bei 1,9 Prozent gelegen.

Mit den neuen Zahlen bestätigten die Statistiker eine Schätzung von Ende September. Im Vergleich zum Vormonat August blieben die Verbraucherpreise unverändert.

Die größten Inflationsrisiken für Deutschland

Lohn-Preis-Spirale

Wegen der guten Konjunktur haben die Gewerkschaften kräftige Lohnerhöhungen durchgesetzt: Die Chemie-Beschäftigten bekommen 4,5 Prozent, die Metaller 4,3 Prozent mehr Geld, mit einer Laufzeit von rund einem Jahr. Die Beschäftigten bei Bund und Kommunen handelten ein Plus von 6,3 Prozent für zwei Jahre aus. Unternehmen und Staat werden versuchen, die höheren Personalkosten aufzufangen, indem sie ihre Preise beziehungsweise Gebühren und Abgaben anheben. Verteuert sich die Lebenshaltung dadurch merklich, werden die Gewerkschaften in der nächsten Lohnrunde einen Ausgleich verlangen. Es droht eine Spirale, bei der sich Löhne und Preise gegenseitig nach oben schaukeln.

Lockere EZB-Geldpolitik

Bei ersten Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale müsste die EZB ihre Zinsen anheben. Mit teurerem Geld kann sie Konsum und Investitionen drosseln, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen könnte. Aus Rücksicht auf die schwere Wirtschaftskrise in Ländern wie Spanien wird die Zentralbank ihren Leitzins aber wohl noch längere Zeit auf dem Rekordtief von einem Prozent lassen - oder sogar weiter senken. Die extrem niedrigen Zinsen aber können den Konsum im prosperierenden Deutschland weiter befeuern und die Preise anheizen.

Schwacher Euro

Wegen der eskalierenden Schuldenkrise steht der Euro unter Abwertungsdruck. Mit rund 1,25 Dollar ist er so billig wie seit Sommer 2010 nicht mehr. Das Problem: Deutschland als rohstoffarmes Land muss Öl, Metalle und andere Materialien im Ausland kaufen. Auf dem Weltmärkten werden die Rohstoffe überwiegend in Dollar abgerechnet. Ein schwächerer Euro macht damit deutsche Importe teurer.

Enorme Liquidität

Zusätzliche Gefahren gehen von der Politik der Europäischen Zentralbank aus, den Finanzhäusern billiges Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung zu stellen. Allein Ende 2011 und Anfang 2012 hat sie mehr als eine Billion Euro zum Zins von aktuell einem Prozent für drei Jahre in den Finanzsektor gepumpt. Zieht die Kreditvergabe an die Unternehmen erst einmal an, kann das viele Geld schnell in Inflation münden.

Weiter deutlich über der Gesamtteuerung bewegt sich der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln. Mit plus 4,7 Prozent zum September 2012 zeigt die Tendenz allerdings nach unten. Im August kosteten Lebensmittel noch 4,9 Prozent mehr als zwölf Monate zuvor, im Juli 5,7 Prozent mehr. Trotzdem sind die Preissprünge etwa bei Kartoffeln mit plus 31 Prozent oder bei Butter mit plus 29 Prozent nach wie vor sehr hoch.

Insgesamt entfernt sich die Inflationsrate in Deutschland aber immer weiter von der Warnschwelle der Europäischen Zentralbank (EZB) - und das, obwohl die Leitzinsen auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent verharren: Die Währungshüter sehen ein stabiles Preisniveau bei Werten von knapp unter 2,0 Prozent gewahrt.

Im Gegensatz zur günstigen Preisentwicklung bei Mineralölprodukten mussten die Verbraucher im September für Strom (+ 11,5 Prozent) und feste Brennstoffe (plus 6,1 Prozent) erheblich tiefer in die Tasche greifen als vor einem Jahr.

Insgesamt verbilligte sich Energie damit leicht um 0,2 Prozent gegenüber September 2012. Damit hat sich Energie nach früheren Angaben der Statistiker erstmals seit mehr als drei Jahren im Jahresvergleich verbilligt.

Ungeachtet der öffentlichen Debatte um zunehmend unbezahlbaren Wohnraum sind die Nettokaltmieten nach den Zahlen der Statistiker tatsächlich binnen Jahresfrist nur um 1,4 Prozent gestiegen - und damit exakt im gleichen Umfang wie die Verbraucherpreise insgesamt.

„Die Statistik irrt keineswegs. Sie zeichnet nämlich die Entwicklung der Bestandsmieten nach, in denen die durchaus nennenswerte Erhöhung der Neumieten kaum durchschlägt“, erklärt Helaba-Experte Stefan Mitropoulos. Für Nettokaltmieten wenden die privaten Haushalte im Durchschnitt gut ein Fünftel ihrer Konsumausgaben auf.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

11.10.2013, 09:16 Uhr

Schön, dass einige Menschen einen Preis von EUR 1,50+ pro Liter Benzin schon für "billig" halten...

Treudoof

11.10.2013, 13:14 Uhr

Luxus wird immer billiger, Nahrungsmittel welche wirklich Alle kaufen müssen dagegen immer teurer.
Es ist die logische Fortsetzung von Herrn Schröders SPD Agenda: Man rollt den Wohlstand von unten auf und fängt bei den Armen an - weil sich dies am meisten rentiert, denn davon gibt es genug. Und sich so richtig wehren können diese sich auch nicht.
Erinnern Sie sich der "Peanuts"? Was interessieren Luxusgüter, die Käuferschicht ist zwar extrem reich aber zahlenmäßig unwichtig.
Und keine Sorge, das Benzin steigt schon wieder...
Kennen Sie von der Teuerungsdiskussion den statistischen "Virtuellen Warenkorb"? WC Papier geht zu 80% ein, oder?
Die Masse (der Armen) ist und bleibt noch das lohnendste Objekt der Begierde.

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