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16.05.2011

22:47 Uhr

Deutsche-Bank-Chefvolkswirt

"Draghi ist ein hervorragender Kandidat"

VonJens Münchrath

ExklusivDer Chefvolkswirt der Deutschen Bank Thomas Mayer spricht im Interview über die Wahl Mario Draghis zum neuen Präsidenten der Europäischen Zentralbank. Seiner Meinung nach ist die Angst der Deutschen unbegründet.

Thomas Mayer hält Mario Draghi für einen gute Wahl. Quelle: Pressebild

Thomas Mayer hält Mario Draghi für einen gute Wahl.

DüsseldorfHandelsblatt: Herr Mayer Euro-Finanzminister wollen den Italiener Mario Draghi als neuen EZB-Präsidenten. Was bedeutet das für die Stabilitätskultur in Europa?

Thomas Mayer: Eigentlich nur Gutes. Ich halte Mario Draghi für einen hervorragenden Kandidaten. Er ist ein ausgezeichneter Notenbanker und verfügt über internationale Erfahrungen – sowohl in der Welt der Noten- als auch der Geschäftsbanken. Als Vorsitzender des Financial Stability Board, das neue globale Finanzmarktregeln entwickelt, kennt er sich wie kaum ein Zweiter im internationalen Bankensystem aus.

Ein Vertreter aus einem traditionell hochverschuldeten Land – ist das nicht gerade auf dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise ein fatales Signal, vor allem für die zunehmend eurokritischen Deutschen?

Nein, das Gegenteil ist der Fall. Die Angst der Deutschen vor einem Italiener ist völlig unbegründet. Gerade italienische Notenbanker sind aufgrund ihres ständigen Kampfes gegen Rom besonders geübt darin, gegen den Widerstand der Politik stabilitätsorientierte Politik durchzusetzen.

Draghi arbeitete in den Jahren 2002 bis 2005 für die US-Bank Goldman Sachs, die Griechenland geholfen haben soll, die Schuldenstatistiken zu schönen. Ist das auch kein Problem?

Ich denke, Draghi konnte glaubhaft versichern, dass er in die Swap-Geschäfte, die Goldman Sachs mit Griechenland abgeschlossen hatte, nicht involviert war.

Draghi übernimmt die EZB-Spitze in schwierigen Zeiten. Sie spielt Feuerwehr für die Politik, indem sie Staatsanleihen am Markt aufkauft. Mit dieser indirekten Finanzierung von Staatshaushalten hat die EZB ein Tabu gebrochen. Muss man sich um die Unabhängigkeit der Institution sorgen?

Die Summe der aufgekauften Staatsanleihen – mittlerweile sind es 76 Milliarden Euro – klingt dramatisch, ist im Verhältnis zur EZB-Bilanzsumme aber doch eher gering. Und was die Unabhängigkeit der EZB angeht: Die jüngste Zinserhöhung von Trichet war ein klares Signal der Unabhängigkeit. Es gehört Mut dazu, im jetzigen fragilen Umfeld die Zinsen zu erhöhen. Die Botschaft ist klar: Wir nehmen unser Inflationsziel ernst. Das ist die richtige Richtung. Auch Draghi betont das immer wieder.

Kommentare (5)

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dwuerstchen

16.05.2011, 23:37 Uhr

die Wahl Mario Draghis,

wie waere es wenn man ruhe behaelt und den US-Finance Mann (der Stellvertretender) dem Post gibt? "Franzoesisches Latin-Fluote" moechte man zur Ziet nicht oder? Italien bekommt den Notnbankpost, vielleicht beim Notenabdruck erziehen sie sich selber.

Observer

17.05.2011, 07:51 Uhr

Zitat: "Ich denke, Draghi konnte glaubhaft versichern, dass er in die Swap-Geschäfte, die Goldman Sachs mit Griechenland abgeschlossen hatte, nicht involviert war."

Dieser neue EZB-Chef ist aufgrund seiner unseriösen Vergangenheit m. E. erpressbar. Die blauäugige Aussage von Herrn Mayer ist nicht mehr nachvollziehbar.

SeriousSam

17.05.2011, 08:38 Uhr

Es ist irrelevant ob Draghi persönlich in diese griechischen Betrugsgeschäfte involviert war, die Goldman Sachs zu Lasten Europas eignefädelt hat. Es ist für seine Disqualifikation völlig hinreichend, dass er zu dieser Zeit an verantwortlicher Position in der Bank beschäftigt war.

Zudem, man lese genau: er sagt nicht, dass er von diesen Geschäften nichts wusste. Nur, dass er (angeblich) nicht beteiligt war. Warum fällt das niemandem auf?

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