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08.05.2015

12:36 Uhr

Deutsche Exporte

Rekord trotz lahmender Produktion

Die deutschen Exporteure haben einen neuen Rekord geknackt: Im März steigern sie die Ausfuhren um mehr als 12 Prozent. Zwar sind die Deutschen immer noch in Kauflaune, aber die Konjunktur spürt immer stärkeren Gegenwind.

Vor allem die Lieferungen in die USA und China legten besonders stark zu. dpa

Warenaustausch

Vor allem die Lieferungen in die USA und China legten besonders stark zu.

BerlinDie deutsche Wirtschaft tauscht so viele Waren mit dem Ausland wie noch nie. Exporte und Importe erreichten im März jeweils Rekordniveau. Dennoch dürfte sich die Konjunktur im ersten Quartal abgeschwächt haben, da die Industrie ihre Produktion mangels neuer Aufträge kaum steigerte. „Konjunkturell bedeutsamen Branchen wie dem Maschinenbau und der Kfz-Wirtschaft fehlt es derzeit an Schwung“, erklärte das Wirtschaftsministerium am Freitag. Das liegt vor allem an schwächelnden Schwellenländern wie China.

Die Ausfuhren stiegen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 12,4 Prozent auf 107,5 Milliarden Euro. „Das ist eine neue Bestmarke für einen einzelnen Monat“, hieß es beim Statistischen Bundesamt. Dabei nahmen die Warenlieferungen in die Länder außerhalb der Europäischen Union – wozu die beiden größten Volkswirtschaften USA und China gehören – besonders deutlich zu. Im Vergleich zum Vormonat kletterten die Ausfuhren um 1,2 Prozent und damit etwa dreimal so stark wie erwartet.

Ob es in dem Tempo weitergeht, ist aber fraglich. Die weltgrößte Handelsnation China drosselte ihre Importe im April um mehr als 16 Prozent. Für viele deutsche Firmen – darunter Autobauer wie Volkswagen – ist die Volksrepublik inzwischen der wichtigste Absatzmarkt. Auch in anderen großen Schwellenländern läuft es mau. So leidet Brasilien unter fallenden Rohstoffpreisen, Russland unter den westlichen Sanktionen wegen der Ukraine-Krise. „Es verdichten sich die Anzeichen, dass der Gegenwind für die deutsche Konjunktur zunimmt“, sagte Commerzbank-Ökonom Marco Wagner.

Einige Experten fürchten, dass sich das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal halbiert hat. Die Commerzbank rechnet nur mit einem Plus von 0,3 Prozent, die Allianz geht von maximal 0,4 Prozent aus. Ende 2014 war Europas größte Volkswirtschaft noch um 0,7 Prozent gewachsen. „Trotz niedriger Zinsen und eines schwachen Wechselkurses wachsen die Bäume auch für Deutschland nicht in den Himmel“, sagte Analystin Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. Eine erste Prognose für den Jahresauftakt veröffentlicht das Statistische Bundesamt am kommenden Mittwoch.

Dass die Wirtschaft weiter wächst, liegt vor allem an den kauffreudigen Bürgern. So legten die Einfuhren um 7,1 Prozent im Vergleich zu März 2014 auf 84,5 Milliarden Euro zu. Auch das ist ein Rekord. „Der deutliche Importanstieg reflektiert den robusten privaten Konsum“, sagte Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank. „Der dürfte im ersten Quartal dank der Entlastung durch billiges Öl die große Stütze der Konjunktur gewesen sein.“

Trotz der jüngsten Exporterfolge drosselten die Unternehmen ihre Produktion überraschend, nachdem die Auslandsaufträge zuletzt deutlich geschrumpft waren. Industrie, Baubranche und Energieversorger stellten im März zusammen 0,5 Prozent weniger her als im Vormonat. Ökonomen hatten ein Plus von 0,4 Prozent erwartet. Allein die Industrieproduktion schrumpfte um 0,8 Prozent. Im ersten Quartal wuchs sie daher nur um 0,2 Prozent. Die Erzeugung im Baugewerbe stieg hingegen merklich, begünstigt durch milde Temperaturen. Die sonst üblichen witterungsbedingten Unterbrechungen auf den Baustellen blieben in diesem Winter nahezu aus.

Von

rtr

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