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25.02.2015

13:21 Uhr

Deutsche Konjunktur

Wirtschaft wächst, freie Stellen auf Rekordhoch

Niedriger Ölpreis und billiger Euro – das beflügelt die deutsche Konjunktur und sorgt bei den Unternehmen für gut gefüllte Auftragsbücher. Dadurch verbessern sich auch die Chancen für Arbeitslose.

Freie Stellen gibt es vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen, im Handel und in der Gastronomie. dpa

Konjunktur legt zu

Freie Stellen gibt es vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen, im Handel und in der Gastronomie.

BerlinDie deutsche Wirtschaft setzt nach Ansicht des DIW-Instituts ihr kräftiges Wachstumstempo fort. Das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Quartal dürfte um 0,5 Prozent steigen, prognostizierten die Berliner Forscher am Mittwoch. „Die deutsche Wirtschaft profitiert momentan vor allem von den niedrigen Ölpreisen, dem schwachen Euro und von den Ausweitungen der Rentenleistungen“, erklärte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. Da es sich dabei aber um Sondereinflüsse handele, warnten die Ökonomen vor zu viel Optimismus.

Mit der zunehmend robusteren Wirtschaft verbessern sich auch die Jobchancen für Arbeitslose. Nach Erkenntnissen der Bundesagentur für Arbeit (BA) habe es im Februar so viele freie Stellen gegeben wie selten zuvor. Ihre Zahl sei auf den höchsten Stand seit dem Beginn entsprechender Aufzeichnungen vor elf Jahren geklettert, zeigt der am Mittwoch veröffentlichte Stellenindex BA-X der Nürnberger Bundesbehörde. Der Indikator stieg im aktuellen Monat auf den Wert von 183 und lag damit um einen Punkt über dem im Januar gemessenen bisherigen Höchststand.

Im Vergleich zum Vorjahr verbesserte sich der Umfang der freien Stellen um 20 Punkte. Die absolute Zahl der von Unternehmen angebotenen Jobs will die Bundesagentur erst zusammen mit den Arbeitslosenzahlen an diesem Donnerstag veröffentlichen.

Wo die deutschen Exporteure 2015 wachsen – und wo nicht

Rekordjahr 2014

Die deutschen Exporteure haben 2014 ungeachtet der zahlreichen internationalen Krisen einen Umsatzrekord geschafft. Sie nahmen im Ausland 1133,6 Milliarden Euro ein und damit 3,7 Prozent mehr als 2013. In diesem Jahr soll es sogar um fünf Prozent nach oben gehen, sagt der Branchenverband BGA voraus. Es folgt ein Überblick über die boomenden und schrumpfenden Märkte.

USA

Keiner anderen großen Industrienation wird in diesem Jahr ein stärkeres Wirtschaftswachstum zugetraut. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet ein Plus von 3,6 Prozent – nach 2,4 Prozent im vergangenen Jahr. Die steigende Beschäftigung und die Entlastung der konsumfreudigen Verbraucher durch sinkende Energiepreise dürften die weltgrößte Volkswirtschaft ankurbeln. Beflügelt werden dürften die Geschäfte der deutschen Unternehmen zusätzlich vom schwachen Euro, wodurch sie ihre Produkte in den USA entweder billiger anbieten und so der Konkurrenz Marktanteile abjagen oder ihre Gewinnmarge steigern können.

China

Auch wenn die Zeiten eines Wachstums im zweistelligen Prozentbereich vorbei sind, so bleibt die Volksrepublik doch ein lohnender Markt für die deutschen Unternehmen. „Ein wichtiger Schlüssel zu profitablem Wachstum liegt für uns in China“, sagt etwa Daimler-Chef Dieter Zetsche. Seit Jahren ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wichtigster Absatzmarkt für die Autobauer und viele andere Branchen. Das Jahr begann verheißungsvoll: Mercedes Benz etwa steigerte seinen China-Absatz im Januar um 14,5 Prozent.

Euro-Zone

Das Geschäft auf dem wichtigsten Absatzmarkt entwickelt sich wegen der Schuldenkrise seit Jahren schleppend. Allerdings geht es in einigen Ländern wie Spanien und Portugal wieder aufwärts, was sich auch in der Exportstatistik niederschlägt: Die deutschen Ausfuhren in diese beiden Länder stiegen im vergangenen Jahr um jeweils rund zehn Prozent. Um immerhin 1,3 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt in der Euro-Zone im laufenden Jahr wachsen, 2014 waren es nur 0,8 Prozent.

Russland

Die Wirtschaft rechnet mit milliardenschweren Einbußen. Die Exporte dürften um fast 15 Prozent oder knapp vier Milliarden Euro einbrechen, so der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). „Davon werden insbesondere Spitzenexportbranchen wie die Automobilindustrie oder der Maschinenbau betroffen sein“, sagt DIHK-Experte Volker Treier. Bereits 2014 waren die Ausfuhren um rund ein Fünftel gefallen. Ein Grund ist der Kursverfall des Rubel. „Damit gehen enorme Kaufkraftverluste russischer Abnehmer einher“, sagt Treier. „Zudem entfaltet sich die Wirkung der dritten Sanktionsstufe der EU gegen Russland erst in diesem Jahr voll.“ Bislang habe der Warenaustausch zu einem großen Teil noch auf Verträgen basiert, die vor Verhängung dieser Sanktionen im Zuge der Ukraine-Krise geschlossen worden seien.

Opec

Der sinkende Ölpreis drückt die Exporte in die zwölf Opec-Staaten. Im November etwa brachen die Ausfuhren in die Länder des Ölkartells um mehr als sieben Prozent ein. „Der Verfall der Ölpreise drückt unsere Exporte in viele rohstoffreiche Länder“, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Treier. Angesichts fehlender Milliarden aus dem Ölgeschäft schieben viele Förderstaaten Investitionen auf, auch Unternehmen zögern. „Wir erwarten allenfalls ein schwaches Exportwachstum knapp über der Nulllinie in die Region Mittlerer und Naher Osten plus Nordafrika“, so Treier. Bislang hatte der DIHK mit einem Plus im zweistelligen Prozentbereich gerechnet.

Südamerika

Die lange Zeit boomende Region steckt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. In vielen Ländern wie Argentinien und Venezuela dürfte das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr schrumpfen, in Brasilien gerade einmal um 0,5 Prozent wachsen, sagen von Reuters befragte Ökonomen voraus. Grund dafür sind sinkende Rohstoffpreise, aber auch eine wachsende Staatsverschuldung. „Es gibt mehr Risiken als Chancen“, sagt etwa der Chefvolkswirt der Banco Brasil Plural, Mario Mesquita.

„Die insgesamt gute Entwicklung des vergangenen Jahres sowie die derzeit positive Stimmungslage lassen auch für die kommenden Monate eine hohe Einstellungsbereitschaft erwarten“, kommentierte die Bundesagentur. Neben der guten Konjunktur spiegelten die vielen Stellen auch die derzeit größere Bereitschaft vieler Beschäftigter zum Jobwechsel wider. Dadurch müssten Stellen häufiger neu ausgeschrieben werden. Freie Stellen gebe es vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen, im Handel und in der Gastronomie.

Auch bei Volkswirten deutscher Großbanken wächst inzwischen die Zuversicht in Bezug auf den Arbeitsmarkt. Nach ihren Prognosen dürfte die wieder erstarkende Konjunktur für einen unerwartet kräftigen Schub auf dem deutschen Arbeitsmarkt sorgen. Im Jahresschnitt könnte die Zahl der Erwerbslosen 2015 um 80.000 bis 100.000 sinken, prognostizierten Volkswirte in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Ursprünglich waren sie noch von einem weitaus geringeren Rückgang der Arbeitslosigkeit im Jahresschnitt 2015 ausgegangen.

Auch im Februar habe sich der Arbeitsmarkt trotz der etwas kühleren Witterung vergleichsweise gut entwickelt. Für den letzten Wintermonat haben die Volkswirte rund 3,05 Millionen Erwerbslose errechnet; das wären rund 15.000 mehr als im Januar, aber rund 85.000 bis 90.000 weniger als vor einem Jahr.

Noch kaum spürbar sind nach Ansicht der Volkswirte die Auswirkungen des zum Jahresanfang eingeführten Mindestlohns von 8,50 Euro auf den Arbeitsmarkt. Volkswirt Heiko Peters von der Deutschen Bank rechnet damit erst in den kommenden Monaten. Derzeit werde der Effekt von der guten Konjunktur und der Frühverrentungswelle im Zuge der abschlagsfreien Rente mit 63 abgemildert. Betroffen sind vom Mindestlohn nach Erkenntnissen von Ifo-Experte Steffen Henzel bisher hauptsächlich Mini-Jobber. Ihre Zahl habe sich schon im November 2014 um 23 000 verringert.

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