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04.12.2014

14:25 Uhr

Deutsche schuften länger

59 Prozent arbeiten mehr als im Vertrag steht

In Deutschland arbeiten 59 Prozent der Beschäftigten länger, als in ihrem Vertrag festgeschrieben – in 40 Prozent der Fälle häufig oder zumindest gelegentlich unbezahlt. Vor allem Männer hätten gern mehr Freizeit.

Über die Hälfte der Deutschen arbeiten länger, als sie es vertraglich müssten. dpa

Über die Hälfte der Deutschen arbeiten länger, als sie es vertraglich müssten.

BerlinAckern bis zum „Burn out“, damit man bloß seinen Job nicht verliert - das war einmal. Jetzt, wo die Arbeitslosenquote fast einen historischen Tiefstand erreicht hat, entspannen sich auch die Arbeitnehmer. Laut einer aktuellen Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) machen sich nur noch 20 Prozent der Beschäftigten Sorgen um ihre berufliche Zukunft. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 waren es noch 80 Prozent.

Dass die Sorgen abgenommen haben, hat nach Auffassung des DGB auch mit den guten Erfahrungen zu tun, die man während der Krise mit Kurzarbeit und anderen flexiblen Arbeitszeitmodellen gemacht hat. „Die Menschen haben gesehen, das es trotz der Krise nicht zu einem Arbeitsplatzverlust kam“, sagt der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann.

Doch auch ohne Angst um den Arbeitsplatz schuften viele Beschäftigte immer noch genauso emsig wie zuvor. Denn Arbeit ist für viele Menschen in Deutschland auch Sinnsuche.

Denn die vertraglich geregelte Arbeitszeit hat mit der Realität in deutschen Unternehmen oft wenig zu tun. Das geht aus dem DGB-Index „Gute Arbeit 2014“ hervor, den der Deutsche Gewerkschaftsbund am Donnerstag in Berlin vorstellte.

Danach halten sich 62 Prozent der Arbeitgeber nicht an die vereinbarte Arbeitszeit. 59 Prozent der vom DGB befragten Arbeitnehmer gaben an, sie müssten länger arbeiten als vereinbart. In nur drei Prozent der Fälle war die tatsächliche Arbeitszeit kürzer als festgelegt.

Laut DGB-Index identifizieren sich allerdings auch 87 Prozent der Arbeitnehmer stark mit ihrem Job. 69 Prozent der abhängig Beschäftigten haben sogar den Eindruck, „dass sie mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten“.

Für die Unternehmen ist dieses Arbeitsethos nach Auffassung der Gewerkschaften ein geldwerter Vorteil, den sie bei Überlegungen zur Produktionsverlagerung ins Ausland nicht unterschätzen sollten. „Dass sich die Arbeitnehmer so stark mit dem Unternehmen identifizieren, ist ein Wettbewerbsvorteil für Deutschland“, sagt DGB-Chef Hoffmann.

Die meisten Überstunden gibt es dabei in den Bereichen Information, Kommunikation, Energie und Entsorgung. Nur ein Teil der Überstunden wird bezahlt oder abgefeiert. Von den Arbeitnehmern, die länger als vereinbart arbeiten, sagten 24 Prozent, sie leisteten sehr häufig unbezahlte Arbeit.

Weitere 26 Prozent tun dies zumindest gelegentlich. Insgesamt zeigt sich: Viele Männer mit langen Arbeitszeiten würden gerne kürzertreten. Die meisten Frauen, die in Teilzeit arbeiten, hätten dagegen gerne eine höhere Stundenzahl im Vertrag stehen.

Kommentare (1)

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Herr Omarius M.

04.12.2014, 15:36 Uhr

Netter nebeneffekt der H4 regelungen...

es regiert die status angst....
und damit die erpressbarkeit..

die Lohnentwicklung auf der einen seite und die sprudelnden dividenden der andernseits in den letzten 20 jahren belegen das eindrucksvoll

daher wird die Agenda auch so verteidigt.....

auch wenn sie im grunde die Faktische entwertung der lebensleistung von AN darstellt....

nicht mehr und nicht weniger....

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