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26.03.2014

09:00 Uhr

Deutsche sparen mehr

Konsumklima bleibt auf hohem Niveau

Zum ersten Mal seit Monaten verbessert sich die Verbraucherstimmung in Deutschland nicht - und verharrt auf sehr hohem Niveau. Konsumforscher sehen darin einen Grund: Die Verbraucher wollen wieder mehr sparen.

Passanten shoppen in München: Das Marktforschungsinstitut Gfk in Nürnberg hat seine aktuelle Konsumklimastudie veröffentlicht. dpa

Passanten shoppen in München: Das Marktforschungsinstitut Gfk in Nürnberg hat seine aktuelle Konsumklimastudie veröffentlicht.

NürnbergDie Stimmung der Verbraucher in Deutschland ist weiterhin gut - verbessern konnte sie sich allerdings erstmals seit Monaten nicht. Die Bürger schätzen die Entwicklung der Konjunktur erneut besser ein als im Vormonat und sie planen auch noch stärker größere Anschaffungen. Doch gleichzeitig wollen sie zum ersten Mal seit langem wieder mehr sparen. Und auch die Erwartungen an die Entwicklung des eigenen Einkommens gehen zurück, wie das Marktforschungsunternehmen GfK am Mittwoch in Nürnberg mitteilte.

Der zusammenfassende Konsumklimaindex für April verharrte deshalb bei 8,5 Punkten, dem gleichem Wert wie im März. Er hatte damit ein Sieben-Jahres-Hoch erreicht. Die Stimmung der Verbraucher war mit Ausnahme eines Monats im vergangenen Jahr kontinuierlich gestiegen.

Reiche in Deutschland

Ab wann gilt man als reich?

Eine Definition für Reichtum gibt es nicht. Auch ist dies - wie so vieles - relativ. Der Durchschnittsverdienst eines Arbeitnehmers liegt in Deutschland bei rund 30.000 Euro. Die Hälfte der 26,6 Millionen Steuerpflichtigen hatte nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2007 Einkünfte von bis zu 29.000 Euro, 10 Prozent erhielten mehr als rund 73.400 Euro, aber nur ein Prozent mehr als 206.000 Euro.

Wie ist die Vermögensverteilung?

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht von einem Nettovermögen in Deutschland von 9,3 Billionen Euro. Das umfasst Immobilien, Geldvermögen, Versicherungen, Betriebsvermögen oder auch Vermögen in Form wertvoller Sammlungen. Dieses Vermögen ist in Deutschland ungleich verteilt. So besitzen 10 Prozent der Bevölkerung nach Angaben des DIW gut 66 Prozent des Gesamtvermögens. Ein Prozent der Bevölkerung verfügt über mehr als ein Drittel des gesamten Vermögens.

Wie viele Millionäre und Milliardäre gibt es in Deutschland?

Nach Angaben des „Manager Magazins“ gibt es in Deutschland gut 100 Milliardäre - sowohl Einzelpersonen als auch Familien. Angeführt wird die Liste der Superreichen von Aldi-Gründer Karl Albrecht.

Trotz Wirtschaftskrise und Börsenturbulenzen ist auch die Zahl der Deutschen, die über ein Nettovermögen von einer Million Euro und mehr verfügen deutlich gestiegen. Der D.A.CH-Vermögensreport 2012 gibt die Zahl der Euro-Millionäre in Deutschland mit 826.000 an.

Wie sieht es mit „Einkommensmillionären“ aus?

Laut Statistischem Bundesamt gab es im Jahr 2007 insgesamt 16.681 Steuerzahler mit Einkünften von einer Million Euro oder mehr. Die meisten kamen aus Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.

Wer zahlt Steuern?

Auf das oberste Zehntel der Einkommensbezieher entfielen 2007 fast 55 Prozent des gesamten Steueraufkommens. Fast ein Viertel (23,9) des Aufkommens ging auf die 1 Prozent Einkommensreichsten zurück. Dagegen zahlt die untere Hälfte nur sieben Prozent des Steueraufkommens.

Werden Reiche künftig stärker besteuert?

Wenn es nach SPD, Grünen, Linken und Gewerkschaften geht: Ja. Es geht vor allem um einen höheren Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer und eine Rückkehr zur Vermögensteuer, die Ende 1996 in Deutschland ausgesetzt wurde. Zurzeit liegt der Spitzensteuersatz bei 42 Prozent, er gilt ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 52.882 Euro. Hinzu kommt die „Reichensteuer“ von 45 Prozent ab 250.001 Euro (Ledige). Die Sätze könnten angehoben werden oder früher greifen.

Nach Ansicht der Bürger befindet sich die deutsche Wirtschaft weiter im Aufwind. Günstige Wachstumserwartungen für die Weltwirtschaft, verbesserte Exportaussichten und ein nach wie vor sehr niedriges Zinsniveau würden wieder stärker zu Investitionen führen. Auch die Absicht der Verbraucher, größere Anschaffungen zu tätigen, sei nochmals etwas stärker als im Vormonat, wo sie schon auf einem sehr hohen Niveau war. Die dafür entscheidenden Rahmenbedingungen, wie ein stabiler Arbeitsmarkt, gute Einkommensentwicklung und eine moderate Inflation, seien weiter günstig.

Dagegen könne die Einkommenserwartung ihren Rekordwert nicht ganz behaupten. Trotzdem sei auch hier der Wert weiter hoch. „Dieser anhaltende Optimismus unter den Verbrauchern hat sicherlich einige Berechtigung. Eine stabile Arbeitsmarktsituation mit einer noch leicht steigenden Beschäftigung nähren die Hoffnungen auf stärker steigende tarifliche Einkommen“, erklärte die GfK. Die Tarifverhandlungen für dieses Jahr könnten laut GfK insgesamt ein Plus von 3 Prozent oder sogar etwas mehr ergeben. Und die Renten sollen in Westdeutschland um 1,67 und in den neuen Ländern sogar um 2,53 Prozent zulegen. „Unter der Annahme einer erwarteten moderaten Inflationsrate von 1,5 Prozent in 2014 bedeutet dies auch für die Rentner reale Einkommenszuwächse.“

Einziger echter Wermutstropfen für das Konsumklima: Die Bürger legen wieder mehr Geld auf die hohe Kante, anstatt es auszugeben. Die Sparneigung lasse ihr Rekordtief aus dem Januar hinter sich und lege erstmals seit Monaten wieder deutlich zu. Ob dies jedoch ein Wendepunkt beim Sparverhalten sei, bleibe abzuwarten.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

26.03.2014, 09:33 Uhr

"Die Bürger legen wieder mehr Geld auf die hohe Kante, anstatt es auszugeben."
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Eigentlich ist es typisch deutsch und durchaus sinnvoll, für schlechte Zeiten vorzusorgen anstatt das Geld rauszuhauen und in den Tag zu leben. Nur bringt es nichts mehr. Sobald ein gewisses Vermögen akkumuliert ist, hat der Staat nichts besseres zu tun, als die Menschen zu enteignen, wie man am Geschrei nach mehr Steuern und Abgaben durch Grüne/Sozialisten/Kommunisten leicht sieht, und das Geld z.B. an den nichtsnutzigen Club Med zu verschieben, den man besser am langen Arm verhungern ließe, auf daß er für seine Verschwendungssucht selber geradestehen muß.

»So!« sagt die Omeis hinwiderum; »so bist du gar ein saubrer Gesell! Hast du im Sommer können singen und pfeifen, so tu anjetzo im Winter tanzen und leide darneben gleichwohl Hunger; denn das Faulenzen bringt kein Brot ins Haus.«
Jean de la Fontaine

Wer die Ameise und die Grille repräsentiert, dürfte auf der Hand liegen.

Angesichts der lächerlichen Zinssätze (kalte Enteignung) frage ich mich vor diesem Hintergrund ohnehin, ob es für den, der entsprechende Rücklagen bilden kann (die meisten können es nicht einmal mehr), nicht klüger ist, in physische Edelmetalle (Au, Ag, Pt etc.) etc. zu investieren und die außerhalb des Zugriffs des gierigen Molochs Staat aufzubewahren, zumindest teilweise, als eiserne Reserve für Notzeiten.

Account gelöscht!

26.03.2014, 11:10 Uhr

Nachtrag zum Aufmacherfoto:

"Passanten shoppen in München: Das Marktforschungsinstitut Gfk in Nürnberg hat seine aktuelle Konsumklimastudie veröffentlicht. "
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Typisches Bild mit den Hochglanztütchen.
Shoppen = Lebenszeit verplempern um Geld für nutzlose Dinge aus dem Fenster zu werfen, weil "Shoppen" das Ego und das Lustzentrum befriedigt. Alleine bei dem Wort "Shoppen" bekomme ich schon die Krise!

Merke: Ehe ich "shoppen" gehe, schneit es schwarz (Einkaufen ist nervtötend und mit einem Minimum an zeitlichem und finanziellem Aufwand zu erledigen!). Ich ziehe lieber durch die Natur, aber das bringt natürlich keinen Umsatz und dämpft den Konsumklima-Index. So'n Pech aber auch! :-)

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