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27.08.2014

08:35 Uhr

Deutsche Verbraucher

Krisen sorgen für Verunsicherung

Die Bilder aus dem Irak und Syrien machen betroffen, den Verbrauchern machen sie Angst: Wie wirken die Krisen auf die deutsche Wirtschaft? Entscheidend für die Konsumstimmung sind die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

Passanten gehen mit Einkaufstüten durch die Innenstadt in Hamburg: Die weltweiten Krisen verunsichern deutsche Verbraucher. dpa

Passanten gehen mit Einkaufstüten durch die Innenstadt in Hamburg: Die weltweiten Krisen verunsichern deutsche Verbraucher.

Nürnberg/BerlinInwieweit sich die internationalen Krisen auf die Verbraucherstimmung hierzulande niederschlagen werden, hängt nach Einschätzung von Konsumexperten vor allem vom Verhalten der Firmen ab. „Wenn die Unternehmen ihre Beschäftigungspolitik stabil halten, dürften die Auswirkungen auf das Konsumklima überschaubar bleiben“, sagte Rolf Bürkl vom Marktforschungsunternehmen GfK der Nachrichtenagentur dpa in Nürnberg. „Wenn die Unternehmen wegen der Verunsicherung mit Investitionen vorsichtiger werden und auch keine Stellen mehr schaffen, wird das zu einem Problem für das Konsumklima. Dann müssten wir auch mit stärkeren Rückgängen rechnen.“

Die Stimmung der Verbraucher trübt sich so stark ein wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr, prognostizieren die Nürnberger Marktforscher der GfK in ihrem am Mittwoch vorgelegten Barometer. Der Index für das Konsumklima im September verschlechtert sich demnach um 0,3 auf 8,6 Zähler.

Reiche in Deutschland

Ab wann gilt man als reich?

Eine Definition für Reichtum gibt es nicht. Auch ist dies - wie so vieles - relativ. Der Durchschnittsverdienst eines Arbeitnehmers liegt in Deutschland bei rund 30.000 Euro. Die Hälfte der 26,6 Millionen Steuerpflichtigen hatte nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2007 Einkünfte von bis zu 29.000 Euro, 10 Prozent erhielten mehr als rund 73.400 Euro, aber nur ein Prozent mehr als 206.000 Euro.

Wie ist die Vermögensverteilung?

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht von einem Nettovermögen in Deutschland von 9,3 Billionen Euro. Das umfasst Immobilien, Geldvermögen, Versicherungen, Betriebsvermögen oder auch Vermögen in Form wertvoller Sammlungen. Dieses Vermögen ist in Deutschland ungleich verteilt. So besitzen 10 Prozent der Bevölkerung nach Angaben des DIW gut 66 Prozent des Gesamtvermögens. Ein Prozent der Bevölkerung verfügt über mehr als ein Drittel des gesamten Vermögens.

Wie viele Millionäre und Milliardäre gibt es in Deutschland?

Nach Angaben des „Manager Magazins“ gibt es in Deutschland gut 100 Milliardäre - sowohl Einzelpersonen als auch Familien. Angeführt wird die Liste der Superreichen von Aldi-Gründer Karl Albrecht.

Trotz Wirtschaftskrise und Börsenturbulenzen ist auch die Zahl der Deutschen, die über ein Nettovermögen von einer Million Euro und mehr verfügen deutlich gestiegen. Der D.A.CH-Vermögensreport 2012 gibt die Zahl der Euro-Millionäre in Deutschland mit 826.000 an.

Wie sieht es mit „Einkommensmillionären“ aus?

Laut Statistischem Bundesamt gab es im Jahr 2007 insgesamt 16.681 Steuerzahler mit Einkünften von einer Million Euro oder mehr. Die meisten kamen aus Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.

Wer zahlt Steuern?

Auf das oberste Zehntel der Einkommensbezieher entfielen 2007 fast 55 Prozent des gesamten Steueraufkommens. Fast ein Viertel (23,9) des Aufkommens ging auf die 1 Prozent Einkommensreichsten zurück. Dagegen zahlt die untere Hälfte nur sieben Prozent des Steueraufkommens.

Werden Reiche künftig stärker besteuert?

Wenn es nach SPD, Grünen, Linken und Gewerkschaften geht: Ja. Es geht vor allem um einen höheren Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer und eine Rückkehr zur Vermögensteuer, die Ende 1996 in Deutschland ausgesetzt wurde. Zurzeit liegt der Spitzensteuersatz bei 42 Prozent, er gilt ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 52.882 Euro. Hinzu kommt die „Reichensteuer“ von 45 Prozent ab 250.001 Euro (Ledige). Die Sätze könnten angehoben werden oder früher greifen.

Der private Verbrauch ist in Deutschland für knapp 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verantwortlich - entsprechend wichtig ist ein gutes Konsumklima für die Konjunktur. Für die Verbraucherstimmung generell verheerend sei jedoch die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, erläuterte Bürkl. Mit Blick auf die Sanktionsspirale mit Russland und die davon betroffenen deutschen Unternehmen schilderte er: „Da kommen schnell Befürchtungen hoch, weil einzelne Fälle verallgemeinert werden.“ Insgesamt träfen die Sanktionen die deutsche Wirtschaft bislang aber nur im geringen Maße.

Allerdings hatten zuletzt Berichte, die die künftige Wirtschaftsentwicklung zurückhaltender beurteilten, zugenommen. Auch die Erholung der Weltwirtschaft wird wohl langsamer voranschreiten als gedacht. „Gerade die Einschätzung der konjunkturellen Entwicklung ist sehr stark von dem Bild abhängig, das in den Medien gezeichnet wird“, erläuterte Bürkl die Verbrauchersicht. Entsprechend wird die Konsumstimmung derzeit auch von der ausgeweiteten Berichterstattung über die internationalen Krisenherde beeinflusst. „Die Informationen, die auf die Konsumenten eindringen, spielen sicher eine Rolle“, betonte Bürkl. Zumal insbesondere die Bewertung der konjunkturellen Lage nur zum Teil von Fakten bestimmt sei. „Das ist durch Emotionen, Angst und Verunsicherung getrieben.“

Nun sorgen laut GfK die Eskalation der Situation im Irak, in Israel, der Ukraine sowie die sich schneller drehende Sanktionsspirale mit Russland für Verunsicherung: „Das hat die bislang überaus optimistischen Konjunkturaussichten der Bundesbürger negativ beeinflusst.“ Sie beziehen die verschärfte geopolitische Lage stärker in ihre Beurteilung ein, wie die heimische Konjunktur laufen wird. Das entsprechende Barometer verliert 35,5 Punkte und sackt auf 10,4 Zähler ab. Einen solchen Einbruch gab es laut GfK seit Beginn der Verbraucherumfrage 1980 noch nicht. Bislang wirken sich die Konjunktursorgen der Bürger jedoch kaum auf ihre Neigung zum Kauf teurer Güter aus. Sie orientieren sich eher am stabilen Arbeitsmarkt als an den weltwirtschaftlichen Turbulenzen.

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