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22.10.2012

12:57 Uhr

Deutsche Wirtschaft

Bundesbank befürchtet ein düsteres Jahresende

Nach Ansicht der Bundesbank steht der deutschen Wirtschaft ein düsteres viertes Quartal bevor. Sogar ein leichter Rückgang sei möglich, so die Notenbank-Experten. Bundesfinanzminister Schäuble sieht das ähnlich.

Die Zahlen für Sommer belegen: die deutsche Wirtschaftsleistung stagniert. dapd

Die Zahlen für Sommer belegen: die deutsche Wirtschaftsleistung stagniert.

BerlinDie deutsche Wirtschaft droht nach Einschätzung der Bundesbank im laufenden Vierteljahr zu schrumpfen. "Es verdichten sich die Anzeichen, dass auf eine spürbare Expansion der Wirtschaftsleistung im dritten Vierteljahr 2012 eine Stagnation oder sogar ein leichter Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im Schlussquartal folgen könnte", stellten die Notenbank-Experten in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht fest. Ein Minus hat es seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2009 nur einmal gegeben: Im vierten Quartal 2011 ging die Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent zurück.

Unter Druck sieht die Bundesbank vor allem die exportabhängige Industrie. Zwar seien die Aufträge aus der Euro-Zone nach den massiven Rückgang in den Vorquartalen nicht weiter gefallen. Dafür sei aber die Nachfrage aus anderen Regionen "im Zuge der globalen Konjunkturdelle zum Stillstand gekommen". Etliche Autohersteller hatten im Sommer zudem auf die sonst üblichen Produktionsunterbrechungen verzichtet, was nun zum Bumerang werden könnte.

"Auch die im Vergleich zu den Warenausfuhren recht schwache Einfuhrtätigkeit deutet darauf hin, dass eine Dämpfung der Produktion bevorstehen könnte", erläuterte die Bundesbank. Die robuste Binnennachfrage dürfte aber einen Einbruch verhindern, heiß es. "Demgegenüber wird die Konjunktur weiterhin dadurch unterstützt, dass der Wohnungsbau von den günstigen Finanzierungsbedingungen, dem Mangel an Alternativanlagen und der gestiegenen Verunsicherung profitiert und der private Verbrauch aufgrund der spürbaren Realeinkommensgewinne auf Expansionskurs bleibt."

Nach Ansicht des Bundesfinanzministeriums ist die Wirtschaft Deutschlands im Sommer trotz der schwächeren Weltkonjunktur zwar gewachsen. "Auch im dritten Quartal dürfte es zu einer Zunahme der gesamtwirtschaftlichen Aktivität gekommen sein", schrieb das Bundesfinanzministerium am Montag in seinem Monatsbericht. Doch auch im Ministerium befürchtet man für das Jahresende einen Rückschlag: "Im Schlussquartal 2012 dürfte es in Deutschland zu einer deutlichen konjunkturellen Abschwächung kommen", heißt es in dem Schreiben. "Dämpfend auf die Wirtschaftsentwicklung wirkt dabei vor allem die wirtschaftliche Schwäche in einigen Ländern des Euroraums."

Konjunkturprognosen der vergangenen Monate

DIHK

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht von einem Wachstum von 0,3 Prozent aus. Bislang waren 0,7 Prozent erwartet worden. "Der Aufschwung in Deutschland ist vorerst verschoben", sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. "Die Unternehmen schätzen ihre Lage deutlich schlechter ein als zu Beginn des Jahres." Für 2014 geht das DIHK von einem Wachstum von mehr als einem Prozent aus.

BDI

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, rechnet mit robustem Wachstum von bis zu 0,8 Prozent. Er ist damit weit optimistischer als die Bundesregierung.

Bundesregierung

Die Bundesregierung geht für 2013 von einem Wachstum von 0,4 Prozent aus.

Sachverständigenrat

Genau wie die Bundesregierung rechneten auch die "fünf Weisen" aus dem Sachverständigenrat zuletzt mit einem Wachstum von 0,8 Prozent. Wegen des starken Einbruchs im vierten Quartal 2012 haben sie den Wert jedoch auf 0,3 Prozent mehr als halbiert.

RWI

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung rechnet für 2013 mit einem Wachstum von 0,3 Prozent. Im Vergleich zur Herbstprognose wurde die Schätzung um 0,7 Punkte zurückgenommen.

Internationaler Währungsfonds

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt für 2013 ein Plus von 0,3 Prozent voraus. Im Oktober 2012 war er für 2013 noch von einem Wachstum von 0,9 Prozent ausgegangen.

EU-Kommission

Zum Lager der Optimisten gehört die EU-Kommission. Für Deutschland erwartet sie 2013 ein Wachstum von 0,5 Prozent. Das ist besser als die Erwartung für den Euroraum. Hier rechnet sie sogar mit einem Rückgang von 0,3 Prozent. Grund für die langsame Entwicklung sind die schlechte Binnennachfrage einiger Länder und große konjunkturelle Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedstaaten.

Bundesbank

Die Deutsche Bundesbank rechnet in ihrem Monatsbericht vom Dezember für 2013 mit einem Wachstum von 0,4 Prozent. 2014 soll dies auf 1,9 Prozent steigen.

DIW

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet für 2013 mit einem Wachstum von 0,7 Prozent. Damit hat es seine Erwartungen nach unten korrigiert. Zuvor war es von einem Plus von 0,9 Prozent ausgegangen. Für 2014 rechnet das DIW mit einem Wachstum von 1,6 Prozent.

Ifo-Institut

Das Münchner Ifo-Institut geht für 2013 von einem Wachstum von 0,7 Prozent aus. Die Spanne der Schätzung reicht von minus 0,6 bis plus 2,0 Prozent.

Im Frühjahr hatte das Bruttoinlandsprodukt noch um 0,3 Prozent zugelegt, im ersten Vierteljahr sogar um 0,5 Prozent. Die Stimmung in den Chefetagen der Wirtschaft hat sich zuletzt fünf Monate in Folge aber eingetrübt, fand das Ifo-Institut bei seiner Umfrage unter Tausenden Managern heraus.

Kommentare (1)

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salmiakgeist

22.10.2012, 09:16 Uhr

Das war doch vielen klar, schon lange. Irgendwann verteilt sich die Luft des milliardenschweren Aufpumpens gleichmäßig und daher niedriger als in 2007, wie der ganze künstliche Aufblasprozess begann! In 2013, korrekt zum deutschen Wahljahr, dürfte das noch viel intensiver werden.

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