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19.09.2011

12:45 Uhr

Deutsche Wirtschaft

Bundesbank erwartet hohes Quartalswachstum

Während die Finanzmärkte schon eine Rezession einpreisen, zeigen sich die deutschen Währungshüter für die Konjunktur relativ optimistisch. Für das dritte Quartal erwarten sie in Deutschland kräftiges Wachstum.

Der Präsident der Bundesbank, Jens Weidmann. dapd

Der Präsident der Bundesbank, Jens Weidmann.

BerlinDie Bundesbank zeichnet ein optimistisches Bild für die kurzfristige Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Nach der Flaute im Frühjahr sei im dritten Quartal „mit einem kräftigen Anstieg der Wirtschaftsleistung zu rechnen“, schrieb sie am Montag in ihrem Monatsbericht. Der private Konsum dürfte „spürbar zulegen“, ebenso Industrie- und Bauproduktion. So zeigten die für Juli vorliegenden Konjunkturindikatoren wie die Industrieerzeugung oder die Bauproduktion nach oben. Zusammen mit den Stimmungsindikatoren, die bis einschließlich August auf eine ausgezeichnete Lage der deutschen Wirtschaft hinwiesen, spreche das für eine Fortsetzung der konjunkturellen Aufwärtsbewegung in Deutschland.

Das hohe Tempo lässt sich aber voraussichtlich nicht halten. „Die mittelfristigen Aussichten haben sich in letzter Zeit bei erhöhter Unsicherheit stärker eingetrübt als zuvor erwartet“´, warnen die Bundesbanker mit Blick auf die heftigen Kurseinbrüche an den Aktienmärkten.

Konjunkturindikatoren

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklima

Der GfK-Konsumklimaindex soll die Konsumneigung der Privathaushalte abbilden. Hierfür befragt das Institut monatlich 2000 repräsentativ ausgewählte Personen über ihr Anschaffungs- und Sparneigung auf Sicht von 12 Monaten sowie über ihre Erwartungen zur Gesamtwirtschaftlichen Situation.

Geldmenge M1

Das Geldmengenaggregat M1 umfasst den Bargeldumlauf und Sichteinlagen (jederzeit verfügbare Einlagen, zum Beispiel auf Girokonten). Sie ist ein Indikator für die Transaktionshäufigkeit in einer Volkswirtschaft. Steigt die Geldmenge M1, so wird in der Regel auch mehr gekauft.

Handelsblatt Prognosebörse

Auf der Handelsblatt Prognosebörse handeln Teilnehmer ihre Erwartungen über die Entwicklung von sechs Konjunkturindikatoren - Bruttoinlandsprodukt, Inflationsrate, Arbeitslosenzahl, Exporte, Bruttoanlageinvestitionen und ifo-Index - über virtuelle Aktien. Der Ansatz stützt sich nicht auf das Wissen einzelner Experten, sondern auf das gesammelte Wissen aller Teilnehmer. Jeder Interessierte kann kostenlos ein Konto eröffnen und von dort Konjunkturindikatoren als Aktien handeln: Je nach seinen persönlichen Erwartungen über die Entwicklung eines Indikators, kauft oder verkauft er Aktien.

Im zu Ende gehenden Sommerquartal halten die meisten Experten ein Wachstum von einem halben Prozent und mehr für möglich, nachdem es im Frühjahr wegen sinkender Konsumausgaben nur zu einem Plus von 0,1Prozent gereicht hatte. Nach Prognose der Industriestaaten-Organisation OECD könnte das Bruttoinlandsprodukt am Jahresende dann erstmals seit Anfang 2009 wieder schrumpfen. Vor allem in der Industrie zeichnet sich für die kommenden Monate wegen der weltweiten Konjunkturabkühlung eine langsamere Gangart ab: Ihre Auslandsaufträge brachen im Juli mit 7,4 Prozent so stark ein wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr.

Für 2011 halten führende Wirtschaftsinstitute ein Wachstum von knapp drei Prozent für möglich. Für 2012 rechnen das Kieler IfW und das IWH Halle nur noch mit einem Plus von 0,8 Prozent, weil vor allem die Schuldenkrise in Europa und die schlappe US-Konjunktur die Nachfrage nach deutschen Waren dämpfen dürften. Die Forscher schließen eine Rezession nicht aus.

Auch das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat seine Konjunkturprognosen für das laufende und das kommende Jahr gesenkt. Für 2011 rechnen die Experten noch mit drei Prozent (Frühjahr: 3,5 Prozent) und für 2012 mit 1,25 Prozent (2,25 Prozent).

Damit sind die Kölner Forscher immer noch relativ optimistisch gestimmt: Die korrigierten Prognosen der anderen Institute für 2012 liegen derzeit in der Spanne zwischen 0,8 und 1,2 Prozent. Drei Prozent für dieses Jahr gelten als relativ sicher - auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zuletzt vorausgesagt, dass Wachstum werde „sicherlich wieder eher bei 3 als bei 2,5“ Prozent liegen. Bei den Arbeitslosen rechnet das IW mit einem weiteren Rückgang auf durchschnittlich 2,8 Millionen im kommenden Jahr.

„Die Unsicherheit ist höher als gewöhnlich“, betonte IW-Direktor Michael Hüther am Montag in Berlin. Dies mache auch die Prognosen schwierig. Es sei noch unklar, wie sich die Probleme auf den Finanzmärkten auf die Unternehmen und die privaten Haushalte auswirkten. Die Verunsicherung werfe aber „zunehmend Schatten auf Export, Investitionen und Konsum“, meinte Hüther. Im Fall einer Zuspitzung der Krise sei auch eine Rezession in Deutschland 2012 nicht völlig auszuschließen. Positive Impulse liefere aber weiterhin die Nachfrage aus Schwellenländern wie China.

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