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30.05.2012

11:32 Uhr

Deutsche Wirtschaft

Firmen zuversichtlich, DIHK erhöht Prognose

Die deutsche Wirtschaft rechnet trotz der Euro-Schuldenkrise weiterhin mit guten Geschäften und steigenden Exporten. Nach einer Umfrage des DIHK sei die Lage „außergewöhnlich gut“. Der Verband erhöhte seine Prognose.

Monteure beim Windanlagenbauer Nordex: Die Stimmung in der Wirtschaft ist gut. dpa

Monteure beim Windanlagenbauer Nordex: Die Stimmung in der Wirtschaft ist gut.

BerlinDie deutschen Firmen schauen trotz der verschärften Schuldenkrise zuversichtlich nach vorne und setzen auf das Auslandsgeschäft. „Der Ausblick der Unternehmen auf die kommenden Monate ist spürbar optimistischer“, erklärte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) am Mittwoch zu seiner Umfrage unter gut 25.000 Firmen. Der Verband erhöhte deshalb seine Wachstumsprognose für die Wirtschaft 2012 auf 1,3 von 1,0 Prozent. Die Exporterwartungen hellten sich erstmals seit einem Jahr auf. Für Impulse sorgten die Wachstumsmärkte Asiens, während die Rezession bei manchem Euro-Partner die Exportzuwächse bremse. „Allerdings kehrt die aus der Euro-Schuldenkrise resultierende wirtschaftspolitische Unsicherheit am aktuellen Rand zurück“, räumte der DIHK ein.

Im ersten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland mit 0,5 Prozent zwar unerwartet stark gestiegen. Zuletzt hatten Umfragen des Ifo-Instituts und unter Einkaufsmanagern jedoch wachsende Skepsis der Unternehmen zum weiteren Konjunkturverlauf an den Tag gebracht. Zudem sorgten die Lage in Griechenland und Spanien in den vergangenen Tagen zunehmend für Unsicherheit an den Finanzmärkten.

Die DIHK-Umfrage wurde bereits Anfang Mai abgeschlossen. Die Kammerorganisation betonte nun, die Sparpakete und Reformschritte in vielen europäischen Ländern dämpften die Nachfrage nach Waren „Made in Germany“. „Die robuste Entwicklung anderer Exportmärkte sowie die stabile Binnenkonjunktur verhindern aber Schlimmeres.“

Investitionen und Personalaufbau ziehen an
Zudem steige die Bereitschaft der Firmen, zu investieren. Grund seien niedrige Zinsen und die hohe Auslastung. Binnenmarktorientierte Branchen wie die Bauwirtschaft, der Handel und Dienstleister stockten ihre Investitionsetats wieder auf. „Unverändert rege bleiben die Investitionsabsichten der Industrie.“ Unbeeindruckt von der Schuldenkrise zeige sich der Arbeitsmarkt. „Die Beschäftigungsabsichten der Betriebe steigen auf hohem Niveau leicht an“, schrieben die DIHK-Experten. Sie betonten sogar, seit einigen Jahren stellten die Firmen bei guten Geschäftserwartungen dank größerer Flexibilität schneller ein. Zudem führe der Fachkräftemangel dazu, „dass Unternehmen Personal einstellen, wo es der Arbeitsmarkt noch möglich macht“.

Die größten Risiken für die deutsche Wirtschaft

Deutschland in der Wirtschaftskrise

Aus dem Schneider ist Europas größte Volkswirtschaft noch nicht, auch wenn sie mit einem kräftigen Wachstum im ersten Quartal eine Rezession verhindern konnte. Im Gegenteil: Die Risiken ballen sich wie selten zuvor - vor allem von außen droht jede Menge Ungemach.

Schuldenkrise

„Das größte Abwärtsrisiko für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland geht nach wie vor von der Schulden- und Vertrauenskrise im Euroraum aus, die im Kern noch nicht gelöst ist“, warnen führende Institute in ihrem Gutachten für die Bundesregierung. Schon jetzt lastet die Krise auf der exportabhängigen Wirtschaft: Die Ausfuhren in die Euro-Zone schrumpften im März um 3,6 Prozent, weil Krisenländer wie Spanien und Griechenland wegen der Rezession ihre Importe einschränken. Da 40 Prozent der Ausfuhren in die Währungsunion gehen, spürt Deutschland die Schwäche der Nachbarn deutlich.

Jede Zuspitzung der Schuldenkrise sorgt für Wirbel an den Finanzmärkten. Kann sich ein großes Euro-Land wie Spanien nicht mehr am Kapitalmarkt finanzieren und flüchtet unter die Rettungsschirme EFSF und ESM, würde das einen erneuten Vertrauensverlust auslösen. Unternehmen würden weniger investieren, Verbraucher größere Anschaffungen scheuen. Der Bund ist mit der Beteiligung an den Rettungspaketen enorme Risiken eingegangen. „Im Zuge der Rettungspakete summieren sich die Zusagen auf rund 80 Milliarden Euro“, so die Institute.

Kann etwa Griechenland das Geld nicht zurückzahlen, belastet das den deutschen Staatshaushalt. Eine Herabstufung durch die Ratingagenturen droht dann, was höhere Zinsen zur Folge hätte. Der Spardruck würde steigen, Hauhaltslöcher müssten mit höheren Steuern und Ausgabenkürzungen gestopft werden. Beides würde die Konjunktur belasten.

Inflation

Seit mehr als einem Jahr hält sich die Teuerungsrate in Deutschland über der Marke von zwei Prozent, bis zu der die Europäische Zentralbank (EZB) von stabilen Preisen spricht. Manche Experten befürchten, dass die Preise künftig deutlich schneller steigen könnten - um vier bis fünf Prozent. Das würde die Kaufkraft der Verbraucher erheblich einschränken.

Grund für die Inflationsgefahr: Wegen der guten Konjunktur haben die Arbeitnehmer kräftige Lohnerhöhungen durchgesetzt. Den Unternehmen fällt es angesichts der guten Beschäftigungslage leichter, steigende Lohnkosten an die Verbraucher weiterzureichen - sprich: die Preise für Waren und Dienstleistungen anzuheben. Es droht eine Spirale, bei der sich Löhne und Preise gegenseitig nach oben schaukeln. Bei ersten Anzeichen dafür müsste die EZB ihre Zinsen anheben, um Konsum und Investitionen zu drosseln, was die Nachfrage dämpfen und den Preisauftrieb dämpfen könnte. Aus Rücksicht auf die Wirtschaftskrise in Ländern wie Spanien wird sie ihren Leitzins aber vorerst wohl auf dem Rekordtief von einem Prozent belassen.

Zusätzliche Gefahren gehen von der Politik der EZB aus, den Finanzhäusern billiges Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung zu stellen. „Noch bleibt die zusätzliche Liquidität erst einmal im Finanzsektor“, sagt Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel. „Doch wenn die Kreditvergabe an die Unternehmen erst einmal steigt, kann das sehr schnell in Inflation münden.“

Immobilienblase

Die Preise für deutsche Wohnimmobilien steigen immer schneller. 2011 legten sie mit 5,5 Prozent mehr als doppelt so stark zu wie 2010 mit 2,5 Prozent. „Erstmals seit dem Wiedervereinigungsboom Anfang der neunziger Jahre ist hierzulande somit ein konjunktureller Aufschwung wieder mit einer markanten Preisreaktion auf den Häusermärkten verbunden“, stellt die Bundesbank fest. Niedrige Bauzinsen und die Angst vor Inflation verlocken immer mehr Deutsche dazu, in Immobilien zu investieren. „Wenn das jahrelang so weitergeht mit den extrem niedrigen Zinsen, besteht das Risiko einer Immobilienpreisblase in Deutschland“, warnt der Konjunkturchef des Instituts für Weltwirtschaft, Joachim Scheide. Die hat es in Spanien gegeben, ihr Platzen hat eine schwere Rezession ausgelöst. „So etwas ist für Deutschland auch nicht ausgeschlossen“, sagt Scheide.

China

China wird nach Prognose des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) in diesem Jahr zum zweitwichtigsten Kunden der deutschen Exportwirtschaft aufsteigen - nach Frankreich, aber noch vor den USA. Für viele Unternehmen ist die Volksrepublik schon jetzt der wichtigste Absatzmarkt, beispielsweise für die Autobauer Volkswagen, Audi und Porsche. Bekommt China einen Husten, wird auch die deutsche Wirtschaft krank. Erste Warnsignale gibt es bereits: Die chinesischen Importe stagnierten im April. „Das ist Besorgnis erregend“, sagte Ökonom Alistair Thornton von IHS Global Insight in Peking. „Das deutet auf eine echte Schwäche der Binnenwirtschaft hin.“ Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wird einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen zufolge in diesem Jahr um 8,2 Prozent wachsen. Das wäre das kleinste Plus seit einem Jahrzehnt. Die hohen Schulden der Kommunen, eine Immobilienblase und eine anziehende Inflation könnten das Wachstum aber noch kleiner ausfallen lassen.

Von

rtr

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