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26.11.2016

11:21 Uhr

Deutsche Wirtschaft

Keine Angst vor dem „Trump-Effekt“

„America first“ hatte Donald Trump im Wahlkampf seinen Anhängern versprochen. Während deutsche Exportunternehmen wegen einer möglichen Abschottung der USA besorgt sind, bleiben Bankvolkswirte gelassen.

Die deutschen Volkswirte fürchten keinen „Trump-Effekt“ für die deutsche Wirtschaft. AP

Donald Trump

Die deutschen Volkswirte fürchten keinen „Trump-Effekt“ für die deutsche Wirtschaft.

NürnbergDie Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten wird nach Einschätzung von Fachleuten vorerst keine größeren Folgen für Wirtschaft und Arbeitsmarkt in Deutschland haben. Mittelfristig aber könnte die von ihm geplante Politik der wirtschaftlichen Abschottung zum Risiko für exportorientierte deutsche Unternehmen werden, prognostizierten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Die entsprechenden Auswirkungen würden in Deutschland frühestens Ende 2017 spürbar, sind die Experten überzeugt. Mit Konsequenzen für den Arbeitsmarkt rechnen sie vorerst kaum, sondern allenfalls zeitversetzt – selbst wenn Trumps angekündigter Kurs deutsche Exporteure treffen und sie zu gedrosselten Investitionen veranlassen könnte. Der deutsche Arbeitsmarkt habe sich schon früher in schwierigen Zeiten als krisenfest erwiesen, betonten die Ökonomen.

Genauere Prognosen seien aber noch schwierig, weil derzeit unklar sei, wohin Trump wirtschaftlich überhaupt steuere, meinte Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld. Was ihn zuversichtlich stimme, sei der Umstand, „dass Trump keine Probleme habe, manche seiner Positionen aufzugeben“, sagte Tuchtfeld. Am wirtschaftlichen Protektionismus – dem „Markenkern“ seiner Politik – scheine Trump aber wohl festhalten zu wollen.

Mögliche mittelfristige Gefahren für die deutsche Wirtschaft sieht auch DZ-Bank-Ökonom Michael Holstein. Allerdings warnt er davor, Trumps Ankündigungen im Wahlkampf zu wörtlich zu nehmen: „Trump wird nicht alles 1:1 umsetzen. Die Republikaner werden sicher nicht in allen Punkten Trumps politischen Kurs mittragen.“

Andere Volkswirte erwarten von Trumps Politik vorübergehend sogar wirtschaftliche Impulse. „Das von Trump geplante Konjunkturprogramm könnte zu einem positiven Input führen“, vermutet Heiko Peters von der Deutschen Bank. Andererseits drohten mit der geplanten lockeren Geldpolitik des republikanischen Präsidenten später dann steigende US-Zinsen und damit Kapitalabflüsse aus den Schwellenländern in den US-Dollar. Das würde wiederum EU-Importe in diese Länder erschweren.

Für 2017 sehen die Ökonomen allerdings noch keinen Grund, wegen möglicher „Trump-Effekte“ ihre Wachstums- und Arbeitsmarktprognosen zu korrigieren. Sie rechnen mit einem Wachstum zwischen 1,0 und 1,4 Prozent - nach voraussichtlich 1,7 Prozent in diesem Jahr.

Trumps fünf Ankündigungen

TTIP

Trump will per Erlass das bereits unterzeichnete transpazifische Handelsabkommen TPP mit asiatischen, pazifischen und lateinamerikanischen Staaten stoppen. An dessen Stelle sollen bilaterale Handelsabkommen treten, deren Ziel die „Rückkehr von Arbeitsplätzen und Industrien“ in die USA sein müssten.

Umweltschutz

Trump will Umweltschutzbestimmungen und andere Regeln streichen, die die Ausbeutung heimischer Energiereserven behindern. Dabei gehe es auch um das Fracking-Verfahren zur Gewinnung von Schieferöl und um die Nutzung der Kohle. Damit würden „viele Millionen hoch bezahlter Arbeitsplätze“ geschaffen.

Cybersicherheit

Trump will die Geheimdienste anweisen, der Bekämpfung von Cyberattacken und anderer Angriffe auf wichtige US-Infrastruktur Priorität einzuräumen.

Illegale Beschäftigung

Trump will das Arbeitsministerium anweisen, Visa-Missbrauch zu bekämpfen, um gegen die illegale Beschäftigung von Ausländern vorzugehen, die amerikanische Beschäftigte benachteiligten.

Lobbyarbeit

Trump will, dass Mitarbeiter der öffentlichen Hand nach ihrem Ausscheiden aus dem Dienst fünf Jahre lang nicht als Lobbyisten tätig werden dürfen. Lobbyarbeit für ausländische Regierungen soll früheren öffentlichen Angestellten lebenslang verboten werden.

Bei der Arbeitslosigkeit gehen sie von einer Zunahme zwischen 30.000 und 60.000 Menschen aus. Lediglich Rolf Schneider von der Allianz rechnet mit 2,7 Millionen Erwerbslosen im Jahresschnitt - das wären so viele Jobsucher wie 2016.

Im November blieb der deutsche Arbeitsmarkt nach Berechnungen der Volkswirte weiter auf Rekordkurs. Mit voraussichtlich 2,53 Millionen dürfte die Zahl der Erwerbslosen auf ein neues Allzeittief gesunken sein - wenn man die Entwicklung vor der deutschen Wiedervereinigung außer acht lässt. Dies wären rund 10.000 Jobsucher weniger als im Oktober und rund 93.000 weniger als vor einem Jahr. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch (30. November) bekanntgeben.

Von

dpa

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