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12.01.2017

12:21 Uhr

Deutsche Wirtschaft legt zu

Flüchtlinge erweisen sich als Segen für die Konjunktur

VonNorbert Häring

Die deutsche Wirtschaft hat ihr Wachstum 2016 abermals gesteigert. Gleichzeitig ist die Unsicherheit derzeit besonders hoch. Klar ist: Früher oder später geht Deutschland die zahlungskräftige Nachfrage aus. Eine Analyse.

Einen überdurchschnittlichen Wachstumsbeitrag leistete der Staat, weil dieser wegen des starken Zustroms Schutzsuchender seine Ausgaben kräftig ausweitete. dpa

Asylbewerber-Bus nach Berlin unterwegs

Einen überdurchschnittlichen Wachstumsbeitrag leistete der Staat, weil dieser wegen des starken Zustroms Schutzsuchender seine Ausgaben kräftig ausweitete.

Angetrieben von zusätzlichen Ausgaben für die Bewältigung des Flüchtlingszustroms und niedrigen Zinsen hat die deutsche Wirtschaft ihr Wachstum im abgelaufenen Jahr nochmals gesteigert. Das Bruttoinlandsprodukt legte 2016 das dritte Jahr in Folge auf inflationsbereinigte 1, 9 Prozent zu. Das meldete das Statistische Bundesamt Destatis am Donnerstag. Zum Vergleich: Im Durchschnitt der letzten zehn Jahre fiel das Wirtschaftswachstum mit 1,4 Prozent einen halben Prozentpunkt geringer aus. 2015 war die Wirtschaft um 1,7 Prozent gewachsen.

Einen überdurchschnittlichen Wachstumsbeitrag leistete, was die Nachfrageseite angeht, der Staat. Weil dieser wegen des starken Zustroms Schutzsuchender seine Ausgaben kräftig ausweitete, nahm der sogenannte Staatskonsum um 4,2 Prozent zu. „Einen stärkeren Zuwachs des Staatskonsums hatte es zuletzt 1992 in Folge der deutschen Wiedervereinigung gegeben“, sagte der Präsident des Statistischen Bundesamts, Dieter Sarreither bei der Vorstellung der Zahlen. Außerdem trieb der Boom der Bauwirtschaft das Wachstum.

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Die deutsche Wirtschaft ist 2016 weiter gewachsen. Wichtige Konjunkturmotoren sind der Export und die Ausgaben des Staates. Aber auch den Bundesbürgern sitzt das Geld zur Zeit besonders locker.

Der Wohnungsbau boomt einerseits wegen der Bevölkerungszunahme, andererseits wegen der rekordniedrigen Zinsen für Hypothekenkredite. Diese erleichtern es Familien und Investoren erheblich die finanzielle Belastung aus dem Kauf oder Bau einer Immobilie zu tragen. „Die kontrovers diskutierte Flüchtlingskrise und die ultra-laxe Geldpolitik der EZB haben sich als Segen für die Konjunktur erwiesen“, kommentierte Analyst Carsten Brzeski von der ING-Diba die Wachstumszahlen.

Insgesamt war die Entwicklung der verschiedenen Bereiche der Wirtschaft jedoch relativ ausgewogen. Der private Konsum stieg mit zwei Prozent fast genauso stark wie die Wirtschaftsleistung insgesamt. Die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen fiel mit 1,7 Prozent nur etwas weniger aus.

Der Außenhandel leistete, gemessen am preisbereinigten Überschuss der Exporte über die Importe, keinen Wachstumsbeitrag. Dieser Überschuss nahm leicht ab. Das heißt allerdings nicht, dass der immer wieder kontrovers diskutierte deutsche Überschuss im Außenhandel ebenfalls gesunken wäre. Denn in tatsächlichen Werten gerechnet, also ohne Preisbereinigung, nahmen die Ausfuhren mit 1,5 Prozent stärker zu als die Einfuhren mit 0,7 Prozent.

Diese Prognose sei noch mit Unsicherheiten behaftet, erläuterten die Statistiker, da bislang nur die Hälfte aller Konjunkturindikatoren für das vierte Quartal vorlägen. Das Statistikamt geht anhand dieser Indikatoren davon aus, dass das BIP im vierten Quartal gegenüber dem dritten preisbereinigt um 0,5 Prozent zugenommen hat. Eine erste offizielle Schätzung zum vierten Quartal wird am 14. Februar veröffentlicht. Auf das Jahresergebnis haben kleinere Korrekturen für das letzte Quartal normalerweise kaum noch Einfluss.

Kommentare (20)

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Herr Percy Stuart

12.01.2017, 12:40 Uhr

Ein Schlag ins Gesicht für jeden Niedriglöhner, Leiharbeiter, Arbeitslosen, Langzeitarbeitslosen und Hartz IVer.
Daran erkennt man, wie verlogen die ganze „Fachkräftemangel-Debatte und die Agenda 2010 Reformpolitik“ der letzten Jahre war.
Bin gespannt, wann die „Abgehängten“, Langzeitarbeitslosen und Hartzer auf die Barrikaden gehen, vielen von denen, hat man ihr über Jahre erarbeitetes, ihre Existenz und die gesellschaftliche Teilhabe und ihre Rentenansprüche zerstört. Sie wurden mit einer Grundsicherung alimentiert ohne eine Chance zu haben, den Wiedereinstieg zu schaffen.
Weil auch die Arbeitgeber durch ihre Vorgehalte gegenüber länger Arbeitslosen dafür sorgten.
Auch für die Leiharbeiter die seit Jahren für wenig Geld, befristet unter oft schlechten Arbeitsbedingungen schuften, für die wurde in den letzten Jahren nichts getan.
Bin echt richtig sauer und wütend und aggressiv!

Account gelöscht!

12.01.2017, 12:43 Uhr

Alleine auf eine wirtschaftliche Bilanz das zu dezimieren ist falscher als falsch und dauerhaft für die deutsche Bevölkerung fatal und dumm. Wie könnten dann für noch mehr Flüchtlinge sorgen und schon ging es uns allen besser oder wie.

Wie dumm ist denn diese Aussage.

Diejenigen die das propagieren sind weit von der Mitte nach links gedriftet, denen geht es zu gut und erfassen schon gar nicht mehr die Realität.

Seriös wäre eine ANALYSE mit einer Aktiv -und Passivseite.

Aber die Kunst und Können unterstelle ich dem Beitragsverfasser, so dass es eine lächerliche und dumme Aussage ist.

Aber davon leben die Auflagen.

Arjuna Shiva

12.01.2017, 12:44 Uhr

„Klar ist, dass Deutschland nicht auf Dauer einen Leistungsbilanzüberschuss in Höhe von 8,5 Prozent der Wirtschaftsleistung aufrecht erhalten kann. Irgendwann geht die zahlungskräftige Nachfrage aus.“

Das Problem ist nicht der Leistunsgbilanzüberschuss an sich, sondern die Unmöglichkeit, ihn in etwas werthaltig Zukunftsträchtiges abseits von uneinbringlichen „Target-Salden“ anzulegen. Wenn er als Kapitalexport in vergleichsweise unterentwickelten Ländern mit wenig gesättigten Potentialen investiert werden kann, ist er kein Problem.

Die Mutter aller Problem ist die (völlig natürliche) Sättigung der organischen Wachstumspotentiale und die Ignoranz und aggressive Leugnung des Phänomens mittels Propagierung von Falschgeld- und Kreditbetrugsoperationen der Zentralbanken. Nur um an ihrem Dogma des unendlichen quantitativen Wachstums und der Illusion „freier Märkte“ (die in wesentlichen Bereichen längst Geschichte sind) festhalten zu können, produzieren sie nie dagewesenen Ungleichgewichte und die Mutter aller Blasen.

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