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03.06.2013

16:30 Uhr

Deutschland-Bericht

IWF warnt Merkel vor zu striktem Sparkurs

VonJan Mallien

In der vergangenen Woche hatte die OECD höhere Löhne in Deutschland gefordert. Nun legt der IWF nach und warnt vor einer zu strikten Sparpolitik. Die wirtschaftlichen Aussichten sieht er pessimistisch.

IWF-Chefin Lagarde hält derzeit nicht viel von einer rigiden Sparpolitik. dpa

IWF-Chefin Lagarde hält derzeit nicht viel von einer rigiden Sparpolitik.

DüsseldorfDeutschland polarisiert Ökonomen. Für die einen ist es mit seiner Sparpolitik ein Vorbild für die Krisenländer. Andere halten seine Politik für krisenverschärfend.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht seinem Deutschland-Bericht auf Distanz zu einem rigiden Sparkurs. Im derzeitigen Umfeld niedrigen Wachstums sollte eine Übererfüllung der Haushaltsziele unbedingt vermieden werden, heißt es darin.

Für dieses Jahr rechnet der IWF mit einem Mini-Wachstum von 0,3 Prozent in Deutschland. Vorrausetzung hierfür sei ein Abflauen der Euro-Krise und eine schrittweise Erholung der Wirtschaft zum Jahresende. Als Risiken sieht der IWF neben der Unsicherheit um die Euro-Krise auch die schwächere Weltkonjunktur und den Finanzsektor in der Euro-Zone. Insgesamt habe sich die Kapitalbasis der deutschen Banken verbessert. Nach wie vor schlummerten aber Risiken in ihren Büchern etwa bei der Schifffahrt und bestimmten ausländischen Vermögenswerten.

Konjunkturprognosen der vergangenen Monate

DIHK

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht von einem Wachstum von 0,3 Prozent aus. Bislang waren 0,7 Prozent erwartet worden. "Der Aufschwung in Deutschland ist vorerst verschoben", sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. "Die Unternehmen schätzen ihre Lage deutlich schlechter ein als zu Beginn des Jahres." Für 2014 geht das DIHK von einem Wachstum von mehr als einem Prozent aus.

BDI

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, rechnet mit robustem Wachstum von bis zu 0,8 Prozent. Er ist damit weit optimistischer als die Bundesregierung.

Bundesregierung

Die Bundesregierung geht für 2013 von einem Wachstum von 0,4 Prozent aus.

Sachverständigenrat

Genau wie die Bundesregierung rechneten auch die "fünf Weisen" aus dem Sachverständigenrat zuletzt mit einem Wachstum von 0,8 Prozent. Wegen des starken Einbruchs im vierten Quartal 2012 haben sie den Wert jedoch auf 0,3 Prozent mehr als halbiert.

RWI

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung rechnet für 2013 mit einem Wachstum von 0,3 Prozent. Im Vergleich zur Herbstprognose wurde die Schätzung um 0,7 Punkte zurückgenommen.

Internationaler Währungsfonds

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt für 2013 ein Plus von 0,3 Prozent voraus. Im Oktober 2012 war er für 2013 noch von einem Wachstum von 0,9 Prozent ausgegangen.

EU-Kommission

Zum Lager der Optimisten gehört die EU-Kommission. Für Deutschland erwartet sie 2013 ein Wachstum von 0,5 Prozent. Das ist besser als die Erwartung für den Euroraum. Hier rechnet sie sogar mit einem Rückgang von 0,3 Prozent. Grund für die langsame Entwicklung sind die schlechte Binnennachfrage einiger Länder und große konjunkturelle Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedstaaten.

Bundesbank

Die Deutsche Bundesbank rechnet in ihrem Monatsbericht vom Dezember für 2013 mit einem Wachstum von 0,4 Prozent. 2014 soll dies auf 1,9 Prozent steigen.

DIW

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet für 2013 mit einem Wachstum von 0,7 Prozent. Damit hat es seine Erwartungen nach unten korrigiert. Zuvor war es von einem Plus von 0,9 Prozent ausgegangen. Für 2014 rechnet das DIW mit einem Wachstum von 1,6 Prozent.

Ifo-Institut

Das Münchner Ifo-Institut geht für 2013 von einem Wachstum von 0,7 Prozent aus. Die Spanne der Schätzung reicht von minus 0,6 bis plus 2,0 Prozent.

Um das Wachstum in Deutschland anzuschieben empfehlen die IWF-Ökonomen Reformen, die bei der Produktivität und dem Arbeitskräftepotential ansetzen. Dazu gehörten beispielsweise steuerliche Anreize, eine stärkere Förderung von Betreuungsangeboten und bessere Ausbildungsangebote. Angesichts der schrumpfenden Bevölkerung sei zudem eine stärkere Zuwanderung hochqualifizierter Arbeitskräfte nötig.

Vor dem IWF hatte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in der vergangenen Woche eine wirtschaftspolitische Kurskorrektur in Deutschland gefordert. In ihrem Ausblick empfahl die OECD höhere Löhne in exportstarken Staaten wie Deutschland.

"Mit höheren Löhnen und einer stärkeren Liberalisierung der Produktmärkte in den Überschussländern könnte für einen symmetrischeren und wirkungsvolleren Ausgleichsprozess gesorgt und zugleich das Wachstum gefördert werden", hatte OECD-Chefvolkswirt Pier Carlo Padoan gesagt. Deutschland gehört zu den Ländern mit den höchsten Exportüberschüssen.

Kommentare (34)

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NoBailout

03.06.2013, 16:48 Uhr

Was heißt hier sparen?
Die Strategie der Eliten in den Pleiteländern ist klar:

Die Reichen und die Nutznießer des Systems im jeweiligen Land bleiben ungeschoren beim Steuernzahlen und bei Reformen, für die anderen, die Armen soll gefälligst die "solidarische Euro-Gemeinschaft", genauer gesagt Deutschland aufkommen.

Und warum akzeptieren die Politiker das ClubMed-Geschäftsmodell? Weil sie ebensolche Parasiten sind!

Account gelöscht!

03.06.2013, 16:54 Uhr

Niemand hat den deutschen Wohlstand "ungesühnt" ins Risiko zu bringen, - noch nicht einmal die Bundesregierung, wie auch Parlament !

Account gelöscht!

03.06.2013, 16:54 Uhr

Wenn ich Dolce-Vita-land wäre, hätte ich auch was gegens Sparen - schließlich gibts die dicke Tante in Deutschland, die alles bezahlt.

Von mir aus brauchen die ClubMed Länder auch nicht zu sparen - solange sie ihre Ausgabenexzesse mit selbst gedruckten Lira, Peseten oder Drachmen bezahlen.

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