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20.01.2015

09:04 Uhr

Deutschland

Erzeugerpreise fallen so stark wie seit 2009 nicht

Der niedrige Preis für Öl lässt auch die Erzeugerpreise in Deutschland fallen – so stark wie seit Mitte 2009 nicht mehr. Die Gefahr eines Preisverfalls auf breiter Front will die EZB verhindern.

Der Preis für Öl befindet sich auf Talfahrt. dpa

Der Preis für Öl befindet sich auf Talfahrt.

BerlinDie Erzeugerpreise in Deutschland sind im vergangenen Jahr so stark gefallen wie seit dem Rezessionsjahr 2009 nicht mehr. Hauptgrund war die billige Energie wegen des Rückgangs des Ölpreises, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Die Produzenten – von der Metzgerei über den Autobauer zum Zementhersteller – senkten ihre Preise um durchschnittlich ein Prozent. Vor allem Energie kostete insgesamt 3,1 Prozent weniger. Mineralölerzeugnisse verbilligten sich um 5,3 Prozent, Erdgas um 4,2 Prozent.

Diese Statistik berücksichtigt die Preise ab Werkstor – also noch bevor die Produkte in den Handel gelangen. Sie gilt deshalb als Vorläufer für die Entwicklung der Verbraucherpreise. Die Inflationsrate lag 2014 bei 0,9 Prozent. Die Gefahr eines Preisverfalls auf breiter Front bereitet auch der Europäischen Zentralbank (EZB) große Sorgen. Die Währungshüter wollen eine solche Deflation, die die Konjunktur belastet, verhindern. Viele Experten erwarten, dass die EZB am Donnerstag den umstrittenen Kauf von Staatsanleihen ankündigt.

Niedrige Inflation: Fluch oder Segen?

Warum ist Preisstabilität so wichtig?

Bei stabilen Preisen bleibt die Kaufkraft des Geldes erhalten. Das stützt den Konsum. Inflation steht hingegen für Geldentwertung: Bei steigenden Preisen können sich alle, die längerfristig gleichbleibende Einkommen beziehen wie Tarifgehälter, Renten oder Sozialleistungen, immer weniger von ihrem Geld kaufen. Auch für Menschen mit Geldvermögen und Sparer ist Inflation schlecht, weil sie am realen Wert des Vermögens knabbert.

Wie weit ist die Notenbank von ihrem Preisziel entfernt?

Das Statistische Bundesamt errechnete für September auf Jahressicht vorläufig einen Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland um 0,8 Prozent. Im Euroraum fiel die Inflation im September sogar auf 0,3 Prozent - den tiefsten Stand seit Oktober 2009. Insgesamt habe die EZB das Versprechen einer stabilen Währung aber eingehalten, betonte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann erst am Montag: „In den ersten Fünfzehneinhalb Jahren nach der Euro-Einführung lag die durchschnittliche Inflationsrate bei 2,0 Prozent und damit grosso modo im Einklang mit dem Stabilitätsziel des EZB-Rats.“

Warum strebt die EZB eine höhere Teuerung an?

Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent gewahrt. Damit will die Notenbank ein Abrutschen in eine Deflation verhindern, also einen Preisverfall auf breiter Front. Denn in Erwartung einer weiter nachlassenden Inflation oder gar sinkender Preise könnten Unternehmen und Verbraucher Investitionen und Konsumausgaben zurückstellen. Das würde eine Spirale in Gang setzen, die die Konjunktur abwürgt und Arbeitsplätze kostet. Zudem hat EZB-Präsident Mario Draghi betont, dass der sehr geringe Preisauftrieb schlecht ist für Schuldner: „Ist die Inflation niedrig, sinkt der reale Wert der Schulden von Staaten und Unternehmen langsamer.“ Dadurch werde der Schuldenabbau erschwert.

Wie entwickeln sich die Preise für Nahrungsmittel?

Nach den vorläufigen Zahlen der Statistiker kosteten Nahrungsmittel im September 0,9 Prozent mehr als vor einem Jahr. Seither haben aber Discounter und Supermärkte eine neue Welle für Preissenkungen eingeläutet: So hatte Deutschlands Discount-Marktführer Aldi Anfang Oktober die Preise für Käse-Produkte wie Aufschnitt, Frisch- und Schmelzkäse oder Sahneprodukte zum Teil um mehr als 13 Prozent gesenkt. Der Billiganbieter begründete den Schritt mit gesunkenen Rohstoffpreisen. Seit Monatsmitte sind auch Pommes frites und Zucker billiger.

Was sind die Gründe für die niedrige Teuerung?

Insbesondere weltweit sinkende Energie- und Nahrungsmittelpreise haben die Inflation gedrückt. Zwischenzeitlich verbilligte zudem der starke Euro importierte Waren. Inzwischen hat die EZB eingegriffen und den Euro gegenüber dem Dollar geschwächt. Zwar führe der Rückgang des Ölpreises auch an den Zapfsäulen weiter zu sinkenden Preisen, erklärt der ADAC: Allerdings werde dieser Effekt auf die Spritpreise durch den schwächeren Euro teilweise aufgefangen. Trotzdem: Sprit wird seit Monaten immer billiger. Nach ADAC-Angaben kostete der Liter Diesel im September durchschnittlich 136,2 Cent. Vor einem Jahr mussten Autofahrer demnach noch 144,0 Cent bezahlen, vor zwei Jahren 152,4 Cent. Nach Angaben des Deutschen Mieterbunds sanken auch die Preise für Heizöl von Januar bis Juli um 5,4 Prozent.

Ende des Jahres verstärkte sich der Trend. Die Erzeugerpreise in Deutschland sanken im Dezember um 0,7 Prozent zum Vormonat. Dies war der stärkste Rückgang sei Mitte 2009.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Vittorio Queri

20.01.2015, 10:48 Uhr

>> Erzeugerpreise fallen so stark wie seit 2009 nicht >>

Was sich aber keines Falls auf den Endpreisen wiederspiegelt !

Die Preise in Supermärkten steigen unaufhaltsam.

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