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02.02.2015

13:44 Uhr

Deutschland schwächelt

Industrie der Euro-Zone legt zu

Die Industrie der Euro-Zone erholt sich: Der Einkaufsmanager-Index für die Euro-Zone stieg im Januar zuletzt an. Das Barometer für Deutschland sinkt hingegen. Auch China schwächelt bereits im zweiten Monat in Folge.

Ein Mann kontrolliert einen Kompensatoren: In der Euro-Gruppe legte die Industrie zuletzt gute Zahlen vor. dpa

Ein Mann kontrolliert einen Kompensatoren: In der Euro-Gruppe legte die Industrie zuletzt gute Zahlen vor.

Brüssel/AthenDie Industrie in der Euro-Zone hat sich zum Jahresanfang leicht erholt. Die Betriebe sammelten mehr Aufträge ein, fuhren die Produktion hoch und stellten etwas mehr neues Personal ein, wie das Markit-Institut am Montag zu einer Umfrage unter rund 3000 Firmen mitteilte.

Wegen des drastischen Verfalls des Ölpreises sanken die Einkaufspreise der Unternehmen so stark wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr. In der Folge senkten die Firmen ihrerseits die Preise für Kunden. „Der Deflationsdruck hat weiter zugenommen“, sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson. Um einen konjunkturschädigenden Preisverfall auf breiter Front zu verhindern und die Wirtschaft anzukurbeln, hatte die Europäische Zentralbank (EZB) jüngst den Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren angekündigt.

Williamson sprach von einem insgesamt "enttäuschend niedrigen Wachstum" im Januar. Der Einkaufsmanager-Index für die Industrie stieg zum Dezember um 0,4 auf 51,0 Punkte. Das Barometer signalisiert bei Werten über 50 Zählern Wachstum. Die Daten stützten die Entscheidung der EZB, Bonds im Umfang von gut 1,1 Billionen Euro zu kaufen, sagte der Markit-Chefökonom.

Die Euro-Familie und der Rest der EU

Nachwuchs

Die Euro-Familie hat Nachwuchs bekommen: Mit Litauen sind von 2015 an 19 der 28 EU-Staaten Mitglied der Eurozone. Wie geht es weiter? Die meisten der anderen neun Länder haben keine Wahl. Fast alle müssen aufgrund der EU-Verträge der Währungsunion beitreten, sobald sie dafür reif sind.

Rumänien

Das Land will den Euro nach letztem Stand 2019 einführen. Dies hatte die Regierung Anfang Mai in Brüssel angemeldet. Allerdings ist die Zustimmung in der Bevölkerung kontinuierlich gesunken.

Tschechien

Der deutsche Nachbar ist nach Ansicht der Regierung noch längst nicht bereit für den Euro. Als möglichen Termin hat sie zuletzt das Jahr 2020 genannt.

Ungarn

Die rechts-konservative Regierung des Landes strebt in absehbarer Zeit nicht an, den Forint durch den Euro zu ersetzen: „Wir sprechen da nicht vom nächsten Jahr, sondern vom nächsten Jahrzehnt oder den nächsten zwei oder drei Jahrzehnten.“ In der Bevölkerung ist eine knappe Mehrheit der Bevölkerung für die Einführung des Euro.

Bulgarien

In dem Land ist der Euro derzeit kein Thema. Das Land werde den Euro einführen, „allerdings nicht um jeden Preis“, lautet das Credo der Regierung. Rund zwei Drittel der Bulgaren wollen die heimische Währung Lew nicht durch den Euro ersetzen.

Kroatien

Auch für Kroatien ist der Abschied von der Landeswährung Kuna kein Thema, zumal die Wirtschaft des jüngsten EU-Mitgliedslandes faktisch schon intensiv mit dem Euro arbeitet. So werden viele Preise auch in Euro angegeben. Notenbankchef Boris Vujcic hält einen Beitritt vor 2019 für unmöglich; die Öffentlichkeit ist gegen den Euro.

Vereinigtes Königreich

Die Briten haben das vertraglich zugesicherte Recht, das Pfund zu behalten, auch wenn sie für den Euro qualifiziert wären. Sie gehören nicht zum Europäischen Wechselkursmechanismus, der als „Vorzimmer“ zum Euro gilt. Bei den euroskeptischen Briten ist keine Abkehr von diesem Sonderweg in Sicht.

Dänemark

Auch die Dänen hat das Recht, sich gegen die Euro-Einführung zu sperren. Im Jahr 2000 entschieden sich die Dänen in einer Volksabstimmung dagegen, die eigene Krone zugunsten der Gemeinschaftswährung aufzugeben. Dänemark gehört zum Europäischen Wechselkursmechanismus.

Schweden

Die Schweden hatten sich in einer Volksentscheidung 2003 gegen eine Ablösung ihrer Krone durch den Euro ausgesprochen. Aktuell verhindert das Land einen Euro-Beitritt, indem es kein Mitglied des Wechselkursmechanismus ist. Vertraglich ist aber geregelt, dass Schweden beitreten muss, sobald es reif für den Euro ist.

Polen

Die Polen haben es mit dem Beitritt zur Eurozone nicht eilig. Die Regierung will sich noch nicht auf ein Datum für die Einführung des Euro festlegen. Es sei zu früh, einen Zeitpunkt zu nennen, heißt es in Warschau.

„Die EZB dürfte damit die Zuversicht der Unternehmen und Konsumenten sowie die Abwertung des Euro beflügeln.“ Ermutigend seien zwar positive Daten aus Irland, Spanien und den Niederlanden. „Jedoch hat in Deutschland, Frankreich und Italien eine weitgehende Stagnation eingesetzt.“

In Deutschland sank der Index um 0,3 auf 50,9 Punkte. Einige Betriebe sprachen von einer „mageren Exportnachfrage“. Vor allem die Aufträge aus Russland und Asien schwächelten demnach. Zudem kam der Beschäftigungsaufbau fast zum Erliegen. Laut Umfrage der hielten sich die Firmen auch wegen des neuen Mindestlohns mit Einstellungen zurück.

In Griechenland belastete die Unsicherheit vor der Wahl die Geschäfte der Industrie. Hier schrumpfte der Index im Januar so stark wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr. Nach sechs Jahren Rezession wächst die griechische Wirtschaft insgesamt wieder, die Arbeitslosenquote liegt aber immer noch bei fast 26 Prozent. Ende Januar gewann das Linksbündnis Syriza die Parlamentswahl. Syriza-Chef Alexis Tsipras ist inzwischen Ministerpräsident und lehnt die Sparauflagen der internationalen Geldgeber ab. Manche Experten befürchten, dass das Land seine Rechnungen bald nicht mehr begleichen kann, sollten keine weiteren Hilfen fließen. Auch ein Austritt aus der Euro-Zone wird teilweise für möglich gehalten.

Während sich die Industrie im Euro-Raum leicht erholte, schwächelte sie in China den zweiten Monat in Folge. „Die langsame - aber stetige - Abkühlung setzt sich fort“, sagte NordLB-Experte Frederik Kunze zum HSBC/Markit-Einkaufsmanager-Index, der trotz eines Anstiegs um 0,1 auf 49,7 Punkte unter der Wachstumsschwelle von 50 Zählern blieb.

Von

rtr

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