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23.01.2015

11:12 Uhr

Deutschland und Euro-Zone

Die Wirtschaft gewinnt an Schwung

Der Jahresauftakt in der deutschen und europäischen Wirtschaft ist geglückt. Die Einkaufsmanagerindizes haben deutlich zugelegt, wurden aber durch die Lage in Russland und Asien gebremst. Entlastend wirkt der Ölpreis.

Ein deutscher Container-Frachter. Der Einkaufsmanagerindex in Deutschland kletterte um 0,6 Punkte. dpa

Ein deutscher Container-Frachter. Der Einkaufsmanagerindex in Deutschland kletterte um 0,6 Punkte.

BerlinDie deutsche Wirtschaft ist mit leichtem Rückenwind ins Jahr gestartet. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft - Industrie und Dienstleister zusammen - kletterte im Januar um 0,6 auf 52,6 Punkte. „Deutschland hat einen guten Start ins Jahr 2015 erwischt“, sagte Markit-Ökonom Oliver Kolodseike am Freitag zur Umfrage seines Instituts unter 1000 Firmen. Das Barometer hielt sich über der Marke von 50 Zählern, ab der es Wachstum anzeigt. „Gegenüber dem Jahresauftakt 2014 fällt der Aufschwung diesmal aber merklich schwächer aus“, schränkte Kolodseike ein. Trotz der Einführung des Mindestlohns brumme der Jobmotor weiter: Die Beschäftigung habe den 15. Monat in Folge zugelegt.

In den beiden großen Wirtschaftssektoren lief es recht unterschiedlich. Die Industrie verlor überraschend an Schwung: Deren Barometer sank um 0,2 auf 51,0 Zähler. Die Bestellungen aus dem Ausland gingen zurück. „Dafür machten die Befragten vor allem die rückläufige Nachfrage aus Russland und Asien verantwortlich“, hieß es. Das Barometer für die Dienstleister legte dagegen um 0,6 auf 52,7 Zähler zu.

Deutsche Konjunktur 2014

Deutsche Wirtschaft trotzt der Katerstimmung

Die deutsche Wirtschaft hat trotz vieler internationaler Krisen 2014 das stärkste Wachstum seit drei Jahren geschafft. Vor allem die Konsumenten sorgten mit ihren Ausgaben für Schwung, aber auch die Firmen wagten wieder mehr Investitionen und exportierten auch spürbar mehr. Im Folgenden eine Übersicht, wie die Konjunktur im Einzelnen lief:

Wirtschaftsleistung

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gilt als bestes Maß, um die Leistung einer Volkswirtschaft zu messen. Es ist die Summe der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen. Im vorigen Jahr lag sie bei 2,9 Billionen Euro. Inflationsbereinigt entspricht dies einem Anstieg von 1,5 Prozent zum Vorjahr. Damit kletterte die Wirtschaftskraft rund doppelt so stark wie in der gesamten Euro-Zone, wie der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler, sagte.

Treiber der Wirtschaftsentwicklung

Impulse kamen vor allem vom Produzierenden Gewerbe, den Dienstleistern und der Baubranche. Bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern hingegen sackte die Wirtschaftskraft um rund 0,5 Prozent ab. Entscheidender Wachstumsmotor waren die Verbraucher. Sie gaben - dank guter Arbeitsmarktlage, geringer Inflation und niedriger Zinsen - 1,1 Prozent mehr aus als 2013. Damit kurbelte der private Konsum die gesamte Wirtschaft kräftig an. Auch die Investitionen zogen spürbar an. Die Unternehmen gaben für Maschinen, Geräte und Fahrzeuge 3,7 Prozent mehr aus.

Investitionen

Die sogenannte Investitionsquote - also der Anteil von Investitionen am BIP - lag 2014 bei 20 Prozent und verbesserte sich damit kaum. Deutschland steht international in der Kritik, sich mit öffentlichen Investitionen zurückzuhalten.

Arbeitsmarkt

Die Zahl der Beschäftigten kletterte auf 42,7 Millionen und erreichte das achte Jahr in Folge einen neuen Höchststand. Die Zahl der Arbeitslosen sank im Jahresschnitt um 52.000 auf 2,9 Millionen. Dies ist der niedrigste Stand seit 1991.

Einkommen

Das Volkseinkommen - zusammengesetzt aus Arbeitnehmerentgelt und den Unternehmens- und Vermögenseinkommen - stieg insgesamt um 3,6 Prozent auf knapp 2,2 Billionen Euro. Dabei kletterten die Arbeitnehmerbezüge einerseits und die Firmen- und Vermögenseinkommen andererseits fast gleich stark. Die Nettolöhne und -gehälter stiegen insgesamt um 2,4 Prozent und damit etwas weniger als die Bruttolöhne.

Lohnstückkosten

Da die durchschnittlichen Löhne und Gehälter 2014 stärker stiegen als die Arbeitsproduktivität, kletterten die Lohnstückkosten der Unternehmen. Für die Wirtschaft ist dies eine wichtige Kennziffer im internationalen Wettbewerb. Die Lohnstückkosten erhöhten sich um knapp zwei Prozent und damit weniger als in den beiden Vorjahren.

Finanzen

Der deutsche Staat hat 2014 das dritte Jahr in Folge schwarze Zahlen geschrieben. Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherung nahmen zusammen 11,9 Milliarden Euro mehr ein als sie ausgaben. Die Summe entspricht einem Überschuss von 0,4 Prozent des BIP. "Seit der deutschen Vereinigung hat es nur im Jahr 2000 einen höheren Überschuss gegeben", sagte Statistikamt-Chef Egeler. Nur die Länder hätten noch ein Defizit verzeichnet.

Entlastet wurden die Unternehmen durch sinkende Kosten. „Die niedrigeren Öl- und Energiepreise sorgten dafür, dass die Einkaufspreise nicht nur zum zweiten Mal hintereinander, sondern auch so stark sanken wie zuletzt im September 2009“, sagte Kolodseike. Gleichzeitig senken die Firmen ihre Verkaufspreise - und das so deutlich wie seit fast fünf Jahren nicht mehr.

Die Wirtschaft der Euro-Zone hat einen positiven Jahresauftakt erwischt. Der Einkaufsmanagerindex für Industrie und Dienstleister legte im Januar um 0,8 auf 52,2 Punkte zu, wie das Markit-Institut am Freitag zu seiner Umfrage unter 5000 Unternehmen mitteilte. Das ist der beste Wert seit fünf Monaten. Ökonomen hatten nur mit 51,8 Zählern gerechnet. Ab 50 Punkten signalisiert das Barometer ein Wachstum. „Allerdings ist die Wachstumsrate nach wie vor Besorgnis erregend niedrig“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. „Die Konjunktur steht nicht nur weiter auf wackligen Beinen, sondern bleibt auch anfällig für Risiken und Rückschläge.“

Sorgenkind ist nach wie vor Frankreich, das im Januar erneut am schlechtesten abschnitt. Die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone verharrte den neunten Monat in Folge im Rückwärtsgang.

Es gibt aber auch Signale, dass die Währungsunion weiter an Schwung gewinnen könnte. So wurden erneut mehr Stellen geschaffen. Gleichzeitig werden Unternehmen wie Verbraucher durch sinkende Ölpreise entlastet. „Dank der anziehenden Nachfrage fiel der Zuwachs beim Auftragseingang im Januar so hoch aus wie zuletzt vor fünf Monaten“, hieß es weiter.

Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie kletterte um 0,2 auf 50,8 Punkte und damit auf den höchsten Wert seit einem halben Jahr. Das Barometer der Dienstleister legte um 0,7 auf 52,3 Zähler zu.

Von

rtr

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Vittorio Queri

23.01.2015, 11:33 Uhr

>> Die Wirtschaft gewinnt an Schwung >>

In den Abgrund !

Herr Vittorio Queri

23.01.2015, 11:33 Uhr

>> Die Wirtschaft gewinnt an Schwung >>

In den Abgrund !

Herr Peter Spiegel

23.01.2015, 11:41 Uhr

"Entlastend wirkt der Ölpreis!"

Welch eine Erkenntnis. Dahingehende Kommentare wurden vor kurzem noch gelöscht.

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