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03.01.2011

09:33 Uhr

Deutschlands Wirtschaft

Der überraschende Aufschwung

VonDirk Heilmann

2010 haben die Vorhersagekünste der deutschen Ökonomen nicht überzeugt. Fast niemand sah den kräftigen Aufschwung kommen. Seither hat sich das Bild gewandelt: Die Wirtschaft hat die Weltrezession abgehakt und expandiert wie lange nicht mehr.

Container im Hamburger Hafen: Das Exportgeschäft brummt. dpa

Container im Hamburger Hafen: Das Exportgeschäft brummt.

DÜSSELDORF. Wird es ein V? Wird es ein U oder vielleicht doch nur ein L? So rätselten die Ökonomen Ende 2009. Da war die deutsche Wirtschaft gerade um fünf Prozent abgestürzt. Würde sie nun im Jahr 2010 ebenso steil wieder nach oben schießen - ein V - oder länger in der Talsohle bleiben und sich dann wieder aufrappeln - das U? Oder würde es doch das L?

Es wurde das V. Nach einem noch recht frostigen Winter blühte Deutschland im Frühjahr kräftig auf: Allein zwischen Anfang April und Juni legte die Wirtschaftsleistung um 2,3 Prozent zu. Als das Statistische Bundesamt Mitte August diese Daten veröffentlichte, überschlugen sich Volkswirte, und selbst der zurückhaltende Bundesbank-Chef Axel Weber sprach von "chinesischen Wachstumsraten".

Und der Optimismus der Experten steckte an. Geschäftsklima und Verbrauchervertrauen schnellten in die Höhe; am Jahresende blicken alle Branchen mit großem Optimismus ins Jahr 2011. Immer öfter prognostizieren Politiker und Volkswirte jetzt gar "fette Jahre" für Deutschland.

Doch tatsächlich ist der Einbruch, den die schwere Rezession brachte, noch nicht einmal ganz aufgeholt. Die Exporte haben immerhin schon fast wieder Vorkrisenniveau erreicht. Bei der Industrieproduktion wird es noch etwas länger dauern. Doch im Jahresverlauf 2011 werden wohl die beiden zentralen Messgrößen ihre alten Rekordstände übertreffen.

Dabei hatte die Mehrzahl der deutschen Ökonomen zu Jahresbeginn 2010 noch ein sehr verhaltenes Wachstum vorhergesagt. Die Bundesregierung ging für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einer Prognose von 1,4 Prozent Wachstum ins Jahr, die Bundesbank mit 1,6 Prozent. Auch die meisten Forschungsinstitute bewegten sich in diesem Bereich. Internationale Organisationen waren sogar noch skeptischer. Optimistischer waren da manche Bankvolkswirte - so sagte die Allianz 2,4 Prozent Wachstum voraus und die Commerzbank 2,3. Auf dieser Linie lag auch der DIHK, der wohl die Zuversicht unter seinen Mitgliedsfirmen spürte.

Und geht es nach dem Optimismus der Wirtschaft, wird 2011 ebenfalls ein ganz fettes Jahr. Als Konsens gilt heute ein Wachstum von etwa 2,0 bis 2,5 Prozent - Optimisten halten gar drei bis vier Prozent für möglich.

Tatsächlich sind die Voraussetzungen günstig, dass Deutschland abermals zur Wachstumslokomotive Europas wird: ein brummendes Exportgeschäft, eine sinkende Arbeitslosenzahl, eine wachsende Konsumfreude der Haushalte. Wenn nun auch noch die Stabilisierung der Euro-Zone gelingt, dann sollte es mit dem "V-Aufschwung" weitergehen.

Kommentare (1)

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Stefan L. Eichner

03.01.2011, 11:10 Uhr

Die Vorhersagekünste der Ökonomen sind jetzt immer noch genau so schlecht wie im Jahr der Lehman-Pleite. Tatsächlich gibt es heute nicht nur die Gefahr einer erneuten immobilienkrise in den USA, in China und sogar in Australien, sondern eine ganze Reihe weiterer unberechenbarer Krisenherde, beispielsweise blasenbildung an den Rohstoff- wie auch an den Aktienmärkten – die Geldflut der Notenbanken fördert dies massiv (siehe dazu: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2010/08/deutsches-aufschwungwunder-das-2.html).

Leider wird das von vielen in ihrer vor allem auf Deutschland bezogenen Wachstumseuphorie nicht gesehen. Auch die Tatsache, dass die deutsche Wirtschaft in hohem Maße von der Schwäche anderer Staaten, insbesondere der USA, ihrer starken Expotorientierung und dadurch bedingt von den weltweit aufgelegten Konjunkturpaketen in hohem Maße profitiert. Damit ist sie aber auch sehr anfällig und der „Aufschwung“ kann genau so wie die Prognosen sehr schnell in sich zusammenfallen.

Und von einer bewältigung der Euro-Krise sind wir noch weit entfernt. Das hat weniger etwas mit der Währung zu tun als damit, dass die EU-Krisenstaaten (und damit die EU) die Krise nicht werden überwinden können, so lange es kein neues, tragfähiges europäisches Wachstumskonzept gibt. Denn das bisherige europäische Wachstumsmodell funktioniert, wie die Situation in den Krisenstaaten zeigt, nicht mehr und Austeritätspolitik ist kein Wachstumskonzept (siehe dazu: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2010/06/eu-wirtschaftsregierung-echter.html).

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