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18.01.2010

07:00 Uhr

Devisen

Politik des starken Dollars ist eine Schimäre

VonNorbert Häring

EZB-Präsident Trichet verlässt sich in Sachen Währungsstabilität allein auf das US-Interesse. Zu Unrecht, meinen europäische und amerikanische Ökonomen. Sie halten einen schwachen Dollar und einen starken Euro für wahrscheinlich.

EZB-Präsident Trichet redet lieber über den Dollar als über den Euro. Quelle: dpa

EZB-Präsident Trichet redet lieber über den Dollar als über den Euro.

HB FRANKFURT. Wenn es nach Jean-Claude Trichet geht, braucht Europa sich nicht vor neuen Wechselkursproblemen zu fürchten, weil die USA für einen starken Dollar sorgen werden. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) verwies auf seiner Pressekonferenz vergangene Woche auf seinen amerikanischen Counterpart Ben Bernanke, der gesagt habe: „Ein starker Dollar ist wichtig für die US-Wirtschaft“. Das betone auch US-Finanzminister Timothy Geithner. Seit Monaten ist dieser Hinweis Trichets Standardantwort, wann immer er danach gefragt wird, ob der starke Euro Europas Wirtschaft schaden könnte.

Hochrangige Bankvolkswirte halten dies für wenig mehr als eine Ausflucht oder eine leere Hoffnungsbekundung. Europa sollte sich tunlichst nicht darauf verlassen, dass die USA tatsächlich eine Politik des starken Dollars verfolgen, mahnen sie im Gespräch mit dem Handelsblatt einhellig.

Der Währungsexperte der britischen Großbank HSBC, Peter Mackel, bewertet Trichets Mantra vom US-Interesse an einem starken Dollar als eine geschickte Strategie, um Fragen zum Euro auszuweichen. Auch Jeremy Hale, Leiter der globalen Makro-Strategie der Citigroup, meint: „Trichet will nicht über den Euro reden, also redet er über den Dollar.“ Beide halten den Spruch vom starken Dollar für eine leere Floskel. Peter Hooper, Leiter des globalen Makro-Research der Deutschen Bank in New York, stimmt zu: „Natürlich hätte die US-Regierung gern eine starke Wirtschaft, die einen starken Dollar rechtfertigt“, räumt er ein. Daraus folge aber keinesfalls ein eigenständiges Interesse an einem starken Dollar und schon gar nicht die Bereitschaft, direkt etwas zu tun, um den Dollar zu stärken. Das gelte zumindest, so lange es keine dramatische Abwertung gibt, welche die Stabilität der US-Finanzmärkte und der Wirtschaft gefährden könnte. „Eine allmähliche Abwertung würde die Regierung nicht unglücklich machen", meint Hooper.

Patrick Artus, Chefvolkswirt der französischen Investmentbank Natixis, nennt die Politik des starken Dollars in einer Analyse sogar „scheinheilig“. Der Spruch „ein starker Dollar ist im Interesse Amerikas“ sollte niemand täuschen, warnt er: „In Anbetracht der nachhaltigen Schwäche der Inlandsnachfrage und der Verschlechterung der Situation in der Industrie gibt es keine andere Möglichkeit, die Inlandsnachfrage durch Exporte zu ersetzen, als eine deutliche Abwertung des Dollar.“ Auch Hale charakterisiert die Haltung der US-Regierung zum Dollar als eher gleichgültig mit der Tendenz, einen schwächeren Dollar zu bevorzugen.

Um sich gegen die starken Währungsschwankungen gegenüber dem wichtigen US-Markt abzusichern und von einem niedrigen Dollarkurs bei den Produktionskosten zu profitieren, verlagern immer mehr Unternehmen Produktionsstätten in die USA. Jüngst hat Audi, der als einer der wenigen großen Autobauer bisher dort nicht vertreten ist, angekündigt, über eine Produktion in den USA nachzudenken. Am Mittwoch verkündete der japanische Autobauer Toyota in Detroit, er erwäge weitere Produktionsverlagerungen nach Nordamerika. Derartige von der schwachen Währung begünstigte Direktinvestitionen ausländischer Konzerne stärken die amerikanische Wirtschaftskraft und tragen dazu bei, das Defizit im Außenhandel zu verringern.

Der Euro werde wahrscheinlich bald wieder die Marke von 1,60 Dollar testen, erwartet Hale. Auch Hooper und Mackel halten eine weitere Dollarschwäche für nicht unwahrscheinlich, wenn sie auch nicht davon ausgehen, dass der Euro die alte Höchstmarke in absehbarer Zeit wieder erreicht.

Einig sind sich die Experten in ihrer Einschätzung, warum die US-Regierung die Floskel vom Interesse am starken Dollar immer wieder bemüht. Unabhängig von ihrer tatsächlichen Einstellung dürfe die US-Regierung nie den Eindruck erwecken, dass sie an einem schwachen Dollar interessiert sei. Das könnte zu einer Flucht aus der US-Währung und einer dramatischen Abwertung führen.

Einzig Paul Mackel sieht zumindest ein kleines Indiz, dass Notenbankchef Bernanke keinen noch schwächeren Dollar haben wolle. Bemerkenswert sei, dass Bernanke jüngst laut über mögliche inflatorische Konsequenzen einer Dollar-Abwertung nachgedacht habe. Diese Konsequenzen werden zwar von Ökonomen als relativ gering eingeschätzt - aber die Tatsache, dass Bernanke die Verbindung herstellt, könne doch eine echte Abneigung gegen eine weitere Dollarschwäche bedeuten. Insgesamt sind indes die vier Ökonomen weitgehend einig mit dem Resümee von Peter Hooper: „Es gibt in der Haltung der US-Regierung nicht viel, worauf Trichet zählen könnte, so lange es keine Währungskrise gibt.“

Kommentare (1)

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W. Fischer

18.01.2010, 10:10 Uhr

Sehr geehrter Herr Jean-Claude Trichet, wie können sie solche Äußerungen von sich geben, wie starker Dollar, wo sie es besser wissen müssten. ich sehe nur eins sie, unterliegen einem Trugbild oder einem Hirngespinst, und beides ist in ihrer Position falsch. Kommen sie zurück zu einer ehrlichen betrachtung des Finanz Geschehens.
Danke

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