Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.08.2011

09:56 Uhr

Die Angst vor der Rezession

Wie schlimm wird es wirklich?

VonUwe Jean Heuser, Kolja Rudzio, Mark Schieritz
Quelle:Zeit Online

Manche rufen „Rezession!“ Nur noch ein kleiner Schubs sei nötig, dann gerate die Weltwirtschaft aus der Balance. Deutschland aber könnte glimpflich davonkommen.

Containerterminal im Hamburger Hafen. dpa

Containerterminal im Hamburger Hafen.

Nicholas Bloom ist der neueste Held aller Schwarzseher. Europa zerstritten, die USA gelähmt, die Banken angeschlagen – ein "explosives Gemisch" für die Weltkonjunktur sei das, sagt Bloom. Er ist Wirtschaftsprofessor im kalifornischen Stanford, hat die Börsenturbulenzen der vergangenen hundert Jahre untersucht und befindet in aller Kürze: Die Kursausschläge heute sind so wild wie nach den Terroranschlägen des 11. September. Deshalb kommt im Westen jetzt das, was immer auf eine Zeit extremer Verunsicherung folgt – die Rezession.

Hat der Panikforscher recht? Ja, sagen die Börsianer, die den Dax aufs Jahrestief gedrückt haben. Es genüge noch ein kleiner Schubs, dann gerate die Weltwirtschaft aus der Balance, erklärt die Investmentbank Morgan Stanley ganz trocken.

Wenn es nur Börsianer und Banker wären, die jetzt Trübsal blasen. Aber das Wachstum ist längst dabei zu erlahmen. Zwischen April und Juni ist die französische Wirtschaft gar nicht gewachsen, die deutsche um mickrige 0,1 Prozent und alle Industrieländer haben im Durchschnitt um 0,2 Prozent zugelegt. So langsam bewegte sich die Industriewelt zuletzt vor zweieinhalb Jahren – als die Bankenkrise sich auf die Realwirtschaft ausweitete. Die Börsianer haben also allen Grund zur Angst. Der Westen lag beim Wachstum zuletzt auffällig nah an der Nulllinie und könnte schnell darunter sinken.

Wie in einer Reihe fallender Dominosteine kommt die Gefahr der Bundesrepublik, dem Wachstumswunderland des vergangenen Jahres, näher.

Der erste Stein, das war die Abschwächung der Dynamik in führenden Schwellenländern Asiens und Lateinamerikas. Mit ihrem Hunger nach Rohstoffen, Maschinen und Konsumprodukten hatten China, Brasilien und Co. die Weltkonjunktur 2010 vorangetrieben. Dabei überhitzten sie, die Inflation stieg, ihre Zentralbanken erhöhten die Zinsen und dämpften auf diese Weise die Konjunktur. Erst zu Hause, dann über den Weg des Welthandels überall auf dem Globus.

Dann fiel der zweite Stein. Im Westen laufen die Konjunkturprogramme aus dem Krisenjahr 2009 aus. Das verlangsamt die Wirtschaft weiter.

Weil von Griechenland bis Irland viele Euro-Länder viel zu hoch verschuldet sind, fiel dann ein besonders dicker Stein: die Staatsschuldenkrise. Erst misstrauten die Kreditgeber an den Finanzmärkten nur Griechenland und Portugal, dann auch Spanien und Italien, am Schluss sogar Frankreich. Mehrfach musste sich Euroland in Rettungsaktionen der Welle der Angst entgegenstemmen. Und die Krisenländer müssen erstmals seit einem Jahrzehnt ernsthaft sparen. Das Leben auf Pump geht nicht mehr einfach so weiter, und die Wirtschaft reagiert wie ein Junkie auf Entzug.

Der vierte Stein: Die stets optimistischen Konsumenten in den Vereinigten Staaten sind zu Angstsparern geworden. Und wenn in den USA, der größten Volkswirtschaft der Welt, die Wachstumslichter ausgehen, wird es nach allen bisherigen Erfahrungen in der gesamten Weltwirtschaft düster.

Als würde all das nicht genügen, verängstigen die Regierungen Europas und Amerikas ihre Verbraucher und Investoren noch zusätzlich. Und das ist ein gewaltiger Stein, der da fällt.

Kommentare (15)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

28.08.2011, 10:56 Uhr

"Börsianer haben also allen Grund zur Angst"

Soso, haben die Börsianer also jetzt Angst vor der Grube die sie sich selbst graben.
Wer, ausser die Börsianer, haben denn durch ihre Gier nach Profiten den Schlamassel angerichtet? Da die Börsenwelt reine Psychologie ist, haben die Börsianer ein psychisches Problem. In ihrer Gier geht ihnen das Wohl der Menschheit am Allerwertesten vorbei.
Würden sie ihren Job vernünftig machen, würden sie anlegen statt spekulieren.
Die Politik muss ihnen nur die Aufputschmittel, die ihnen die Spekulationen vereinfachen, abnehmen und Tranquilizer in Form von richtigen Steuern geben.

Die Finanzminister der G20, ohne Beteiligung der Lobbyisten, hätte es in der Hand einen besseren "Markt" zu schaffen.

unbekannterCEO

28.08.2011, 11:13 Uhr

Griechenland ist fast pleite und Deutschland mit der CDU/CSU und FDP unberechenbar geworden.

Beides ist Gift für Kapitalmärkte!

Was wir hier erleben, ist in der Tat ein Verdienst der heutigen Regierungskoalition. Die Abrechnung kommt spätestens in zwei Jahren. Dann ist diese ohnehin nicht mehr funktionierende Symbiose zu Ende. Wenn´s mit der Wirtschaft abwärts geht, werden auch die Unternehmer auf die Barrikaden gehen. Die CDU/CSU ist schon lange kein kein verläßlicher Partner mehr, weder für Unternehmen noch für die Wähler. Sämtliche kompetenten Parteigrößen sind abgetreten oder geschasst worden. Und zwar aus ihren eigenen Reihen. Und genauso wurde die breite Basis vorgeführt.

Da gibt´s wenig Alternativen. Eine haben uns die Größen vorgemacht. Abkehr von dieser Partei. Ein Putsch an der Spitze wäre vielleicht eine Lösung. Dazu müßte die "Königin" vom Thron gestoßen werden. Noch fehlt der Basis jedoch der Mut, auf einem der nächsten Parteitage aufzubegehren. Solange sich nichts ändert, wird sich der Abstieg langsam aber immer mehr beschleunigen und das Ansehen Deutschlands weiter veblassen!

Dem Ansehensverlust folgt das Verbrauchervertrauen und dann vielleicht eine Rezession. Und zwar eine hausgemachte Rezession durch die Politik! Und hierbei spielt Deutschland als Auslöser die Hauptrolle und paradoxerweise nicht die verschuldeten Staaten. Merkel und Co sei es gedankt.

Insider

28.08.2011, 11:25 Uhr

Dem ist nichts mehr hinzu zufügen.

Mit Ursula von der Leyen macht sich bereits die zweite Reihe startklar, Merkel´s Kompetenz in Sachen Wirtschaftspolit in Frage zu stellen. Vielleicht der Anfang vom Ende Merkel´s politischer Karriere!?

Deutschland täte ein Wechsel im Kanzleramt gut!

Die FDP hat´s mit Westerwelle vorgemacht, nun braucht sich die Basis von CDU/CSU nur noch einen Ruck geben und endlich den aufgestauten Druck rauslassen.

Es wäre die erste Frau, die vorzeitig aus dem Kanzleramt ausscheiden würde. Jeder setzt sich auf seine Weise sein persönliches Denkmal.

Auch eine Möglichkeit, Geschichte zu schreiben!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×