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12.06.2012

11:16 Uhr

Die Flaute kommt

Zahl der Firmenpleiten nimmt dramatisch zu

Die Zahl der Firmenpleiten ist im März so stark gestiegen wie zuletzt 2010. Experten sehen das als Zeichen dafür, dass die europaweite Wirtschaftsflaute nach Deutschland schwappt.

Ein Mann lehnt an einem Hinweisschild auf eine Insolvenzverwertung in Düsseldorf. dpa

Ein Mann lehnt an einem Hinweisschild auf eine Insolvenzverwertung in Düsseldorf.

BerlinDie Zahl der Firmenpleiten in Deutschland ist im März so stark gestiegen wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. 2809 Unternehmen erklärten sich für zahlungsunfähig. Das waren 1,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Einen stärkeren Anstieg gab es zuletzt im März 2010 mit 8,7 Prozent. Verglichen mit dem Vormonat gab es sogar eine Zunahme um 19,4 Prozent.

„Wir rechnen damit, dass 2012 wieder mehr Unternehmen den Gang zum Insolvenzrichter antreten müssen“, sagte der Vorsitzende des Insolvenzverwalterverbands VID, Christoph Niering. „Es häufen sich die Anzeichen, dass sich die deutsche Wirtschaft nicht länger von der Flaute in den übrigen Euroländern abkoppeln kann.“ Exporte, Industrieaufträge und Produktion waren im April gesunken. „Bei den geringen Margen, die in wichtigen Schlüsselbranchen wie Automotive, Logistik oder Bau erwirtschaftet werden, geht bei einem einsetzenden Abschwung vielen Unternehmen schnell die Puste aus“, warnte Niering.

Trotzdem fällt die Bilanz für das gesamte erste Quartal noch positiv aus: Die Firmenpleiten gingen um 0,6 Prozent auf 7483 zurück. Gesunken ist in diesem Zeitraum auch die Zahl der Verbraucherinsolvenzen. Sie nahm um 2,8 Prozent auf 25.426 ab. Zu Jahresbeginn war die deutsche Wirtschaft mit 0,5 Prozent unerwartet stark gewachsen; die Zahl der Beschäftigung kletterte auf ein Rekordhoch.

Wegen der Pleiten mehrerer Großunternehmen stiegen die offenen Forderungen von Gläubigern deutlich. Die Gerichte bezifferten die Summe im ersten Quartal auf zehn Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es lediglich sieben Milliarden. In diesem Jahr mussten beispielsweise mehrere große Solarfirmen den Gang zum Insolvenzrichter antreten.

Von

rtr

Kommentare (2)

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WAAhnsinn

12.06.2012, 12:26 Uhr

Super - deutsche Firmen gehen unter der Abgaben- und Bürokatielast und der mangelnden Zahlungsmoral ihrer Geschäftspartner pleite, die deutsche Infrastruktur korrodiert, in den deutschen Krankenhäusern und Pflegeheimen herrscht der durch falsche Weichenstellungen des Gesundheitssystems zu Gunsten der Pharmaindustrie und der Apparatemedizin der Notstand, ebenso an vielen Schulen und in Kindergärten, die Mieten und die Immobilienpreise explodieren in Deutschland, und was tun die angeblichen Volksparteien, die längst keine mehr sind - sie retten korrupte Systeme der PIIGS-F-Staaten, damit die dortigen Profiteure bloß keine Steuern zahlen müssen und weiter abzocken können.

Account gelöscht!

12.06.2012, 14:11 Uhr

Und was soll diese Regierung jetzt tun? Den insolventen Firmen das Geld zum weitermachen geben?
Oder sich selbst mal am "Riemen reißen" und die eigene überbordende Regulierungswut angehen? Wäre ja vielleicht auch eine Möglichkeit, statt anderen Ländern einfach die eigenen Rezepte zu verpassen, um dann zu merken, huch, die eigene Medizin schmeckt ja nicht.
Auch Deutschland wird sparen müssen, das Motto, wir sind ja so toll und die anderen so faul, funktioniert eben nur solange, wie man selbst fähig und willens ist seinen Tunnelblick immer wieder mal auszuweiten. Und das gilt ganz besonders für diesen Kindergarten Regierung mit seinem Ministerpuppen, die nach Lobbygruppen tanzen, und eben nicht nach den Erfordernissen einer Wirtschaft, und zwar auch, und gerade, der kleineren Betriebe und Selbstständigen.
Wenn es am Grund nicht stimmt, fällt das Haus eben schneller zusammen. Europa war bis jetzt nur Ablenkung (alle anderen sind faul, das Geld gehört uns -ätsch), aber irgendwann muß man sich auch um die eigenen Belange kümmern (wollen).
WEnn Deutschland und Frankreich doch so führend und gewichtig sind, oder sein wollen, warum sind die Bankenprobleme dann so groß? Ach stimmt ja, die Experten haben gesagt ..., Mist war der Falsche, wir haben vergessen selbst zu denken. Nun wollen wir den Urzustand zurück, aber ein bischen plötzlich. Weil wir selbst unfähig und kurzsichtig sind. Das gilt ganz besonders für die lieben Meinungsmacher, Presseagenturen und Meinungsanschieber in die richtige Richtung. Gehts an die eigene Wäsche, ist die Idee kaputt zu reden, statt auf Lösungen hinzuarbeiten. In diesem Punkt sind uns die anderen Länder, außer Griechenland, weit voraus. In Italien kann ich mir die eine Schraube, die ich brauche, einzeln kaufen, in D muß ich einen 100er Pack kaufen, obwohl ich die nächsten Jahre nur die eine brauchen werde. Das geht in D nicht mehr, denn für allein schon 1200 € Pflicht-Vorsorge müssen die Päckchen so groß sein, der Erstickungstod beginnt.

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