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22.05.2017

09:59 Uhr

Die Industrie und der Brexit

Nervosität bei deutschen Unternehmen wächst

Die Folgen des Brexits machen sich in vielen Bereichen bemerkbar. So sei eine hohe Unsicherheit bei diversen deutschen Unternehmen zu spüren. Es sei bereits schwierig, Mitarbeiter ins Vereinigte Königreich zu schicken.

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie sieht durch den Brexit eine erhöhte Nervosität bei Unternehmen. dpa

Dieter Kempf

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie sieht durch den Brexit eine erhöhte Nervosität bei Unternehmen.

BrüsselIn der deutschen Industrie wächst vor dem Start der EU-Austrittsverhandlungen mit Großbritannien die Nervosität. „Betriebe klagen bereits über die große Unsicherheit“, sagte BDI-Präsident Dieter Kempf zu einem Treffen der für die Brexit-Gespräche zuständigen EU-Minister an diesem Montag in Brüssel. Aus Unternehmen sei beispielsweise zu hören, dass es schon jetzt schwierig sei, Mitarbeiter ins Vereinigte Königreich zu schicken. Dies gelte ganz besonders dann, wenn das Ende der Entsendung jenseits des voraussichtlichen Brexit-Datums am 29. März 2019 liege.

Die EU-Vertreter forderte Kempf deswegen auf, sich bei den bevorstehenden Verhandlungen dafür einzusetzen, möglichst schnell den künftigen Status von EU-Bürgern in Großbritannien und Nordirland zu klären. Die Gefahr einer „langanhaltenden Belastung durch kontroverse Verhandlungen“ sei real, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Wenn es zum Zeitpunkt des britischen EU-Austritts ein „Vakuum“ geben sollte, drohe sogar die Gefahr unmittelbarer Produktionsstörungen. „Deutschland ist das größte Lieferland des Vereinigten Königreichs - und 44 Prozent der britischen Ausfuhren gehen in die EU“, so der Präsident des Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI).

Was seit dem Brexit Votum geschah – die wichtigsten Etappen

24. Juni 2016

In den Morgenstunden wird klar: Großbritannien kehrt Europa den Rücken. In Europa und Asien brechen die Aktienmärkte ein.

4.Juli 2016

Brexit-Befürworter Nigel Farage tritt vom Vorsitz der rechtspopulistischen Unabhängigkeitspartei Ukip zurück.

13.Juli 2016

Premierminister David Cameron tritt zurück. Die konservative Politikerin Theresa May wird seine Nachfolgerin. Der Brexit-Wortführer Boris Johnson wird neuer britischer Außenminister.

2. Oktober 2016

May gibt bekannt, dass sie bis Ende März 2017 offiziell den Austritt aus der EU einleiten wird.

17. Januar 2017

May kündigt in einer Rede einen „harten Brexit“ an. Großbritannien wird auch den europäischen Binnenmarkt verlassen.

7. Februar 2017

Brüssel kündigt London eine Rechnung in Milliardenhöhe nach dem Brexit für gemeinsam eingegangene EU-Verpflichtungen an.

13. März 2017

Das Oberhaus lenkt ein; das Parlament verabschiedet das Brexit-Gesetz. Schottlands Regierung kündigt an, dass sie in einem Referendum über die Trennung vom Königreich abstimmen lassen will.

29. März 2017

Großbritannien reicht die offizielle EU-Austrittserklärung in Brüssel ein. Damit ist der Weg frei für die zweijährigen Brexit-Verhandlungen.

5. April 2017

Das EU-Parlament einigt sich mit breiter Mehrheit auf eine gemeinsame Position für die Verhandlungen. Die Abgeordneten sprechen sich gegen finanzielle Zugeständnisse an Großbritannien aus.

18. April 2017

May kündigt für den 8. Juni die Neuwahl des Parlaments an.

Die für Brexit-Fragen zuständigen EU-Minister wollen an diesem Montag in Brüssel das Verhandlungsmandat für EU-Chefunterhändler Michel Barnier beschließen. Damit wäre die Europäische Union startklar für die Gespräche. Losgehen wird es aber erst nach der Parlamentswahl in Großbritannien am 8. Juni.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Christian Heinze

26.05.2017, 11:56 Uhr

Den Kummer, den europäische Außenwirtschaftspartner wegen des „Brexit“ haben, verdanken sie einer abwegigen Politik der EU: Sie gebärdet sich wie ein Bundesstaat, während sie weit davon entfernt ist, die Voraussetzungen eines solchen zu erfüllen. Dabei zeigt sie sich blind gegenüber Freundschaft, Einigkeit, Hilfs- und Kompromissbereitschaft als Voraussetzungen europäischer Vereinigung: die EU hat sich geweigert, mit England über eine Zulassung existenznotwendiger Beschränkungen der Überfremdung des Landes auch nur zu verhandeln, und hat dadurch letztlich den Brexit ausgelöst.

Nun stellt sich die EU vor, England werde alle möglichen Bedingungen für eine Regulierung seiner künftigen Wirtschaftsbeziehungen zur EU akzeptieren müssen. England und die Rest-EU-Länder sind aber offenbar mit dem status quo dieser Beziehungen zufrieden, schließlich treten letztere dem Brexit vehement entgegen. England hat schon angedeutet, einen Großteil des EU-Rechts nach dem Austritt beibehalten zu wollen. Die EU wird sich gleichgerichteten resteuropäischen Interessen nicht verschließen können, nur um England zu „bestrafen“. Vielleicht findet sich England sogar bereit, auch künftig einen Beitrag zur Finanzierung einer Infrastruktur für diese Fortgeltung und Fortschreibung zu entrichten. Das Ergebnis könnte einer Aufrechterhaltung der EU mit England bei Reduktion des Freizügigkeitsideals auf ein vernünftiges Maß ähneln.

(Näheres siehe https://pro-re-publica.de/Brexit.php.)

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