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12.02.2016

16:36 Uhr

Die Weltwirtschaft schwächelt

Muss sich Deutschland auf härtere Zeiten einstellen?

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist niedrig, die Verbraucher sind in Kauflaune. Das hält die Konjunktur trotz schwächelnder Weltwirtschaft am Laufen. Doch wie lange noch?

Viele Ökonomen sehen Deutschland trotz der Abkühlung der Weltkonjunktur auch in diesem Jahr auf einem robusten Wachstumspfad. dpa

Hafen Hamburg

Viele Ökonomen sehen Deutschland trotz der Abkühlung der Weltkonjunktur auch in diesem Jahr auf einem robusten Wachstumspfad.

WiesbadenDer Gegenwind für die deutsche Wirtschaft nimmt zu. Wichtige Exportmärkte wie China schwächeln, auch aus den USA kommen derzeit wenig gute Nachrichten, zudem gewinnt der Euro wieder an Stärke. Erste Bremsspuren zeigen sich bereits. Der Außenhandel fiel im vierten Quartal als Wachstumsmotor aus. Am Laufen gehalten wurde die deutsche Konjunktur vor allem von der Konsumlaune der Verbraucher und den Ausgaben des Staates etwa für Flüchtlinge. Gegenüber dem Vorquartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozent. Im Gesamtjahr stand ein Plus von 1,7 Prozent.

Der gestiegene Konsum im Inland schirme die deutsche Wirtschaft gegen Gegenwind aus dem Ausland ab, sagt ING-DiBa-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. „Vor dem Hintergrund der jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten wirken die Konjunkturdaten fast wie ein Relikt aus guten alten Zeiten.“

Viele Ökonomen sehen Deutschland trotz der Abkühlung der Weltkonjunktur auch in diesem Jahr auf einem robusten Wachstumspfad. Die Bundesregierung und der Internationale Währungsfonds gehen von einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 1,7 Prozent aus. Pessimistischer ist der Deutschen Industrie- und Handelskammertag, der mit 1,3 Prozent rechnet. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer verweist unter anderem auf die jüngsten Turbulenzen an den Börsen. „Wir fühlen uns wohl mit unserer weit unter dem Konsens liegenden 2016er Wachstumsprognose von 1,3 Prozent.“

Neben der Abkühlung des Megamarktes China und anderer Schwellenländer, sorgen auch die zuletzt schwächeren Konjunkturdaten aus den USA und der wieder stärkere Euro für Skepsis. Legt die Gemeinschaftswährung gegenüber Dollar & Co zu, werden Waren „Made in Germany“ auf dem Weltmarkt tendenziell teurer. Das kann die Nachfrage dämpfen.

Wichtige Konjunkturstütze bleibt nach Einschätzung von Ökonomen auch in diesem Jahr die Konsumlust der Verbraucher. Der Arbeitsmarkt boomt und von den Lohnabschlüssen 2016 dürfte dank niedriger Inflation mehr im Portemonnaie bleiben. Das Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK rechnet 2016 mit einem Anstieg der privaten Verbraucherausgaben preisbereinigt um 2,0 Prozent. Im Vorjahr war der private Konsum um 1,9 Prozent gewachsen.

Auch die Milliardengelder von Bund, Ländern und Kommunen zur Bewältigung des Flüchtlingszustroms stützen die Konjunktur - im vierten Quartal 2015 stiegen die Konsumausgaben des Staates nach Angaben des Statistischen Bundesamtes insgesamt deutlich. „Erhöht die Bundesregierung aufgrund des Flüchtlingszustroms die Staatsausgaben im laufenden Jahr, kann der BIP-Zuwachs im laufenden Jahr sogar noch etwas zulegen“, erwartet Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Gruppe.

Der DIHK beziffert den Wachstumseffekt beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf 0,3 Prozentpunkte. Auf den Arbeitsmarkt wird sich die wachsende Zahl Job suchender Flüchtlinge nach Einschätzung von Arbeitsmarktexperten erst in der zweiten Jahreshälfte niederschlagen.

Als kostenloses Konjunkturprogramm gilt auch der niedrige Ölpreis. Er entlastet die Budgets von Verbrauchern und Unternehmen in Deutschland, weil sie weniger für Energie ausgeben müssen. Die Bundesbank erwartet bei anhaltend niedrigen Ölpreisen weiteren Rückwind für die Nachfrage im Inland. Eine Faustregel unter Volkswirten lautet: Ein zehnprozentiger Rückgang der Rohölpreise erhöht das Wachstum um 0,1 bis 0,5 Prozentpunkte.

Der Ölpreisverfall birgt allerdings auch Risiken. Er zwingt Förderländer zu einem Sparkurs, was Folgen für die Weltkonjunktur haben kann. „Wir haben nichts gegen billiges Öl - aber ganz so billig muss es nicht sein“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben jüngst. Der Absturz der Preise überfordere viele Volkswirtschaften, was neue Risiken hervorbringen könnte.

Der Internationale Währungsfonds senkte nicht zuletzt wegen der niedrigen Ölpreise im Januar seine globale Wachstumsprognose für 2016. „Wir haben wohl einen holprigen Weg vor uns“, sagte IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld damals. Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther beschreibt die schwierige Gemengelage so: „Die Weltwirtschaft wackelt an verschiedenen Ecken“.

Von

dpa

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