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16.08.2012

12:24 Uhr

DIHK-Prognose

Euro-Krise dämpft deutschen Export

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer prognostiziert, dass die deutschen Exporte nicht so stark wachsen werden wie noch 2011. Vor allem die Euro-Krisenländer kaufen weniger Waren aus der Bundesrepublik.

Der Arbeitsmarkt stagniert auf einem hohen Niveau. dpa

Der Arbeitsmarkt stagniert auf einem hohen Niveau.

BerlinDas Wachstum der deutschen Exporte wird sich in diesem Jahr wegen der Rezession in vielen Euro-Ländern halbieren. Die Ausfuhren dürften nur noch um vier Prozent über dem Vorjahresniveau liegen, heißt es in der am Donnerstag veröffentlichten Prognose des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). 2011 waren es noch 8,2 Prozent, 2010 sogar 13,7 Prozent. Dennoch werde Deutschland seinen Marktanteil am Welthandel von 8,1 Prozent behaupten.

Im kommenden Jahr soll er wieder steigen. Der DIHK rechnet dann mit einem Exportwachstum von sechs Prozent. „Damit wird Deutschland 2013 den USA den Vize-Exportweltmeistertitel wieder abjagen“, prophezeit der DIHK, der mit seinen Außenhandelskammern in 86 Ländern aktiv ist. „China bleibt indes unangefochten die Nummer eins.“

Gehemmt werden die Geschäfte von der Wirtschaftskrise in wichtigen Partnerländern wie Italien und Spanien. „Die deutschen Unternehmen haben es derzeit insbesondere bei Geschäften in etlichen EU-Staaten schwerer, ihre Produkte abzusetzen", klagt der DIHK. Das liege auch daran, "dass Geschäftspartner dort unter gravierenden Finanzierungsschwierigkeiten leiden". Banken hätten dort mit den Folgen geplatzter Immobilienblasen und Belastungen durch die Schuldenkrise zu kämpfen, was ihren Finanzierungsspielraum einschränke.

Nach einem starken Mai sanken die Ausfuhren im Juni kalender- und saisonbereinigt um 1,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Daten mitteilte. Experten hatten zwar mit einem Rückgang gerechnet, ihn aber geringer veranschlagt. Die Einfuhren gaben mit 3,0 Prozent noch kräftiger nach. Im Mai waren Exporte und Importe noch deutlich gestiegen.

Im Jahresvergleich legten die Ausfuhren im Juni um 7,4 Prozent und die Einfuhren um 1,5 Prozent zu. Während die Exporte in die Eurozone um 3,0 Prozent sanken, zogen sie in Drittländer kräftig um 19,8 Prozent an.

Im ersten Halbjahr stiegen die Ausfuhren um 4,8 Prozent auf 550,4 Milliarden Euro. Trotz der Delle im Juni bleiben die deutschen Exportunternehmen weiter auf Rekordkurs - auch wenn das Wachstum weniger stark ausfallen dürfte als zu Jahresbeginn erwartet.

Der Außenhandelsverbands BGA rechnet für 2012 insgesamt mit einem Plus von gut vier Prozent gegenüber dem vergangenen Rekordjahr. „Das wäre ein gutes Ergebnis angesichts der hohen Basis des Vorjahres“, sagte BGA- Präsident Anton Börner der „Südwest Presse“. Zu Jahresbeginn hatte der Außenhandelsverband allerdings noch ein Exportplus von sechs Prozent erwartet.

Dass die Exporteure trotz der Schwierigkeiten auf ihrem wichtigsten Absatzmarkt Europa auf Wachstumskurs bleiben, verdanken sie dem billigem Euro und der starken Nachfrage aus Übersee. "Der Warenaustausch mit den Schwellenländern gewinnt weiter an Gewicht", hieß es. Lag der Anteil an den deutschen Exporten in die BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika im Jahr 2000 noch bei 4,5 Prozent, so werde er 2013 bereits rund 15 Prozent betragen.

Die deutschen Importe dürften 2013 erstmals die Umsatzmarke von einer Billion Euro knacken, die von den Exporten bereits 2011 durchbrochen wurde. "Die nicht zuletzt wegen der soliden Binnenwirtschaft und des stabilen Arbeitsmarktes robuste wirtschaftliche Lage hierzulande erweist sich als Anker für Europa", so der DIHK. "Immerhin ist Deutschland für 18 Staaten in der EU der wichtigste Absatzmarkt."

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