Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.02.2014

08:08 Uhr

DIHK-Umfrage

Exporteure rechnen mit sattem Plus

ExklusivDeutsche Exporteure sind so optimistisch wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Nur noch sieben Prozent befürchten laut einer Umfrage mit schlechteren Auslandsgeschäften. Damit profitiert Deutschland auch von US-Stärke.

Deutsche Ware auf dem Weg ins Ausland: Aktuelle Einschätzungen stimmen optimistisch. dpa

Deutsche Ware auf dem Weg ins Ausland: Aktuelle Einschätzungen stimmen optimistisch.

DüsseldorfNach einem flauen Jahr 2013 dürften die deutschen Exporte bald wieder merklich anziehen. Das geht aus der jüngsten Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) hervor, die dem Handelsblatt in Auszügen vorliegt. Demnach sind die Exporteure derzeit so optimistisch wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Der entsprechende Saldo stieg von 23 Punkten im Herbst auf jetzt 30. „Die Ausfuhren erreichen damit allmählich wieder die Dynamik vergangener Jahre“, heißt es in dem Bericht. Laut DIHK-Schätzung dürfte das Ausfuhr-Wachstum 2014 bei 4,5 Prozent liegen – nach lediglich 0,6 Prozent im Vorjahr.

Tatsächlich rechnen derzeit nur noch sieben Prozent der Befragten mit schlechteren Auslandsgeschäften in den kommenden Monaten. Dagegen gehen mittlerweile 37 Prozent von einem Export-Plus aus. Am größten ist die Zuversicht bei den Herstellern von Investitionsgütern. Den größten Sprung nach oben gab es aber bei den Produzenten von Vorleistungsgütern, wo der Saldo von 20 auf 30 Punkte hochschnellte. Gerade das sei ein gutes Zeichen, so der DIHK: Schließlich begännen Konjunkturaufschwünge oft mit anziehenden Geschäften in diesem Bereich.

Deutschlands Exportüberschüsse

Seit wann erzielt Deutschland Exportüberschüsse?

Seit 1952. Nur in den ersten Nachkriegsjahren wurde mehr importiert als exportiert. 1950 gab es ein Handelsdefizit von umgerechnet 1,54 Milliarden Euro, das aber schon 1951 auf 76 Millionen Euro schrumpfte. Seither gibt es Überschüsse.

Mit welchen Ländern erzielt Deutschland Überschüsse?

Mit den meisten. Den größten Überschuss erzielt Deutschland im Handel mit Frankreich. Dorthin wurden im vergangenen Jahr Waren im Wert von 39,7 Milliarden Euro mehr exportiert als von dort eingeführt. Auf Rang zwei folgen die USA mit (36,3 Milliarden Euro) und Großbritannien (28,6 Milliarden Euro). Das größte Defizit macht Deutschland im Handel mit dem ölreichen Norwegen (-17,7 Milliarden Euro), gefolgt von den Niederlanden (-15,6 Milliarden) und China (-10,7 Milliarden.)

Wie hoch ist der deutsche Leistungsbilanzüberschuss?

In den ersten acht Monaten 2013 wurden Waren im Wert von 726 Milliarden Euro ausgeführt, aber nur im Wert von 599 Milliarden Euro importiert. Das ergibt einen Exportüberschuss von 127 Milliarden Euro. In die Leistungsbilanz fließen zudem der Austausch von Dienstleistungen mit dem Ausland ein, aber beispielsweise auch Entwicklungshilfe und Vermögenseinkommen. Von Januar bis August summierte sich der Leitungsbilanzüberschuss damit auf rund 115 Milliarden Euro.

Welche Länder haben einen höheren Exportüberschuss?

Derzeit kein anderes, nicht einmal Exportweltmeister China. 2012 lag der deutsche Überschuss mit umgerechnet 238 Milliarden US-Dollar sowohl über dem von China (193 Mrd) als auch dem des ölreichen Saudi-Arabien (165 Mrd). Mit der Erholung der Weltkonjunktur dürfte sich der deutsche Leistungsbilanzüberschuss in diesem Jahr auf die 200-Milliarden-Euro-Marke zubewegen, prognostiziert das Münchner Ifo-Institut. Das wäre ein Rekord.

Warum werden die Überschüsse kritisiert?

Die USA, aber auch der Internationale Währungsfonds zählen sie zu den großen Ungleichgewichten in der Weltwirtschaft, die für die globale Finanz- und die Schuldenkrise in Europa mitverantwortlich sind. Denn Ländern mit Exportüberschüssen stehen welche mit Defiziten gegenüber, die ihre Importe über Schulden finanzieren müssen. Die EU-Kommission stuft einen Leistungsbilanzüberschuss von mehr als sechs Prozent der Wirtschaftsleistung als stabilitätsgefährdend ein. Bei einer längeren Fehlentwicklung droht sie deshalb mit einem Mahnverfahren, an dessen Ende ein Bußgeld stehen könnte. Im ersten Halbjahr lag der deutsche Überschuss bei 7,2 Prozent.

Was kann dagegen getan werden?

Der IWF und die Industriestaaten-Organisation OECD fordern seit längerem von Deutschland, mehr für die Binnennachfrage zu tun, um die Unwucht zu beheben. Höhere Importe schmelzen nicht nur den deutschen Überschuss, sondern erhöhen die Exporte anderer Länder – die damit ihre Defizite verringern können. Ein Schlüssel dazu können stärkere Lohnerhöhungen sein. „Das stimuliert die Binnennachfrage, wodurch mehr importiert und der Außenhandel wieder mehr ins Gleichgewicht gebracht wird“, sagt der Direktor des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts, Gustav Horn. Steigen die Löhne hierzulande, werden deutsche Produkte teurer – womit die preisliche Wettbewerbsfähigkeit etwa der Euro-Länder steigen würde und dort den Export ankurbeln könnte.

Was sagt die Wirtschaft?

Sie argumentiert ganz anders. Der deutsche Erfolg helfe den Krisenländern. Ihr Argument: Deutsche Exporte bestehen zu rund 40 Prozent aus zuvor importieren Vorprodukten, sagt etwa der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Somit profitiere auch das Ausland. Zudem steigen die deutschen Importe wegen des anziehenden Konsums bereits: Die führenden Wirtschaftsinstitute erwarten sowohl für dieses als auch das kommende Jahr ein höheres Importtempo.

Wird Deutschland immer Überschüsse erzielen?

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) bezweifelt das. Ab 2028 erwartet es keine Exportüberschüsse mehr in Deutschland. Wenige Jahre später sollen Leistungsbilanzdefizite folgen. „Die Ursache dieser Entwicklung ist der demografische Wandel, die Schrumpfung und Alterung der deutschen Bevölkerung“, heißt es in der Studie. Weil es in wenigen Jahren schon weniger Erwerbstätige geben werde, könne auch weniger exportiert werden. Gleichzeitig müsse der Konsum der Älteren durch höhere Importe gedeckt werden.

Die Hauptgründe für die steigende Nachfrage nach „Made in Germany“ sind laut DIHK die stabile Wirtschaftslage in den USA, aber auch die Erholung in der Euro-Zone. „Langsam entfalten die Strukturreformen ihre positiven Wirkungen“, schreiben die DIHK-Experten.

Von

hmü

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

04.02.2014, 08:52 Uhr

Na ja, da hat man aber dann nicht schon die neuen Entwicklungen in den Schwellenländern sowie die wesentlich schwächeren Konjunkturaufschwünge in China und den USA drin.

Konnte man auch nicht, weil die Umfrage von Mitte Dezember bis Anfang Januar lief.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×