Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.08.2015

14:29 Uhr

DIW-Studie

Deutschland investiert mehr in die Forschung

Deutschland holt bei Forschungsinvestitionen auf: Die Bundesrepublik verwendet rund 3,0 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung auf Investitionen für Forschung und Entwicklung. An der Spitze aber stehen andere Länder.

Deutschland hat dem DIW zufolge bei Forschung und Entwicklung in den vergangenen Jahren mit relativ hohem Tempo zugelegt. dpa

Spitzentechnologiestandort

Deutschland hat dem DIW zufolge bei Forschung und Entwicklung in den vergangenen Jahren mit relativ hohem Tempo zugelegt.

BerlinDeutschland hat bei den wachstumstreibenden Investitionen für Forschung und Entwicklung (FuE) aufgeholt und liegt unter den ersten fünf Industrieländern. Das EU-Ziel, bei den FuE-Ausgaben drei Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung zu erreichen, habe Deutschland bereits 2012 nahezu erreicht, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). „Die FuE-Intensität der Bundesrepublik lag damit über dem Durchschnitt der OECD-Länder, aber auch vor den USA und weit vor Frankreich und Großbritannie“, stellte das Institut fest.

Führend ist der Studie zufolge - auf Basis von Zahlen des Jahres 2012 - Südkorea mit einer Quote von 4,4 Prozent. Es folgen Finnland, Schweden und Japan mit Quoten zwischen 3,6 und 3,4 Prozent. Deutschland rangierte mit rund 3,0 Prozent auf Rang fünf. Die USA kamen auf 2,8 Prozent.

Deutschland hat dem DIW zufolge bei Forschung und Entwicklung in den vergangenen Jahren mit relativ hohem Tempo zugelegt. „In den letzten Jahren gab es nur ein Land, in dem die Forschungsinvestitionen schneller gewachsen sind als in Deutschland, und das war Südkorea“, sagte die Leiterin der Untersuchung, die DIW-Wissenschaftlerin Heike Belitz. Nach ihren Worten führen höhere Forschungsausgaben bereits im Folgejahr zu einem signifikanten Zuwachs der Wirtschaftsleistung eines Landes.

Das 10-Punkte-Programm für mehr Investitionen

Wer die Vorschläge erarbeitet hat

Die von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) berufene Expertenkommission hat einen Zehn-Punkte-Plan für mehr öffentliche und private Investitionen in Deutschland vorgelegt. Die Gruppe setzt sich aus 21 Repräsentanten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gewerkschaften zusammen. Geleitet wird sie vom Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher.

Selbstbindung des Staates für mehr Investitionen

Der Staat sollte sich haushaltsrechtlich verpflichten, mindestens in der Höhe zu investieren, wie sein Vermögen, etwa Straßen oder Gebäuden, Jahr für Jahr abgenutzt werden. Der Bund sollte sich zudem festlegen, unerwartete Überschüsse vorrangig für Investitionen zu nutzen. Neue Spezialinstitute sollen den Staat dabei unterstützen.

Kommunales Iprogramm

Für die Kommunen soll es einen „Nationalen Investitionspakt“ geben. Über den sollen in den nächsten drei Jahren zusätzliche kommunale Investitionen von mindestens 15 Milliarden Euro fließen.

Unterstützung von strukturschwachen Kommunen

Beratend unterstützt werden sollen strukturschwache Gemeinden und Städte durch eine „Infrastrukturgesellschaft für Kommunen“ (IfK). Zudem sollen Kooperationen mit anderen Kommunen und mit öffentlichen Firmen weiterentwickelt werden.

Private Gelder für Kommunen

Bei der Entscheidung zwischen öffentlicher und privater Finanzierung von Investitionen der Kommunen soll die jeweils effektivste und günstigste Lösung gewählt werden. Eine Option ist ein öffentlicher Infrastrukturfonds von Bund und Ländern, an dem sich institutionelle Investoren wie Versicherungen und Pensionsfonds beteiligen können. Eine zweite ist die eines Bürgerfonds, über den Sparer Geld anlegen können. Dieses flösse dann risikomindernd in ein Bündel von Investitionsvorhaben - womöglich noch gefördert über die Arbeitnehmersparzulage.

Verkehrsgesellschaft auf Bundesebene

Langfristig soll eine öffentliche Infrastrukturgesellschaft für Bundesfernstraßen geprüft werden. Sie wäre für den Bau und Betrieb der Fernstraßen zuständig und würde sich überwiegend über Maut-Gebühren finanzieren und selbst Kredite - aber ohne Staatsgarantie - aufnehmen können. Eine Privatisierung von Autobahnen ist damit aber nicht vorgesehen.

Allgemeine Rahmenbedingungen in Deutschland

Die Kommission plädiert in Deutschland für mehr Investitionen in Qualifikation und Bildung, den Bürokratieabbau, eine effektive Finanzmarktregulierung sowie die Nachwuchssicherung von Fachkräften - auch mit Hilfe von Zuwanderung.

Innovationen in Unternehmen

Das Ziel von drei Prozent Anteil der Ausgaben von Forschung und Entwicklung an der Wirtschaftsleistung wird als zu niedrig angesehen. Die Kommission schlägt 3,5 Prozent vor. Zudem sollen bei der Finanzierung von Investitionen Eigenkapital und Fremdkapital steuerlich gleich behandelt werden. Eine generelle Steuersenkung soll das für Unternehmen nicht mit sich bringen.

Energie

Hier sieht die Kommission einen Investitionsbedarf von über 30 Milliarden Euro jährlich bei den privaten Anbietern für Netze, Erzeugung und Energieeffizienz bis 2020.

Juncker-Plan

Die Kommission begrüßt den Investitions-Förderplan von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Sollte er sich als erfolgreich erweisen, sollte er dauerhaft weiterverfolgt werden. Das bedeute aber auch eine höhere Kapitalausstattung.

In Deutschland konzentrierten sich die privaten Forschungsausgaben auf relativ wenige Bereiche. 85 Prozent flossen in das verarbeitende Gewerbe und hier vor allem in den Autobau, die Computer- und Elektrotechnik sowie den Maschinenbau.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×