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22.09.2014

19:47 Uhr

Draghi im Währungsausschuss

Banken vergeben immer noch zu wenige Kredite

Vor allem wegen der schwachen Nachfrage sieht EZB-Chef Mario Draghi weiterhin eine mangelnde Kreditvergabe im Euro-Raum. Die Regierungen der Mitglieds-Staaten fordert Draghi erneut zu Strukturreformen an.

EZB-Chef Mario Draghi sprach am Montag vor dem Währungsausschuss des EU-Parlaments. dpa

EZB-Chef Mario Draghi sprach am Montag vor dem Währungsausschuss des EU-Parlaments.

BrüsselEZB-Chef Mario Draghi sieht weiter eine mangelnde Kreditvergabe im Euroraum. Dies liege vor allem an der schwachen Nachfrage nach Krediten, sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), am Montag vor dem Währungsausschuss des EU-Parlaments.

Zur Resonanz der Geldhäuser auf das erstmals von der EZB eingesetzte Instrument der zielgerichteten Langfristkredite (TLTROs) erklärte Draghi, „die Nachfrage nach der ersten neuen Kreditlinie hat im Rahmen der Erwartungen der Notenbank gelegen.“ Die EZB hatte in der vergangenen Woche insgesamt 82,6 Milliarden Euro vergeben, was Analysten als enttäuschend bewerteten.

Sollte die Nachfrage anziehen, wolle man mit dem Instrument sicherstellen, dass die Geldhäuser zu sehr günstigen Bedingungen Kredite an Unternehmen vergeben können, erklärte Draghi. Der EZB-Chef zeigte sich zuversichtlich, dass Käufe von Kreditverbriefungen (ABS) die Dynamik am Kreditmarkt verbessern können. Immerhin sei zuletzt bereits eine leichte Verbesserung der Kreditvergabe zu beobachten gewesen, meinte Draghi.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Mit Blick auf die wirtschaftliche Erholung sieht der EZB-Präsident eine nachlassende Dynamik im Euroraum. Es gebe Risiken, dass die Konjunktur weiter an Schwung verlieren könnte. Die Arbeitslosigkeit bleibe inakzeptabel hoch. Er forderte die Regierungen der Mitgliedsstaaten erneut zu Strukturreformen auf. „Ohne Strukturreformen bleibt die Geldpolitik unwirksam.“

Die EZB sei bereit, die Geldpolitik – falls notwendig – mit anderen außergewöhnlichen Maßnahmen weiter zu lockern, wiederholte Draghi zuletzt getroffene Aussagen. In der Öffentlichkeit wurde vor allem über den breit angelegten Kauf von Staatsanleihen diskutiert.

Beim Zinssatz sei man hingegen am unteren Ende angekommen, sagte Draghi. Die EZB hatte am Monatsanfang den Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt. Die Geldpolitik wird voraussichtlich sehr lange locker bleiben, so Draghi.

Mit ihren jüngsten Maßnahmen habe die EZB keine Schwächung des Wechselkurses beabsichtigt, versicherte der Notenbankchef. „Der Wechselkurs ist kein Ziel der Geldpolitik.“ Allerdings stellte Draghi klar, dass der Wechselkurs wichtig für die Preisstabilität ist. Infolge der jüngsten EZB-Maßnahmen war der Euro deutlich unter Druck geraten und am Montag im Handelsverlauf auf ein 14-Monatstief von 1,2821 US-Dollar gefallen.

Der französische Notenbankchef Christian Noyer hatte zuletzt gefordert, dass man den Euro weiter drücken müsse.

Von

dpa

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