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08.09.2011

14:35 Uhr

Drastischer BIP-Einbruch

Griechenlands Wirtschaft im freien Fall

Griechenland stürzt immer tiefer in die Krise: Jüngste Daten machen schlimmste Befürchtungen wahr. Der Wirtschaft des Landes geht es schlechter als erwartet. Wie werden die Euro-Partner nun reagieren?

Akropolis in Athen. ap

Akropolis in Athen.

AthenDie Wirtschaftsleistung Griechenlands ist im zweiten Quartal drastisch eingebrochen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sackte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,3 Prozent ab, wie das griechische Statistikamt am Donnerstag mitteilte.

Damit fiel der Rückgang des BIP höher aus als erwartet. Die Statistiker hatten ihn bisher auf 6,9 Prozent geschätzt. Sie revidierten zudem ihre Zahl für das ersten Quartal nach unten. Demnach schrumpften die griechische Wirtschaft im Zeitraum von Januar bis März im Vorjahresvergleich um 8,1 Prozent.

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In Bundesregierung, EU-Kommission und EZB wachsen die Zweifel, dass Griechenland seinen versprochenen Beitrag zur Sanierung der Staatsfinanzen leisten wird. Doch was passiert, wenn sich Athen nicht bewegt?

Die griechische Regierung warnte vor kurzem, die Wirtschaft des Landes werde in diesem Jahr um fünf Prozent schrumpfen - zuvor war sie noch von 3,5 Prozent ausgegangen. Der von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds auferlegte strenge Sparkurs verschärfe den Abschwung noch.

Die Daten machen der Regierung das leben zusätzlich schwer, denn sie muss den Euro-Partnern glaubhaft versichern, dass sie ihren Reformkurs nicht nur anpackt und forsetzt, sondern auch forciert. Ansonsten bliebe neue Hilfe versagt. Das würde dann allerdings den Mittelmeerstaat gefährlich nahe an die Pleite bringen.

Planspiel: Euro-Zone ohne Griechenland

Welche Folgen hätte ein Austritt Griechenlands aus dem Euro?

Die konkreten ökonomischen Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands sind kaum vorhersehbar, da es eine vergleichbare Situation bisher noch nicht gegeben hat. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen sowohl für Griechenland als auch für die anderen Länder des Währungsraums verheerend wären. Experten befürchten schwere Konsequenzen für den europäischen Bankensektor - dem Hauptkreditgeber Griechenlands. Und da keine entwickelte Volkswirtschaft ohne gesunde Banken auskommen kann, würden auch Verbraucher und Unternehmen stark getroffen werden.

Welche Folgen würden sich für Griechenland ergeben?

Für Griechenland würde ein Euro-Austritt vermutlich den wirtschaftlichen Zusammenbruch bedeuten. Ohne Euro müssten die Hellenen wieder ihre alte Währung Drachme einführen, die vermutlich drastisch abwerten würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugute kommen.

Was würde sich am Schuldenstand Athens ändern?

Die in Euro aufgenommenen Altschulden würden infolge der Abwertung der neuen eigenen Währung drastisch steigen. „Selbst ein starker Schuldenschnitt würde Griechenlands Probleme dann nicht lösen, da das Land über Jahre hinweg vom Kapitalmarkt abgeschnitten wäre“, unterstreicht ein HSBC-Experte. Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher schon.

Ist ein Austritt Griechenlands im Interesse anderer Euro-Länder?

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht. An den Finanzmärkten würden nach einem Euro-Austritt Griechenlands wohl schnell andere finanzschwache Länder unter starken Druck geraten, möglicherweise auch wirtschaftsstarke Länder. Denn letztlich könnte sich kein Investor mehr darauf verlassen, dass nicht auch andere Länder - möglicherweise in Verbindung mit einem Schuldenschnitt - aus dem Euroraum ausscheren. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden vermutlich drastisch steigen, und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraums ins Wanken geraten.

Kommentare (23)

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Kaumzuglauben

08.09.2011, 14:46 Uhr

"Der Wirtschaft des Landes geht es schlechter als erwartet."

Von wem erwartet? Von der unfähigen Presse oder den inkompetenten, dummdreisten Politikern?

Das Volk schläft nicht - es ist nur noch nicht aufgebrochen!

Account gelöscht!

08.09.2011, 14:47 Uhr

Jeder der dort war, hat es selbst gesehen: Die Griechen sparen sich kaputt. Und mit 23% Mehrwertsteuer geht nichts mehr. Die Menschen sind Plaeite. Nur die Reichen haben noch Geld.
Und wenn die Steuern zahlen, geht es auch aufwärts. Vorher nicht. Ist aber in der gesamten EU so.

Jupiter

08.09.2011, 14:55 Uhr

Griechenland verfügt über 111 Tonnen Gold, Da braucht es keinen Rettungsschirm.

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