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14.09.2011

11:42 Uhr

Düstere RWI-Prognose

Deutschland steuert der Rezession entgegen

Euro-Schuldenkrise und Turbulenzen an den Finanzmärkten zeigen Wirkung: Das RWI schraubt seine Konjunkturprognose für 2012 auf nur noch ein Prozent herunter. Deutschlands wirtschaftlicher Erfolg hängt am seidenen Faden.

Arbeit am Hochofen. Der deutschen Wirtschaft droht ein Einbruch. dpa

Arbeit am Hochofen. Der deutschen Wirtschaft droht ein Einbruch.

Berlin/LuxemburgDie wirtschaftliche Erfolgsgeschichte in Deutschland steht nach Ansicht der Essener Forschungsinstituts RWI auf der Kippe. „Die Rezessionsgefahr hat sich vergrößert“, warnte das von dem Wirtschaftsweisen Christoph Schmidt geleitete Institut in seiner am Mittwoch vorgelegten Prognose. Zum einen verunsichere die Staatschuldenkrise im Euro-Raum Verbraucher und Unternehmen. „Zum anderen haben die Spannungen im Finanzsektor wieder spürbar zugenommen, die jederzeit auf die Realwirtschaft durchschlagen können.“ Zugleich gefährde die Europäische Zentralbank (EZB) mit dem forcierten Ankauf von Staatspapieren auf mittlere Sicht die Preisniveaustabilität, kritisierte das Institut.

„Bei einem neuerlichen drastischen Einbruch des Welthandels würde die deutsche Wirtschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit zurück in eine Rezession fallen“, heißt es in der Untersuchung.

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftforschung (RWI) stutzte wie bereits zuvor das Kieler IfW und das Hamburger HWWI seine Prognosen zurück. So erwarten die Essener für dieses Jahr nur noch ein Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent. Im Juni waren sie noch von 3,7 Prozent ausgegangen. Für 2012 prognostiziert das RWI eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von 1,0 Prozent, nachdem es bislang noch 1,7 Prozent vorausgesagt hatte. Das Wachstum in diesem Jahr sei zudem im Wesentlichen dem kräftigen statistischen Überhang aus dem Vorjahr und dem starken ersten Quartal zu verdanken: „Für das zweite Halbjahr 2011 und für 2012 sind nur geringe Zuwächse zu erwarten.“

Konjunkturindikatoren

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklima

Der GfK-Konsumklimaindex soll die Konsumneigung der Privathaushalte abbilden. Hierfür befragt das Institut monatlich 2000 repräsentativ ausgewählte Personen über ihr Anschaffungs- und Sparneigung auf Sicht von 12 Monaten sowie über ihre Erwartungen zur Gesamtwirtschaftlichen Situation.

Geldmenge M1

Das Geldmengenaggregat M1 umfasst den Bargeldumlauf und Sichteinlagen (jederzeit verfügbare Einlagen, zum Beispiel auf Girokonten). Sie ist ein Indikator für die Transaktionshäufigkeit in einer Volkswirtschaft. Steigt die Geldmenge M1, so wird in der Regel auch mehr gekauft.

Handelsblatt Prognosebörse

Auf der Handelsblatt Prognosebörse handeln Teilnehmer ihre Erwartungen über die Entwicklung von sechs Konjunkturindikatoren - Bruttoinlandsprodukt, Inflationsrate, Arbeitslosenzahl, Exporte, Bruttoanlageinvestitionen und ifo-Index - über virtuelle Aktien. Der Ansatz stützt sich nicht auf das Wissen einzelner Experten, sondern auf das gesammelte Wissen aller Teilnehmer. Jeder Interessierte kann kostenlos ein Konto eröffnen und von dort Konjunkturindikatoren als Aktien handeln: Je nach seinen persönlichen Erwartungen über die Entwicklung eines Indikators, kauft oder verkauft er Aktien.

Zur düsteren RWI-Prognose gesellen sich auch die schlechten Industrieproduktionszahlen der Eurozone im Juli. Die Zahlen stiegen weniger stark als erwartet. Im Vergleich zum Vormonat sei die Produktion um 1,0 Prozent geklettert, teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch in Luxemburg mit. Volkswirte hatten mit einem Anstieg um 1,5 Prozent gerechnet. Im Juni war die Produktion noch um revidierte 0,8 (zunächst 0,7) Prozent gefallen.

Im Jahresvergleich erhöhte sich die Produktion im Juli um 4,2 Prozent. Auch hier wurden die Markterwartungen von 4,6 Prozent verfehlt. Der Produktionszuwachs im Vormonat wurde zudem von 2,9 Prozent auf 2,6 Prozent nach unten revidiert.

Kommentare (10)

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1qa2ws

14.09.2011, 12:02 Uhr

Bei dem Inhalt halte ich die Überschrift für grob fahrlässig. Der Artikelschreiber ist sich offensichtlich nicht dessen bewusst, dass ein Rückgang auf sehr hohem Niveau keine Rezession bedeutet. Unverantwortlich, sich für so eine Überschrift zu entscheiden !!!!!!!!!!

PRhodan

14.09.2011, 12:04 Uhr

Selten so einen dümmlichen Kommentar gelesen! Dass Mexiko ein Pleiteland sei, zeugt von völliger Unkenntnis des Verfassers. Pleite ist der größte Handelspartner Kanadas, nämlich die USA (noch pleiter als Griechenland sagt man), und das werden die angeblich nur für sich und ihr Land arbeitenden Kanadier bald spüren. Ich unterstelle mal, dass der durchschnittliche Kanadier über mehr ökonomischen Sachverstand und einen deutlich höheren IQ verfügt als der Verfasser dieses Kommentars!

insider

14.09.2011, 12:06 Uhr

RWI?was ist das?HWWI,IFO,ZEW....wer braucht das alles?die bekommen doch alle Steuergelder und denken dass sie die Glaskugel für die Zukunft haben.

vor 3 Monaten waren alle bei Prognosen von 3%plus und jetzt?

Dummer Lemming Effekt!!!!
Lächerlich,vor solchen hab ich null respekt,trotz feinsten steuerfinanzierten Anzügen und Krawatten

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