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22.05.2014

09:49 Uhr

Einkaufsmanagerindex

Deutsche Industrie mit Gegenwind

Die deutschen Dienstleister profitieren derzeit von der guten Beschäftigungslage, sie legen so stark zu wie seit drei Jahren nicht mehr. Die Industrie dagegen leidet unter der schwächelnden Weltkonjunktur.

Ein Mitarbeiter montiert einen Zylinderkopf an einem Dieselmotor in Magdeburg: Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie fiel im Mai überraschend um 1,2 auf 52,9 Punkte. dpa

Ein Mitarbeiter montiert einen Zylinderkopf an einem Dieselmotor in Magdeburg: Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie fiel im Mai überraschend um 1,2 auf 52,9 Punkte.

BerlinDie deutsche Industrie bekommt die schwächere Weltkonjunktur zu spüren. Die Dienstleister kommen hingegen wegen der guten Beschäftigungslage immer besser in Schwung. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie fiel im Mai überraschend um 1,2 auf 52,9 Punkte, teilte das Markit-Institut am Donnerstag mit. Das ist der niedrigste Wert seit einem halben Jahr. Dennoch hielt sich das Barometer über der 50-Punkte-Marke, ab der es Wachstum signalisiert. Von Reuters befragte Ökonomen hatten 54,0 Zähler erwartet. „In der Industrie schwächte sich das Wachstum nach einem wetterbedingten Boom zum Jahresanfang leicht ab, was jedoch dem verbreitet starken Aufschwung keinerlei Abbruch tut“, sagte Markit-Experte Oliver Kolodseike.

Die Geschäfte der deutschen Dienstleister legten dagegen so stark zu wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Dieses Barometer kletterte um 1,7 auf 56,4 Punkte. Experten hatten hier einen leichten Rückgang erwartet.

Die neuen Wachstumsmärkte der deutschen Exporteure

Malaysia

Fast fünf Prozent Wachstum jährlich werden dem aufstrebenden Land bis 2025 vorausgesagt. Im gleichen Zeitraum könnte sich das Bruttoinlandsprodukt verdoppeln. Ein Grund dafür ist die wachsende Wettbewerbsfähigkeit. Im internationalen Standort-Vergleich des World Economic Forum belegt Malaysia Platz 25, knapp hinter Deutschlands wichtigstem Handelspartner Frankreich (21), aber noch vor China (29) und Italien (42). "Malaysia ist eine der offensten Volkswirtschaften der Welt", lobt das Prognos-Institut.

Indonesien

Das muslimisch geprägte Land lockt mit einem riesigen Binnenmarkt: Indonesien ist gemessen an der Bevölkerung die Nummer vier der Welt. 240 Millionen Einwohner leben hier. Bis 2060 wird Indonesien zur sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt aufrücken und Deutschland überholen, sagt die Industriestaaten-Organisation OECD voraus. "Das rohstoff- und bevölkerungsreiche Land wird 2012 und 2013 um mehr als sechs Prozent wachsen", prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Die Wirtschaft des Inselreichs profitiert von niedrigen Zinsen und einer niedrigen Inflation."

Kolumbien

Reiche Rohstoffvorkommen von Kohle über Öl und Gold bis zu Seltenen Erden, die Öffnung der Volkswirtschaft und nicht zuletzt eine deutlich verbesserte Sicherheitslage durch die Friedensgespräche mit den marxistischen FARC-Rebellen lassen auch hier ein jährliches Wirtschaftswachstum um die fünf Prozent erwarten. Für die Weltbank zählt Kolumbien zur Spitzengruppe in den lateinamerikanischen Staaten, wenn es um den Schutz geistigen Eigentums und Regulierung geht. "Das Land wird damit für ausländische Investoren interessanter", so der DIHK. Zusätzliche Impulse kommen von dem in Kraft getretenen Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union. Der DIHK hält deshalb sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten Steigerungsraten von mehr als 20 Prozent für möglich.

Peru

Noch mehr Wachstum wird Peru vorausgesagt: Sechs Prozent kann die Wirtschaftsleistung dort pro Jahr zulegen. Auch Peru hat ein Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet und verfügt über viele Rohstoffe. Der DIHK hält deshalb ein Ausweitung des Handels um mehr als 20 Prozent für möglich. Besonders gefragt sein dürften Fahrzeuge. Dieser Markt lockt dem Prognos-Institut zufolge mit jährlichen Steigerungsraten von sieben Prozent.

Tunesien

Das World Economic Forum hält Tunesien, wo der arabische Frühling begann, für das wettbewerbsfähigste Land Afrikas. "Zu den größten Pluspunkten gehören die geografische Nähe zu Europa, eine belastbare Infrastruktur sowie die günstigen Lohnkosten", betont das Prognos-Institut. "Das Bildungssystem ist im regionalen Vergleich gut ausgebaut. Zudem haben zahlreiche Tunesier im Ausland studiert."

Vietnam

Schon jetzt zählt das asiatische Land mehr Einwohner als Deutschland, 2025 sollen es fast 100 Millionen sein. "Die konsumfreudige und zunehmend kaufkräftige Bevölkerung verspricht ein gewaltiges Absatzpotenzial: In kaum einem anderen Land Asiens wächst die Mittelschicht schneller als in Vietnam", so das Prognos-Institut. Mehr als sechs Prozent jährlich soll das Bruttoinlandsprodukt zulegen. Vietnam verfügt über unzählige billige Arbeitskräfte. Viele Unternehmen haben ihre Produktion deshalb schon aus dem teurer werdenden China in das Nachbarland verlagert.

„Die bisherigen Daten für das zweite Quartal deuten darauf hin, dass die Wirtschaftsleistung weiter solide wachsen wird“, sagte Kolodseike. Garant dafür ist der robuste Binnenmarkt. So schufen die Unternehmen in der gesamten Privatwirtschaft im Mai so viele neue Stellen wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Im ersten Quartal war Europas größte Volkswirtschaft um 0,8 Prozent gewachsen. Für das Frühjahr wird ein Plus von etwa 0,4 Prozent erwartet.

Von

rtr

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