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23.08.2011

09:36 Uhr

Einkaufsmanagerindex

Deutsche Industrie schlägt sich besser als erwartet

Die Erwartungen der deutschen Industriemanager im August 2011 fielen besser aus als von Analysten erwartet. Weniger erfreulich war der Ausblick der Dienstleister.

Ein Containertransporter fährt im Hamburger Hafen. dpa

Ein Containertransporter fährt im Hamburger Hafen.

BerlinDie deutsche Wirtschaft hat im August weiter an Schwung verloren. Während die Industrie ihren Abwärtstrend stoppte, kam die Erholung der Dienstleister fast zum Stillstand, wie am Dienstag aus einer Markit-Umfrage unter 1000 Firmen hervorging. Der kurzfristige Ausblick habe sich eingetrübt, und erstmals seit rund zwei Jahren sei das Neugeschäft geschrumpft. „Damit steigt das Risiko, dass Deutschland auf dem Weg ist, das schwache Wachstum aus dem zweiten Quartal zu wiederholen“, sagte Markit-Experte Tim Moore.

Der an den Finanzmärkten viel beachtete Composite-Index sank im August nach vorläufigen Berechnungen auf 51,3 von 52,5 Punkten. Dies signalisierte, dass die Privatwirtschaft zwar über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern lag, aber so schwach zulegte wie zuletzt im Juli 2009.

Konjunkturindikatoren

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Geldmenge (M1)

Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

 

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklimaindex

Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

 

Die Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal nur noch minimal um 0,1 Prozent, nach kräftigen 1,3 Prozent zum Jahresauftakt. Vor allem die boomende Industrie musste zuletzt ihre Erwartungen herunterschrauben, da sich das globale Umfeld verschlechtert hat. Der Markit-Index für die Industrie blieb jedoch unverändert bei 52,0 Punkten, von Reuters befragte Experten hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf 50,8 Prozent gerechnet . Die Firmen verbuchten den zweiten Monat in Folge sinkende Aufträge. Dennoch beschleunigte sich der Stellenaufbau leicht.

Die Daten sind auch deshalb interessant, weil für den Einkaufsmanagerindex große Unternehmen befragt werden. Diese sind besonders stark vom Außenhandel abhängig. Experten fürchten, dass die Rezessionsangst in den USA und den Peripherieländern der Eurozone die Exportnachfrage deutlich schwächen könnte.

Diese pessimistische Einschätzung wird jedoch nicht von allen geteilt. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag rechnet bei den deutschen Exporten und Importen in diesem und dem nächsten Jahr weiter mit Rekorden. Der Verband teilte am Dienstag mit, er erwarte 2011 ein Plus bei den Ausfuhren von elf Prozent, das im nächsten Jahr leicht auf neun Prozent zurückgehen dürfte. Der Zuwachs bei den Importen werde in diesem und im nächsten Jahr jeweils elf Prozent betragen. Ähnlich stark werde auch der Welthandel mit neun Prozent in diesem und elf Prozent im nächsten Jahr zulegen. „Bei Ein- und Ausfuhren winken damit in diesem und im nächsten Jahr wieder neue Rekordwerte“, erklärte der DIHK. Das Wachstum der Weltwirtschaft werde 3,9 Prozent in diesem und 4,1 Prozent im nächsten Jahr erreichen, teilte der DIHK mit.

Weniger optimistisch als die Industrie sind hingegen die Dienstleister. Hier gab es bei den Erwartungen einen kräftigen Dämpfer. Der Index sackte auf 50,4 von 52,9 Punkten und damit auf den tiefsten Stand seit 25 Monaten. Die jüngsten Einbrüche an den Aktienmärkten und die Schuldenkrise in Europa sorgten dafür, dass die Service-Firmen erstmals seit April 2009 wieder skeptisch auf die nächsten zwölf Monate blickten. Diese Komponente rutschte unter die 50-Punkte-Marke und verzeichnete mit rund acht Zählern den größten Rückgang binnen Monatsfrist seit Beginn der Umfrage im Juni 1997.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Pendler

23.08.2011, 11:01 Uhr

Also das mag zwar alles stimmen, dass wir usn noch besser schlagen, als die anderen. Trotzdem werde ich den Verdacht nicht los, dass diese Daten bewusst geschönt werden, damit wir die €-Bonds besser schlicken sollen.

Auch als das II. Reich seine 1. Feldzüge unternahm, gab es am Anfang viele positive Nachrichten, genannte Siege und gewonnene Schlachten.

Spätestens wenn wir wieder Italen zur Seite spingen, ohen zu wissen, dass wir es stemmen können, wird sich (wieder) der Abgrund auftun

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