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03.02.2013

10:44 Uhr

Einkaufsmanagerindex

Dienstleister machen Hoffnung auf Erholung in China

Für Chinas Dienstleister geht es aufwärts. Experten sehen in den neuesten Wirtschaftsdaten erste Anzeichen einer Erholung der Konjunktur. Vor allem drei Branchen geht es wieder besser.

Greifen wieder öfter zu: Konsumenten in China. dpa

Greifen wieder öfter zu: Konsumenten in China.

PekingNach dem schwächsten Wachstum seit 13 Jahren mehren sich in Chinas Wirtschaft die Anzeichen für eine allmähliche Rückkehr zu alter Stärke. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor stieg im Januar leicht auf 56,2 Punkte von 56,1 Zählern im Dezember, wie das nationale Statistikamt am Sonntag mitteilte. Damit lag das Barometer für die in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt immer wichtiger werdende Branche den vierten Monat in Folge über der Schwelle von 50 Punkten, ab der ein Wachstum angezeigt wird.

Der Einzelhandel, die Luftfracht und der Schiffsverkehr erreichten sogar mehr als 60 Punkte. Auch der Teilindex für die Baubranche, die eine der stärksten Triebfedern für das Wachstum in China ist, lag trotz eines leichten Rückgangs über dieser Marke. Experten sehen in den jüngsten Konjunkturdaten einen Hinweis dafür, dass Chinas Wirtschaftsmotor wieder moderat beschleunigt, aber weiterhin auf Anschub durch Regierung und Zentralbank angewiesen sein dürfte.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Chinas Wirtschaft war 2012 nur um 7,8 Prozent gewachsen und damit so schwach wie seit 1999 nicht mehr. Für dieses Jahr rechnen Experten mit einem moderaten Anziehen auf 8,1 Prozent. Diese für Europa äußerst üppig anmutenden Wachstumsraten gelten in China als Minimum, um dem jährlichen Ansturm auf den Arbeitsmarkt des Milliardenvolkes Herr zu werden.

China und Deutschland im Zahlenvergleich

Fläche in Quadratkilometern (gerundet)

China: 9.600.000
Deutschland: 357.000

Bewaldete Fläche

China: 22 Prozent
Deutschland: 32 Prozent
(Angaben von 2010)

Landwirtschaftlich genutzte Fläche

China: 56 Prozent
Deutschland: 48 Prozent
(Angaben von 2009)

Einwohner

China: 1.347.000.000
Deutschland: 82.000.000
(Angaben von 2011, Zahlen gerundet)

Lebenserwartung von Frauen

China: 75 Jahre
Deutschland: 83 Jahre
(Angaben von 2009)

Lebenserwartung von Männern

China: 72 Jahre
Deutschland: 77 Jahre
(Angaben von 2009)

Breitband-Internetanschlüsse je 100 Einwohner

China: 8
Deutschland: 31
(Angaben von 2009)

Personenwagen je 1000 Einwohner

China: 27
Deutschland: 502
(Angaben von 2008)

CO2-Emission pro Kopf in Tonnen

China: 5
Deutschland: 10
(Angaben von 2008)

Quellen: Weltbank, CIA, Statistisches Bundesamt, Deutsche Botschaft in Peking, Auswärtiges Amt

Um angesichts von Euro-Krise und schwächelnder US-Wirtschaft unabhängiger vom Export zu werden, gewinnt für das bevölkerungsreichste Landes der Welt sein riesiger Binnenmarkt immer mehr an Bedeutung.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

03.02.2013, 14:59 Uhr

ok, Ihr gebt nicht auf, liebes Handelsblatt. Unermüdlich wird die große weite Welt der "Statistik", und das Sonnensystem gleich dazu, nach irgendwelchen "Aufschwüngen" abgesucht und - trotz aller Mühen (und zeitweisen Versuchen mit Indien, Vietman, Brasilien....) - wieder ständig die alten Hüte "rotiert" China, USA, China, USA,.... - dort wo eben die besten statischen Hütchenspieler wohnen und die besten Zentralbank-Inflationisten. Wie langweilig.
Wie wärs eigentlich zur Abwechslung mal mit dem Mars? Dort wurden bisher noch keine Anzeichen einer Wirtschaftskrise gesichtet und der Markt ist noch völlig unbearbeitet - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Da müßte sich doch was machen lassen.

Account gelöscht!

03.02.2013, 15:29 Uhr

Dienstleister machen Hoffnung auf Erholung in China!
Hafnersp, kann ihnen nur beipflichten, eine sehr interessante sichtweiße des Problems.

waehlerung

03.02.2013, 15:44 Uhr

Stimme zu, das maniehafte herbeireden des herrlichen aufschwungs durch scheinbar den kompletten Propagandaapparat hierzulande erreicht nicht gekannte züge. Eine behandlung dieser Aufschwunglaberer beim Psychiater ist wohl dringend anzuraten. Oder sollen wir alle auf der Straße dreimal Hurra aufschwung schreien ?? sowas beklopptes gabs ja nichtmal in der DDR. Die bankrotten amis werden kaufen , ja ganz bestimmt werden sie das, hach und die chinesen finden flugs zu alter Stärke, aber klar doch ! - gleichwohl muß aber noch mehr Geld gedruckt werden, damit die US Großbanken noch paar Milliarden Gewinn mehr einsacken können und die Konjunktur "unterstützt" wird. Man kann ja nur noch eins hoffen, daß diese ganze West-Gangsterwirtschaft bald im bankrott endet- auf daß der deutsche Export sich verdoppelt !! Dieses Blödgeschwafel ist ja gänzlich unerträglich.

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