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20.01.2015

10:01 Uhr

Einkommen

Tariflöhne in Deutschland steigen kräftig

Die Monatsverdienste der nach Tarif bezahlten rund 19 Millionen Beschäftigten stiegen 2014 um 3,1 Prozent. Dank einer moderaten Inflation profitierten die Arbeitnehmer somit von einer steigenden Kaufkraft.

Nach Tarif bezahlten Arbeitnehmer hatten 2014 mehr Geld im Portemonnaie. dpa

Nach Tarif bezahlten Arbeitnehmer hatten 2014 mehr Geld im Portemonnaie.

BerlinDie nach Tarif bezahlten Arbeitnehmer in Deutschland haben im vergangenen Jahr vom größten Einkommensplus seit mindestens 2011 profitiert. Die Monatsverdienste dieser rund 19 Millionen Beschäftigten stiegen um 3,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Klammert man Sonder- und Einmalzahlungen aus, lag das Plus bei 2,9 Prozent.

Da die Inflation vor allem wegen der günstigen Energie 2014 mit 0,9 Prozent vergleichsweise moderat blieb, profitierten die Arbeitnehmer von einer steigenden Kaufkraft. Das gewerkschaftsnahe WSI-Institut der Hans-Böckler-Stiftung hatte jüngst das Reallohnplus der Tarifbeschäftigten auf 2,2 Prozent geschätzt. Einen größeren Anstieg hatte es zuletzt 1999 gegeben.

Wer nicht vom Mindestlohn profitiert

Seit wann gilt der Mindestlohn und wer profitiert davon?

Der flächendeckende gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro gilt seit dem 1. Januar 2015 Kraft und gilt grundsätzlich für alle Branchen und Regionen - in Ost und West gleichermaßen. Sind in einzelnen Branchen aber Vereinbarungen getroffen worden, die unterhalb der 8,50 Euro liegen, können diese noch bis Ende 2016 fortbestehen.

Jugendliche

Ausgenommen vom Mindestlohn werden unter 18-Jährige. Durch die Altersgrenze soll vermieden werden, dass sich junge Leute einen Job suchen anstatt eine - in der Regel schlechter bezahlte - Ausbildung zu absolvieren.

Langzeitarbeitslose

Wer nach mindestens zwölfmonatiger Arbeitslosigkeit einen neuen Job bekommt, hat in den ersten sechs Monaten keinen Anspruch auf den Mindestlohn. Damit soll der Anreiz für Arbeitgeber erhöht werden, Erwerbslose einzustellen. Die Bundesregierung will aber überprüfen, ob diese Ausnahme die Beschäftigungschancen von Langzeitarbeitslosen tatsächlich erhöht.

Ehrenamtliche und Praktikanten

Nicht gelten soll der Mindestlohn auch für ehrenamtlich Tätige sowie Praktikanten, die im Rahmen einer Aus- oder Weiterbildung ein Pflichtpraktikum absolvieren. Auch wer ein freiwilliges Praktikum zur beruflichen Orientierung macht, das nicht länger als drei Monate dauert, hat keinen Anspruch auf Mindestlohn.

Zeitungsausträger und Saisonarbeiter

Bei den Saisonarbeitern in der Landwirtschaft sollen die Arbeitgeber die Kosten für Unterkunft und Verpflegung von Saisonarbeitern auf den Mindestlohn anrechnen können. Zudem soll die Grenze für eine sozialabgabenfreie Beschäftigung von 50 auf 70 Tage angehoben werden. Für Zeitungsausträger soll es eine dreijährige Übergangszeit geben: 2015 darf der Mindestlohn um 25 Prozent unterschritten werden, 2016 noch um 15 Prozent. 2017 soll dann der Mindestlohn von 8,50 Euro gelten - auch wenn dann in den anderen Branchen bereits ein höherer Betrag gelten sollte.

Wer kontrolliert die Einhaltung des Mindestlohns?

Der Zoll und andere Behörden können in den Unternehmen kontrollieren, ob tatsächlich der Mindestlohn gezahlt wird. Die Behörden dürfen dafür auch Arbeitsverträge oder Geschäftsunterlagen einsehen. Dafür soll das Personal der Zollverwaltung aufgestockt werden, Berichten zufolge um 1600 Mitarbeiter. Arbeitgebern, die gegen das Mindestlohngesetz verstoßen, droht ein Bußgeld.

Wann könnte der Mindestlohn steigen?

Über die künftige Höhe soll eine Kommission entscheiden, der neben dem Vorsitzenden sechs weitere stimmberechtigte Mitglieder angehören - je drei von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Das Gremium soll bis Mitte 2016 über eine etwaige Erhöhung zum 1. Januar 2017 entscheiden. Die Koalition nahm hier in letzter Minute eine Korrektur vor, zunächst war die Anhebung erst für 2018 geplant. Entsprechend der Forderung von Arbeitgebern und Gewerkschaften soll die Kommission alle zwei Jahre über eine Anhebung entscheiden - ursprünglich war dies jährlich geplant.

Was ändert sich für bestehende Tarifverträge?

Künftig soll es leichter sein, den Tarifvertrag für eine Branche für allgemeinverbindlich zu erklären. Voraussetzung wird nur noch sein, dass die Sozialpartner und Spitzenverbände dies für erforderlich halten und es im öffentlichen Interesse liegt. Bislang galt, dass in der jeweiligen Branche für mindestens die Hälfte der Beschäftigten eine Tarifbindung besteht - das heißt, dass die jeweiligen Firmen einem Arbeitgeberverband angehören.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Herr Daniel Huber

20.01.2015, 10:42 Uhr

Die Eurokrise ist aus meiner persönlichen Sicht nur dadurch zu lösen, dass Deutschland die Lohnstückkosten massiv, sprich die Löhne und Gehälter mind. um 20% erhöht und die Unternehmen besteuert. Ebenso sollte wieder eine Vermögenssteuer eingeführt werden.
Sollten die EU und vor allem Deutschland von Frankreich, Italien und Spanien die gleichen Reformen wie Agenda 2010, Rentenkürzung usw. einfordern, werden wir in der Eurozone noch eine viel höhere Arbeitslosigkeit zu verzeichnen haben. Die Franzosen werden dann spästens 2017 das Projekt Euro durch ihre Wählerstimme beenden. Nämlich dann, wenn Frau Le Pen die Wahlen gewinnt. Nicht die anderen Staaten müssen sich in den Lohnstückkosten Deutschland anpassen, sondern Deutschland muss sich den Lohnstückkosten Frankreichs und Italiens anpassen und diese übertreffen. Nur dann ist der Euro und die EU noch zu retten, weil nur dann die anderen wettbewerbsfähiger gegenüber uns werden können, und auch nur dann ihre Schulden über kurz oder lang zurückführen können. Eine zweite Möglichkeit wäre der deutsche Austritt aus der EU und Aufgabe des Euros und Wiedereinführung der D-Mark.
Der Euro und die EU wird nur funktionieren, wenn wir endlich unsere Handelsüberschüsse zurückfahren und ein alternatives Geschäftsmodell als das jetzlige etablieren. Wenn sich nämlich keine Schuldner mehr für deutsche Exportprodukte finden lassen, wenn sich niemand mehr im Ausland für unser Wirtschaftsmodell Export verschulden will oder wegen Überschuldung kann, dann können wir unsere Forderungen gegenüber unseren Schuldnern endgültig abschreiben, geschweige denn, dass überhaupt noch eine weitere Importnachfrage nach unseren Exporten besteht.

Deshalb ist es so elemtar wichtig, endlich zu begreifen, dass nicht Südeuropa das Problem der Eurozone ist, sondern Deutschland, welches seit Euroeinführung Lohnstückkostenmässig unter seinen Verhältnissen lebt.
Wir haben durch unsere Agendapolitik, politisch aufdoktrinierter Lohnzurückhaltungert unsere Wettbew

Herr Daniel Huber

20.01.2015, 10:42 Uhr

Wir haben durch unsere Agendapolitik, politisch aufdoktrinierter Lohnzurückhaltungert unsere Wettbewerbsfähigkeit zwar gesteigert, aber gleichzeitig unsere EU-Mitgliedspartner massiv geschwächt.
Deutschlands unverantwortliche Politiker/innen haben durch ihren Reformkurs den eigenen Binnenmarkt zerstört und Europa und den Euro vernichtet.
In den letzten 15 Jahren gab es in D keine Reallohnsteigerungen, Leih- und Zeitarbeit wurde etabliert und massiv ausgebaut, prekäre Beschäftigungsverhältnisse entstanden, Sozial- und Rentenleistungen wurden massiv gekürzt.
Das ist die Wahrheit, warum wir jetzt im Schlamassel stecken.
Um dies mit gesunden Menschenverstand zu erkennen, brauche ich auch nicht studiert zu haben.
Fazit zur Stabilisierung der Eurozone und des Euros:
Massive Erhöhung der Lohnstückkosten in Deutschland, Besteuerung der Unternehmen, Wiedereinführung der Vermögenssteuer für Superreiche.

Account gelöscht!

20.01.2015, 10:46 Uhr

In Deutschland werden in Zukunft keine Löhne in der Masse mehr steigen, da die Grün-Sozialisten mit ihrer marktfeindlichen Politik = EEG und ESM das Ruder in der deutschen Politik und Medienlandschaft übernommen haben.
Die Industrie wird aus Deutschland abwandern und wir werden eine unterbezahlte und ausgebeutete Dienstleistungsgesellschaft werden. Für immer mehr Menschen wird das Leben in Deutschland zum Überlebenskampf. Ganz nach dem Geschmak der Grün-Sozialistsichen Diktatur.

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