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11.11.2014

16:09 Uhr

Einschätzung der Wirtschaftsweisen

Deutschland droht Wachstum von nur einem Prozent

Die fünf Wirtschaftsweisen sind bei ihrer Wachstumsprognose für das kommende Jahr deutlich pessimistischer als die Bundesregierung. Die Konjunkturflaute könnte den Zuwachs auf ein Prozent begrenzen.

Der Wirtschaftsweise Christoph M. Schmidt übergibt 2013 das Konjunkturgutachten an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Im diesjährigen Gutachten zeichnen die Experten ein düsteres Bild für die deutschen Wachstumsaussichten. dpa

Der Wirtschaftsweise Christoph M. Schmidt übergibt 2013 das Konjunkturgutachten an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Im diesjährigen Gutachten zeichnen die Experten ein düsteres Bild für die deutschen Wachstumsaussichten.

BerlinDie Konjunkturflaute in Deutschland könnte nach Einschätzung der fünf Wirtschaftsweisen heftiger ausfallen als bisher befürchtet. Die Top-Berater der Bundesregierung erwarten im nächsten Jahr nur noch ein Wirtschaftswachstum von 1,0 Prozent. Das berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ/Mittwoch) unter Berufung auf das neue Jahresgutachten, das die Professoren an diesem Mittwoch in Berlin Kanzlerin Angela Merkel (CDU) übergeben.

Damit sind die Ökonomen noch pessimistischer als die Regierung, die ihre Vorhersagen zwar auch deutlich reduziert hat, für 2015 immerhin aber noch ein Plus von 1,3 Prozent erwartet. Für das laufende Jahr wollen die Wirtschaftsweisen nun ihre Prognose von 1,9 Prozent auf 1,2 Prozent senken.

Nach einem überraschend guten Start im Frühjahr 2014 habe die Konjunktur einen deutlichen Dämpfer erhalten. Dafür seien die weltwirtschaftlichen Krisen und die schleppende Erholung im Euroraum mitverantwortlich. Die Experten sehen aber auch Fehler bei der großen Koalition: Der eingeschlagene Kurs in der Energiepolitik sowie in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik könne sich negativ ausgewirkt haben.

Um zusätzliche Wachstumsimpulse auszulösen, will Schwarz-Rot nun ein zehn Milliarden Euro umfassendes Investitionsprogramm auflegen - ohne dafür neue Schulden machen zu müssen. Das hatte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in der vorigen Woche angekündigt. Das Ziel eines ausgeglichenen Bundeshaushalts will Schäuble dennoch erreichen.

Für und Wider staatlicher Konjunkturprogramme

Weltweite Krisen...

... und sozialpolitische Weichenstellungen der Bundesregierung haben nach Einschätzung von Ökonomen die deutsche Wirtschaft ausgebremst. Auf der IWF-Jahrestagung ist die weltweit lahmende Konjunktur eines der wichtigsten Themen. Soll der Staat bei uns oder anderswo mehr investieren, um gegenzusteuern?

Pro: Mehr Aufträge

Mehr öffentliches Geld etwa für die Sanierung maroder Straßen, den Ausbau moderner Datennetze oder die Energiewende würden Bauwirtschaft und Handwerk Aufträge verschaffen. Das sichert auch Arbeitsplätze.

Pro: Mehr Konsum

Der Staat könnte Steuern und Abgaben senken, damit Haushalte und Unternehmen mehr konsumieren und investieren.

Pro: Mögliche Initialzündung

Idealerweise wird ein staatlicher Investitionsschub zur Initialzündung für die gesamte Konjunktur und bringt den Wachstumsmotor in Schwung.

Contra: „Konjunkturelle Strohfeuer“

Ein Mehr an staatlichen Investitionen ist keine Gewähr für dauerhaftes Wachstum. Kritiker sprechen von „konjunkturellen Strohfeuern“.

Contra: Staat holt Geld an anderer Stelle

Gibt der Staat an einer Stelle mehr Geld aus, muss er dies an anderer Stelle wieder reinholen. Schließlich will die Bundesregierung schon 2015 möglichst keine neuen Schulden machen.

Contra: Steigende Kreditzinsen

Staatliche Konjunkturprogramme können sogar nach hinten losgehen: Die Aussicht auf einen Anstieg des Staatsdefizits könnte die Kreditzinsen steigen lassen und so private Investitionen vermindern.

Der Arbeitsmarkt in Europas größter Volkswirtschaft ist laut dem Gutachten unverändert robust. Für 2014 rechnen die Wirtschaftsweisen mit 42,641 Millionen und für 2015 mit 42,795 Millionen Erwerbstätigen - damit soll die Beschäftigung auf Rekordniveau bleiben.

Die Arbeitslosenquote werde in beiden Jahren konstant bei 6,7 Prozent liegen. Der hohe Beschäftigungsstand stütze den Konsum, heißt es in dem gut 404 Seiten starken Gutachten mit dem Titel „Mehr Vertrauen in Marktprozesse“.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Herr Helmut Paulsen

11.11.2014, 17:57 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Manfred Zimmer

11.11.2014, 19:49 Uhr

Die FDP würde sagen, dass dies immerhin um 2 % besser sei als man intern gerechnet habe.

Was sagt denn Gabriel dazu, was hat er in die Wege geleitet und wie war der Erfolg seiner Arbeit?

Soll ich's Ihnen verraten?

Der fragt zurück, wer denn behauptet, dass er etwas gemacht habe.

Sind wir ehrlich. Die Wirtschaftsweisen könnten ihre Einschätzung auch beim Papst abgeben. In den Bundesregierungen weiß doch keiner etwas damit anzufangen. Verwendung finden diese Reports doch nur politisch, wenn Erfolgsmeldungen der Wirtschaft sich in diesen Zusammenfassungen ausdrücken.

Kein Wirtschaftsunternehmen lässt sich von diesen Lehrern und Beamten in das Management hineinreden. Es ginge auch nicht, es wäre unverantwortlich.

Herr Old Harold

12.11.2014, 14:37 Uhr

Welch fürchterliche Bedrohung! Nur 1 % Wachstum??

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