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17.06.2015

18:53 Uhr

Ela-Kredite

EZB hält Nothilfen für griechische Banken aufrecht

Griechische Banken können weiter mit frischem Geld der Europäischen Zentralbank rechnen. Die EZB soll Insidern zufolge die Obergrenze für Liquiditätshilfen der Athener Notenbank erneut angehoben haben.

Der Geldhahn bleibt für griechische Banken weiter offen. AFP

Mario Draghi

Der Geldhahn bleibt für griechische Banken weiter offen.

AthenDie Europäische Zentralbank (EZB) versorgt griechische Banken einem Insider zufolge weiter mit frischem Geld. Die EZB habe die Obergrenze für Liquiditätshilfen der Athener Notenbank für die Institute des Landes um 1,1 Milliarden Euro auf 84,1 Milliarden Euro angehoben, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch aus Finanzkreisen. Geldhäuser von Athen bis Tessaloniki sind in großem Umfang auf diese Geldspritzen angewiesen, die im Fachjargon "ELA" (emergency liquidity assistance) genannt werden. Denn wegen des ungelösten Schuldenstreits haben Bankkunden inzwischen Milliarden von ihren Konten abgezogen. Allein am Montag flossen von griechischen Bankenkonten rund 400 Millionen Euro ab.

Die Positionen im Schuldenstreit

Die Geldgeber fordern... I

- die Privatisierung öffentlicher Betrieb
- eine grundlegende Reform der Alterssicherung und die Senkung der Renten
- die Erhöhung der Mehrwertsteuern in zwei Stufen

Die Geldgeber fordern... II

- das Ende der MWS-Vorzugsbehandlung für die Touristeninseln

- eine Erhöhung des MWS-Satzes für Energie um zehn Prozent
- den Abbau des Arbeitnehmerschutzes, insbesondere die Öffnung von Tarifverträgen und Lohnsenkungen

Die Geldgeber fordern... III

- einen Primärüberschuss (ohne Schuldzinsen) im Haushalt 2015 von 1,0 Prozent des BIP, nachdem zuvor für 2015 ein Primärüberschuss von 3,0 Prozent und für 2016 und 2017 sogar von 4,5 Prozent verlangt worden waren, um die Staatsschuldenquote bis 2020 von 180 Prozent auf 124 Prozent des BIP zu senken

Griechenland bietet... I

- eine Fusion der Rentenkassen und die Abschaffung von Frührenten, aber keine generelle Senkung der schon um 40 Prozent gekürzten Renten
- einen Primärüberschuss 2015 von 0,75 Prozent des BIP, nachdem Athen zuvor selbst schon 1,0 Prozent angeboten haben soll

Griechenland bietet... II

- eine dreistufige Mehrwertsteuer mit Sätzen von 7, 13 und 23 Prozent
- eine begrenzte Privatisierung von Staatsbetrieben

Zudem fordert Griechenland... I

- Steuerprivilegien für die Ägäis-Inseln möglichst zu bewahren
- sollte es keine andere längerfristige Lösung geben, die Verlängerung des laufenden Rettungsprogramms bis März 2016

Zudem fordert Griechenland... II

- die Umwidmung von nicht genutzten 10,9 Milliarden Euro aus dem Programm der Rekapitalisierung der Banken für die Haushaltssanierung
- die Umlegung der in den kommenden Jahren fällig werdenden Anleihen Griechenlands bei der EZB auf den Rettungsfonds ESM und die Koppelung der dort ab 2021 fälligen Zins- und Tilgungszahlungen an das Wachstum

Um ELA-Kredite zu erhalten, reichen die Institute griechische Staatspapiere oder vom Staat garantierte Bankanleihen als Pfänder bei ihrer heimischen Notenbank ein - nicht bei der EZB. Diese finanziert Hellas-Banken seit einigen Monaten nicht mehr direkt, da sie griechische Papiere mit schwacher Bonität nicht mehr akzeptiert. Die ELA-Hilfen werden aber von der EZB genehmigt, die inzwischen wöchentlich über den Gesamtrahmen für diese Notkredite entscheidet. So hält sie den Druck auf die griechische Regierung aufrecht, mit den Kreditgebern des Landes eine Lösung im Schuldenstreit zu finden.

Von

rtr

Kommentare (1)

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aza azaziel

17.06.2015, 20:56 Uhr

Zitat: " So hält sie den Druck auf die griechische Regierung aufrecht, mit den Kreditgebern des Landes eine Lösung im Schuldenstreit zu finden."

Wie? Die EZB haelt den Druck aufrecht, indem sie das aus Griechenlands Banken stroemende Geld sofort ersetzt? Gegen griechische Staatsanleihen als Pfand?

Soll ich mein Diplom zureuckgeben? Ich verstehe hier offenbar etwas nicht richtig!

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