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13.03.2014

11:43 Uhr

Erlös geht an Finanzministerium

Bundesbank steigert Gewinn auf 4,6 Milliarden Euro

Die Deutsche Bundesbank erholt sich von der Euro-Krise: Die Notenbank erzielte im vergangenen Jahr einen Gewinn von 4,6 Milliarden Euro – deutlich mehr als von Finanzminister Wolfgang Schäuble erwartet.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann überlässt den kompletten Gewinn dem Finanzministerium. Reuters

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann überlässt den kompletten Gewinn dem Finanzministerium.

FrankfurtDie Deutsche Bundesbank hat ihren Gewinn im vergangenen Jahr auf 4,6 Milliarden Euro gesteigert. Das teilte die Notenbank am Donnerstag mit. Anders als in den vergangenen drei Jahren wird der Erlös komplett an das Finanzministerium überweisen.

Damit kassiert Wolfgang Schäubles Ministerium deutlich mehr Euro als kalkuliert. Der Finanzminister hatte im bisherigen Etatplan für 2014 eine Überweisung aus dem Bundesbank-Gewinn von zwei Milliarden Euro unterstellt und für die Folgejahre dann jeweils 2,5 Milliarden.

Dass die Milliarden-Finanzspritze keine Selbstverständlichkeit ist, haben die vergangenen Jahre gezeigt. Von 2011 bis 2013 hatte die Bundesbank wegen der Euro-Krise einen Großteil ihres Gewinns als Sicherheitspuffer selbst einbehalten. Während 2010 noch ein Gewinn von 2,2 Milliarden Euro in der Zentralbankbilanz stand, überwies die Bundesbank ein Jahr später nur noch 643 Millionen Euro an Schäuble. Auch 2012 fiel der Überschuss mit 664 Millionen Euro vergleichsweise gering aus.

Die Bundesbank im Überblick

Aufgaben

Die Bundesbank ist Teil des Eurosystems und damit mitverantwortlich für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie ist die Zentralbank und damit die "Bank der Banken" - bei ihr müssen Banken Mindestreserven einzahlen, um ihr Bankgeschäft betreiben zu dürfen.

Im Auftrag der EZB werden auch Überweisungen abgewickelt und Bargeld gedruckt und verteilt.

Ein weiteres wichtiges Gebiet ist die Überwachung von Banken und ihren Geschäften sowie die Beobachtung der Großwetterlage der Konjunktur und Finanzmärkte.

Verhältnis zur Europäischen Zentralbank (EZB)

Die Bundesbank ist die bedeutendste Notenbank im Euro-Raum mit einem Anteil am eingezahlten Kapital der EZB in Höhe von etwas mehr als 27 Prozent. Viele Dienstleistungen wie der Aufkauf von Staatsanleihen oder die Lagerung von Bargeld-Notreserven erfolgen im Auftrag der EZB.

Jahresüberschuss

Der Überschuss der Bundesbank steht dem Finanzministerium zu. Im Jahr 2012 gab es einen Gewinn in Höhe von 664 Millionen Euro (Vorjahr: 643 Millionen Euro).

Goldbestände

Zu den Währungsreserven der Bundesbank zählen auch Goldbestände. Sie belaufen sich auf 3391 Tonnen und werden von der Bundesbank mit einem Wert von 137,5 Milliarden Euro bilanziert.

Das Gold lagert in Frankfurt (1036 Tonnen), New York (1536 Tonnen), London (445 Tonnen) und Paris (374 Tonnen). Die Goldbestände in Paris sollen nach Deutschland geholt werden.

Mitarbeiter

10.825 Mitarbeiter (9.543 Vollzeitstellen), davon 5417 Beamte und 5408 Tarifbeschäftigte

Standorte

Die Zentrale der Bundesbank ist in Frankfurt. Es gibt außerdem neun Hauptverwaltungen und 41 Filialen, 2011 waren es noch 47 Filialen. Ein weiterer Abbau auf 35 Filialen ist beschlossen – dicht gemacht werden noch Bayreuth, Bremen, Dresden, Gießen, Kiel und Lübeck.

Die Außenstellen sind unter anderem für Bargelddienstleistungen zuständig, entsenden aber auch Prüfer in Banken.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann begründete den niedrigen Gewinn damals mit höheren Risiken der Zentralbank wegen der Euro-Staatsschuldenkrise. So erhöhte die Bundesbank ihre Rückstellung für allgemeine Wagnisse um 6,7 Milliarden auf den Rekordwert von 14,4 Milliarden Euro. „Hiermit wird den Risiken in der Bundesbankbilanz angemessen Rechnung getragen“, erklärte Weidmann.

An diesem Donnerstag sagte Weidmann, dass für 2013 keine Rückstellungen gebildet worden seien. Die gesamte Wagnisrückstellung bleibe deshalb bei 14,4 Milliarden Euro. Eine Auflösung der auf dem Höhepunkt der Krise angeschwollenen Rücklagen sei nicht angebracht, weil angesichts der im vergangenen Jahr gesunkenen Leitzinsen für 2014 ein niedrigeres Ergebnis zu erwarten sei.

Zur Staatsschuldenkrise in der Währungsunion äußerte sich Weidmann verhalten optimistisch: „Die notwendigen Anpassungsprozesse in den von der Krise besonders betroffenen Ländern sind erkennbar vorangekommen, das Vertrauen kehrt allmählich zurück.“

Wichtigste Quelle des Bundesbankgewinns waren trotz Leitzinsen auf Rekordtief wie in den Vorjahren die Zinserträge. Allerdings sank der Nettozinsertrag binnen Jahresfrist von 8,3 Milliarden auf 5,6 Milliarden Euro. Der Wert des Bundesbank-Goldes verringerte sich wegen gesunkener Marktpreise deutlich: Zum Bilanzstichtag Ende Dezember stand das Edelmetall mit rund 95 Milliarden Euro in den Büchern der Notenbank – das waren fast 43 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Das wirkt sich allerdings nicht auf den Bundesbank-Gewinn aus. Die Bundesbank ist derzeit dabei, Goldbarren aus New York und Paris in heimische Tresore zu verlagern. Bis spätestens 2020 soll die Hälfte des Goldschatzes von fast 3400 Tonnen in Deutschland untergebracht sein.

Von

dpa

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