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19.02.2014

14:18 Uhr

Erstmals in der Geschichte

Griechenland schafft positive Leistungsbilanz

Seit 1948 erhebt Griechenland seine Leistungsbilanz – und immer war sie negativ. Bis 2013: Erstmals schafft das Euro-Krisenland einen Überschuss von 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung. Grund ist der Tourismus.

Touristen besuchen die Akropolis in Athen. Die Tourismussaison sorgte für Rekordeinnahmen von zwölf Milliarden Euro – ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zu 2012. dpa

Touristen besuchen die Akropolis in Athen. Die Tourismussaison sorgte für Rekordeinnahmen von zwölf Milliarden Euro – ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zu 2012.

AthenGriechenland hat erstmals einen Überschuss in der Leistungsbilanz geschafft. Vor allem dank des florierenden Tourismus lag dieser 2013 bei 1,24 Milliarden Euro oder 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung, wie die Zentralbank des rezessionsgeplagten Staates am Mittwoch in Athen mitteilte. Seit Einführung dieser Statistik 1948 hatte es bislang stets ein Defizit gegeben, das kurz vor Ausbruch der Schuldenkrise 2008 bis auf 15 Prozent des Bruttoinlandsproduktes anschwoll.

Da das Land jahrzehntelang weit mehr importierte als exportierte, musste diese Lücke mit ausländischem Kapital geschlossen werden. Viele Experten sehen darin einen Hauptgrund für die Krise des Landes. In die Leistungsbilanz fließen neben dem Warenhandel der Austausch von Dienstleistungen mit dem Ausland, aber beispielsweise auch Entwicklungshilfe und Vermögenseinkommen ein.

Dass die Bilanz nun erstmals positiv ausfällt, ist der starken Tourismussaison zu verdanken. Sie sorgte für Rekordeinnahmen von zwölf Milliarden Euro – ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zu 2012. Keine andere Branche holt mehr ausländisches Geld nach Griechenland.

Sinkende Einfuhren bringen zudem die Handelsbilanz wieder ins Lot. Die Einfuhren fielen im Vergleich zu 2008 um 54 Prozent. Verkaufte der deutsche Autobauer Porsche damals noch 424 seiner Luxuswagen in Griechenland, so waren es im Vorjahr nur noch acht. Geholfen hat auch, dass die Geldgeber auf die Hälfte ihrer Zinszahlungen verzichtete.

So stehen die Euro-Krisenländer da

Frankreich

Lage: Mit 0,3 Prozent wuchs die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone im vierten Quartal 2013 etwas schneller als erwartet. Sie befreite sich damit aus der Stagnation. Dennoch reichte es im Gesamtjahr 2013 nur zu einem Plus von 0,3 Prozent.
Aussichten: Für 2014 rechnet die Notenbank mit einem Wachstum von 0,9 Prozent. Frankreich leidet unter einer hohen Arbeitslosigkeit. "Steigende Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen wirken sich negativ auf die Einkommen aus", befürchtet deshalb die EU-Kommission. Das bremse den Konsum.

Italien

Lage: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Oktober bis Dezember 2013 um 0,1 Prozent zu. Das war das erste Wachstum seit Mitte 2011. Dennoch schrumpfte das BIP im Gesamtjahr 2013 um 1,9 Prozent.

Aussichten: Zwei Rezessionsjahren folgt eine kraftlose Erholung. 2014 wird von der EU-Kommission ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet, 2015 von 1,2 Prozent. Steigende Exporte dürften die Unternehmen zu mehr Investitionen ermutigen. Die Arbeitslosenquote soll 2014 noch einmal leicht steigen, was den Konsum dämpft.


Spanien

Lage: Der Notenbank zufolge ist das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2013 um 0,3 Prozent gewachsen. Trotzdem dürfte die Wirtschaft 2013 das zweite Jahr in Folge geschrumpft sein - voraussichtlich um 1,2 Prozent.

Aussichten: 2014 soll es ein mageres Wachstum von 0,5 Prozent geben, erwartet die EU-Kommission. Das Plus soll sich 2015 auf 1,7 Prozent erhöhen. Sowohl Unternehmen als auch Verbraucher dürften durch den Umbau des Bankensektors nach wie vor schwer an Kredite kommen. Die Exporte sollen dagegen gut laufen und stetig zulegen.

Griechenland

Lage: Im Vergleich zum Vorjahresquartal ging es Ende 2013 noch einmal um 2,6 Prozent nach unten. Immerhin: Zu Jahresbeginn war die Wirtschaftsleistung noch um mehr als das Doppelte eingebrochen.

Aussichten: Das BIP soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder wachsen, wenn auch nur um 0,6 Prozent. "2015 dürfte die Erholung an Kraft gewinnen, wenn die Investitionen zum Motor der Belebung werden", erwartet die EU-Kommission. Schwachpunkt bleibt die Rekordarbeitslosigkeit von aktuell 28 Prozent, die den Konsum bremst.


Portugal

Lage: Das Wachstum beschleunigt sich im vierten Quartal auf 0,5 Prozent. Dadurch schrumpfte die Wirtschaft 2013 nur noch um 1,4 Prozent, nach 3,2 Prozent 2012.

Aussichten: 2014 soll nach drei Minus-Jahren wieder ein Plus folgen. Dann dürfte ein Wachstum von 0,8 Prozent herausspringen, das sich 2015 auf 1,8 Prozent erhöhen soll, erwartet die Regierung. Wachstumstreiber sind vor allem die Exporte, aber auch die Binnennachfrage soll 2014 wieder anziehen.

Zypern

Lage: Um voraussichtlich 5,5 Prozent ist die Wirtschaftsleistung 2013 eingebrochen. Ursprünglich war sogar ein Minus von 8,7 Prozent erwartet worden, doch lief der private Konsum besser als angenommen.

Aussichten: 2014 wird ein weiteres Minus von 3,9 Prozent erwartet. "Die zyprische Volkswirtschaft sieht sich starkem Gegenwind ausgesetzt", so die EU-Kommission. Sowohl Konsum als auch Exporte dürften sinken. Erst 2015 wird mit einem Wachstum gerechnet, das aber mit 1,1 Prozent dünn ausfallen soll. Die Arbeitslosenquote dürfte 2014 auf 19,2 Prozent hochschnellen.

Experten rechnen mit einer Fortsetzung der positiven Entwicklung. „2014 erwarten wir einen erneuten Überschuss in der Leistungsbilanz“, sagte Eurobank-Ökonom Platon Monokroussos. „Die Importe werden schwach bleiben, während sich Tourismus und Exporte weiter gut entwickeln dürften.“

Ob der Überschuss auf Dauer gehalten werden könne, hänge von der Wettbewerbsfähigkeit der Landes ab. „Die Löhne müssen sich am Produktivitätswachstum orientieren“, sagte Monokroussos. Außerdem müsse es gelingen, Importe durch heimische Erzeugnisse zu ersetzen.

Von

rtr

Kommentare (22)

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PeterKock

19.02.2014, 14:31 Uhr

Ein paar Zeilen weiter oben steht soeben das Griechenland bankrott ist ! Was auch anzunehmen ist aber die deutschen Politiker hatten immer schon ihre Probleme mir dem Rechnen.

Account gelöscht!

19.02.2014, 14:51 Uhr

Das kann auch, der zufällig gleiche Wirtschaftsprüfer, wie bei Teldafax und Flexstrom, bestätigen. Goldman & Sachs, oder so ähnlich, hab den Namen vergessen.

Sarina

19.02.2014, 14:57 Uhr

Griechenland hat erstmals einen Überschuss in der Leistungsbilanz geschafft.
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Kreative Buchführung?
Wie kann GR einen Überschuss (wahrscheinlich vor Zinsen!) erwirtschaften, wenn das Land bankrott ist?

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