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18.11.2016

11:33 Uhr

Erstmals seit 2009

Deutsche US-Exporte stehen vor Rückgang

Nachdem die Lieferungen im vergangenen Jahr an die USA noch um fast 20 Prozent zunahmen, sacken die Exporte in diesem Jahr wieder ab. Der Grund dafür ist schnell gefunden: die ungewisse politische Zukunft der USA.

Deutsche Güter werden in die ganze Welt verschifft – bislang vornehmlich in die Vereinigten Staaten. dpa

Export

Deutsche Güter werden in die ganze Welt verschifft – bislang vornehmlich in die Vereinigten Staaten.

BerlinDen deutschen Exporteuren drohen erstmals seit der Finanzkrise 2009 Einbußen im US-Geschäft. Von Januar bis September fielen die Ausfuhren zu ihrem weltweit wichtigsten Kunden um 6,3 Prozent auf knapp 80 Milliarden Euro, wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. „Im gesamten Jahr 2016 dürfte es sogar zu einem Rückgang von etwa sieben Prozent kommen“, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. „Das ist ein gehöriger Dämpfer auf unserem wichtigsten Exportmarkt.“ Zum Vergleich: Die gesamten Exporte wuchsen in den ersten neun Monaten um rund ein Prozent.

2015 waren die Lieferungen in die weltgrößte Volkswirtschaft noch um 19 Prozent auf rund 114 Milliarden Euro nach oben geschnellt, womit die USA nach Jahrzehnten Frankreich als wichtigsten Kunden ablösten. „Drei Viertel dieses Zuwachses gingen allerdings auf die kräftige Euro-Abwertung zurück“, sagte Treier. Dadurch war jeder eingenommene Dollar mehr Euro wert. Dieser Effekt sei nun ausgelaufen, da der Eurokurs weitgehend stabil geblieben sei.

Ein weiterer Grund für den Rückgang sei die Zurückhaltung vieler amerikanischer Kunden durch den harten Präsidentschaftswahlkampf zwischen Donald Trump und Hillary Clinton und dessen ungewissen Ausgang. „Die Verunsicherung ist sehr groß – vor allem nach dem Sieg Trumps“, sagte Treier. „Dessen außenwirtschaftliches Programm macht keinen Mut, denn er hat sich wiederholt für neue Zölle ausgesprochen. Das besorgt die deutschen Exporteure.“

Das sind die Wachstumsgaranten der deutschen Exporteure

USA

Die Vereinigten Staaten sind erstmals wichtigster deutscher Absatzmarkt und verdrängen damit Frankreich nach mehr als einem halben Jahrhundert. Beflügelt vom schwachen Euro zogen die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2015 um fast 24 Prozent auf 56 Milliarden Euro an. Ein weiterer Grund für diesen Boom ist das robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Anstieg des US-Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent und für 2016 mit 3,0 Prozent. Wegen geringerer Energiekosten werden zudem viele Fabriken und Produktionsstätten hochgezogen, für die Maschinen und Ausrüstungen aus Deutschland importiert benötigt werden.

Indien

Lange stand das Land im Schatten des benachbarten China. Doch sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr dürfte Indien deutlich schneller wachsen als die Volksrepublik. Der IWF sagt jeweils ein Plus von 7,5 Prozent voraus. Vom Aufschwung in dem nach China bevölkerungsreichsten Land der Welt profitiert Deutschland bereits: Die Ausfuhren dorthin zogen im ersten Halbjahr um fast ein Fünftel auf knapp fünf Milliarden Euro an.

Südafrika

Noch besser läuft es in der nach Nigeria zweitgrößten Volkswirtschaft Afrikas: Die deutschen Exporte dorthin nahmen in den ersten sechs Monaten gleich um 28 Prozent zu - auf insgesamt 4,9 Milliarden Euro. Zwar ist die Konjunktur eher mau, doch der Staat investiert viel Geld in die Infrastruktur - von Energie über Wasser bis hin zu Straßen. Die deutsche Wirtschaft hat die dafür passenden Produkte im Angebot und profitiert davon ebenso wie von einer konsumfreudigen, wachsenden Mittelschicht.

Euro-Zone

Nach Jahren der Krise fasst die Währungsunion wieder Tritt. Bestes Beispiel dafür ist Spanien, das im zweiten Quartal so kräftig wuchs wie seit über acht Jahren nicht mehr. Der Appetit auf Waren "Made in Germany" nimmt entsprechend zu: Die deutschen Ausfuhren nach Spanien legten in der ersten Jahreshälfte um mehr als elf Prozent auf rund 19,5 Milliarden Euro zu, die in die gesamte Euro-Zone um fast fünf Prozent auf rund 220 Milliarden Euro.

Großbritannien

Das Land ist bereits der drittgrößte deutsche Exportkunde. Dennoch legten die Ausfuhren dorthin im ersten Halbjahr um starke 9,4 Prozent auf 45 Milliarden Euro zu. Auch hier sorgt der schwache Euro für einen Extra-Schub, verbilligt er doch deutsche Waren auf der Insel. Außerdem befindet sich auch Großbritannien in einem Aufschwung: In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit 2,5 Prozent deutlich kräftiger wachsen als in der Euro-Zone mit 1,5 Prozent, wie der IWF erwartet.

US-Unternehmen investieren in diesem Jahr weniger in Ausrüstungen wie Maschinen und Fahrzeuge – nicht nur wegen wackliger Weltkonjunktur, sondern wohl auch, weil sie den Ausgang der Wahl abwarten wollen: Im ersten Quartal brachen ihre Ausgaben um 9,5 Prozent ein, im Frühjahr und Sommer gingen sie um jeweils knapp drei Prozent nach unten. Im Gesamtjahr 2015 hatten die Unternehmen noch 3,5 Prozent mehr Geld für Investitionen locker gemacht.

Die US-Unternehmen leihen sich auch weniger Geld dafür. Kredite, Leasingverträge und Kreditlinien schrumpften in den ersten neun Monaten um vier Prozent, ermittelte der US-Branchenverband Equipment Leasing and Finance Association (ELFA). Ein Grund dafür sei ungewisse politische Entwicklung in den USA, sagte Experte Stan Walker von JPMorgan Equipment Finance.

Von

rtr

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